<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Walters Werkstatt: Theologie, Gesellschaft und Kirche</title>
	<atom:link href="https://www.walterfaerber.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.walterfaerber.de</link>
	<description>Texte aus der norddeutschen Tiefebene</description>
	<lastBuildDate>Sun, 29 Mar 2026 10:54:06 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2012/10/ww-logo.png</url>
	<title>Walters Werkstatt: Theologie, Gesellschaft und Kirche</title>
	<link>https://www.walterfaerber.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Seitenwechsel</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/markus14_01-11-seitenwechsel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 10:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besonderer Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11518</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 29. März 2026 zu Markus 14,1-11<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fmarkus14_01-11-seitenwechsel%2F&amp;action_name=Seitenwechsel&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine weitere Predigt zum Text finden Sie <a href="https://www.walterfaerber.de/predigten/markus14_03-09-jesus-unter-emotionalen-analphabeten/">hier</a>.</p>
<div id="bibeltext">
<p>1 Es war zwei Tage vor dem Pascha und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten. 2 Sie sagten aber: Ja nicht am Fest, damit es im Volk keinen Aufruhr gibt!<br />
3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. 4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.<br />
10 Judas Iskariot, einer der Zwölf, ging zu den Hohepriestern. Er wollte Jesus an sie ausliefern. 11 Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen, ihm Geld dafür zu geben. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, ihn auszuliefern.
</p></div>
<div id="predigt">
<figure id="attachment_11524" aria-describedby="caption-attachment-11524" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-300x300.jpg" alt="Glaskaraffe mit Salböl zwischen Oliven und Kräutern" width="300" height="300" class="size-medium wp-image-11524" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-300x300.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-1024x1024.jpg 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-133x133.jpg 133w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-768x768.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-1536x1536.jpg 1536w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269-600x600.jpg 600w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/couleur-olive-oil-pxb1596417-scaled-e1774780885269.jpg 1680w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-11524" class="wp-caption-text">Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/couleur-1195798/?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=1596417">Couleur</a> auf <a href="https://pixabay.com/de//?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=1596417">Pixabay</a></figcaption></figure></p>
<p>In diesen Geschichten aus dem Markusevangelium geht es um Seitenwechsel. Um Verrat. Da ist einmal Judas. Er gehört zum engsten Kreis um Jesus. Und irgendetwas muss ihn getrieben, sich den Feinden Jesu anzudienen. Es gibt viele Vermutungen darüber – vielleicht war er neidisch auf Petrus, Johannes und Jakobus, weil die noch ein bisschen näher an Jesus dran waren als er. Vielleicht wollte er auch Jesus unter Druck setzen, damit der endlich mal die Engeltruppen einsetzt, über die er doch wohl das Kommando hatte – oder? Egal. In jeder Gruppe gibt es so ein schwächstes Glied, und wenn der Druck hoch genug ist, dann wechselt so einer die Seiten.</p>
<h5>Was treibt so einen?</h5>
<p>Vielleicht war es auch wirklich nur schnöde Geldgier. 30 Denare soll er bekommen haben, das war damals ein Monatslohn am unteren Rand der Skala, also ungefähr unser heutiger monatlicher Mindestlohn: 2.409 €. Ein bisschen dürftig war der Judaslohn schon. Man liebt Verräter nicht, noch nicht mal, wenn man von ihnen profitiert.</p>
<p>Denn profitiert haben die Führungsgruppen Jerusalems tatsächlich von Judas. Sie steckten ja in einem Dilemma und haben anscheinend pausenlos getagt. Sie mussten Jesus zum Schweigen bringen, bevor er beim Passafest eine große Bühne bekommen würde. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn er seine tempelkritischen Parolen vor Tausenden von Pilgern wiederholen würde. Andererseits konnte eine öffentliche Verhaftung Jesu der Auslöser für einen Volksaufstand sein. Sie mussten ihn deshalb heimlich in ihre Gewalt bekommen. Dazu brauchten sie einen Informanten im engsten Kreis um Jesus, und jetzt hatten sie ihn endlich.</p>
<h5>Eine andere Art von Verrat</h5>
<p>In diesen Geschichten gibt es aber noch eine weitere Verräterin, aber eine Verräterin ganz anderer Art. Das ist die Frau, die kommt und Jesus mit Nardenöl salbt. Die indische Narde, aus der man dieses Öl herstellt, kommt aus den Höhenlagen des Himalaya. Sie wächst dort wild bis auf 5.500 Meter Höhe. Sie ist mit unserem Baldrian verwandt und soll auch diese beruhigende Wirkung haben. Man kann sich vorstellen, dass es ziemlich teuer war, dieses Öl herzustellen und zu importieren. Auf über dreihundert Denare wird der Wert des Öls geschätzt, also vielleicht 25.000 €, das Zehnfache des Judaslohns.</p>
<p>Diese Frau muss aus einem ziemlich reichen Haus kommen. Es gab wahrscheinlich in Jerusalem nur sehr wenige Familien, wo man Kosmetik für 25.000 € vorrätig hatte. Die Frau kommt also aus der Oberschicht, und man kann sich gut vorstellen, dass ihr Mann gerade in einer Geheimsitzung im Tempel berät, wie man das Problem Jesus lösen kann. Wahrscheinlich weiß sie sogar davon, und sie hat gedacht: Das ist meine letzte Chance! Sie schnappt sich das Öl; irgendwoher weiß sie, wo Jesus zu finden ist, sie macht sich auf den Weg nach Bethanien, sie zerbricht das kostbare, versiegelte Gefäß und salbt Jesus mit dem Öl. Wahrscheinlich hat sie gedacht: Jesus braucht jetzt Klarheit im Kopf, in dieser Situation lasten auf ihm Sorgen und Ängste, und ich will wenigstens dazu beitragen, dass die ihm nicht das Gehirn vernebeln.<br />
Merkt ihr, wie mutig diese Frau ist? Sie wechselt die Seite, sie bringt sich in einen offenen Gegensatz zu ihrem Mann (das konnte im Patriarchat damals sehr gefährlich sein), und wenn sich das herumspricht, dann ist sie auch bei den anderen Damen der guten Gesellschaft unten durch.</p>
<p>Die Frau muss eine wirklich selbständige Persönlichkeit gewesen sein. Höchstwahrscheinlich gibt es auch eine Vorgeschichte, von der wir nichts erfahren. Vielleicht hat Jesus die Frau geheilt oder wenigstens ermutigt, vielleicht hat sie ihn gehört, und er hat ihr aus der Seele gesprochen. Was auch immer: wir wissen nur, dass sie sich traut, ihm dieses Zeichen des Danks und der Unterstützung zu geben, auch wenn sie dafür noch jede Menge Ärger kriegen kann. Und Jesus erfasst die Situation sofort und sagt: sie hat getan, was sie konnte. Sie konnte nichts dran ändern, dass gerade mein Tod beschlossen wird, aber was in ihrer Macht stand, das hat sie getan.</p>
<h5>Sie tut was sie kann</h5>
<p>Liebe Freunde, von niemandem von uns wird verlangt, dass wir mehr tun als das, was in unserer Macht steht. Es gibt so viel Böses in der Welt, an dem wir nichts ändern können. Und viele legen dann die Hände in den Schoß und sagen: ich kann ja nichts machen. Aber irgendetwas können wir immer machen. Und es ist für Gott nicht schwer, durch viel oder durch wenig etwas zu bewirken, durch Großes oder durch Kleines. Vielleicht hat die Erinnerung an diese Frau Jesus geholfen, bis zum Schluss durchzuhalten und sein Vertrauen auf Gott auch am Kreuz nicht zu verlieren. Vielleicht war diese Salbung ja das Zeichen, das er noch brauchte: Wenn ich sogar die Seele dieser Frau aus der Oberschicht erreiche, dann hat meine Mission Zukunft. Wir wissen das nicht, aber Gott weiß es. Er weiß es auch bei dem, was wir tun.</p>
<p>Jesus ist in dieser Geschichte der Einzige, der wirklich versteht, was passiert. Die anderen sind pikiert, dass sich wieder mal eine Frau in ihre Männergesellschaft wagt und natürlich auch wieder Jesus viel zu nahe kommt. Aber wahrscheinlich sind sie auch verstört von der Entschiedenheit dieser Frau. Was will diese reiche Tussi hier? Das kann doch nicht sein, dass sie es ehrlich meint. Will die sich an Jesus ranschmeißen? Meint die, sie wäre wichtiger als wir hier?</p>
<p>Und auf einmal entdecken sie ihr Herz für die Armen. So wie manche Leute plötzlich ihr Herz für die Armen entdecken, wenn es um die Benzinpreise geht oder um billiges Fleisch aus Massentierhaltung. Unmöglich diese Frau! Kommt und meint, sie könnte Jesus mit ihrem teuren Zeug beeindrucken! Die soll lieber Almosen geben!</p>
<h5>Worum es wirklich geht</h5>
<p>Und sie sehen nicht, was in Wirklichkeit geschieht: Die Frau wechselt die Seite, weil sie weiß, dass es richtig so ist. Sie verrät ihre Klasse, sie verlässt den goldenen Käfig, in dem sie bisher gelebt hat, und sie tut es, weil Jesus ihr den Mut dafür gegeben hat. Wir müssen Menschen nicht auf ihren sozialen Status, ihr Geld oder ihre Herkunft reduzieren. Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich für den neuen Weg Jesu zu entscheiden, unabhängig davon, wo er herkommt und wie sein Leben bisher ausgesehen hat. Niemand ist mehr an seine Vergangenheit gebunden.</p>
<p>Aber »Sich für Jesus entscheiden«, das bleibt eine fromme Phrase, wenn man nicht auch dazu sagt, dass das einen fundamentalen Bruch bedeutet: den Bruch mit den gottlosen politischen und wirtschaftlichen Mächten, die so tun, als ob sie die wahren Herren der Welt wären. Und Jesus sieht, dass die Frau diesen Schritt getan hat. Sie hat es getan mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Manche haben Öl für 25.000 €, andere wie die arme Witwe im Tempel haben nur ein paar Cent. Aber der menschliche Akt dahinter, um den geht es. Und den sieht Jesus: Sie hat getan, was sie konnte.</p>
<p>Wir leben heute in einer Welt, wo alles seinen Preis hat. Überall sehen wir jeden Tag Zahlen, die so tun, als ob sie uns genau sagen könnten, wieviel etwas wert ist. Im Vergleich dazu ging es in biblischen Zeiten beinahe gemütlich zu. Aber Jesus hat schon damals gesehen: Geld ist der große Gleichmacher. Es reduziert alle Verhältnisse und Beziehungen unter Menschen auf eine einzige Zahl, es macht alles zur käuflichen Ware, und wir sehen dahinter nicht mehr die Menschen, mit denen wir durch die Dinge in Beziehung treten.</p>
<h5>Wir können die Seite wechseln</h5>
<p>Manchmal haben wir das noch im Blick, wenn wir sagen: ich kaufe in dem kleinen Laden, wo ich die Leute kenne, auch wenn es da etwas teurer ist. Aber auch da wissen wir in der Regel nicht, wer eigentlich die Sachen hergestellt hat, die wir kaufen. In Jesu Zeiten wusste man meistens noch, wer den Mantel gewebt hatte, den man trug. Bei Nardenöl aus dem Himalaya war das schon schwieriger. Wir können uns die Gesellschaft, in der wir leben, nicht aussuchen. Wir heute sind hineingeboren in eine kapitalistische Welt, in der alles seinen Preis hat. Wo menschliche Beziehungen durch anonyme Warenbeziehungen unsichtbar gemacht werden.</p>
<p>Aber das muss nicht darüber bestimmen, wem unsere Loyalität gilt. Wir können die Seite wechseln. Wir können hinter das Preisschild schauen und wenigstens ahnen, mit welchen Menschen uns die Dinge in Verbindung bringen. Wir können auch etwas von unserem Essen selbst anbauen, damit wir nicht vergessen, dass Kartoffeln nicht in einer Fabrik zusammengeschraubt werden, sondern in richtiger Erde wachsen. Dann sind wir näher dran am Wunder des Lebens. Wir können auch gemeinsam Dinge reparieren, obwohl sich das wirtschaftlich gesehen gar nicht lohnt – aber es baut neue Beziehungen und Solidaritäten. Wir können die menschliche Arbeit und die Fantasie sehen, die in den Dingen steckt. Wahrscheinlich können wir noch sehr viel mehr tun, um hinter das Trugbild des Preisschildes zu sehen und das wahre Leben dahinter zu erkennen. Aber das ist doch schon mal ein Anfang.</p>
<h5>Beziehung statt Mammon</h5>
<p>Judas hat seine Beziehung zu Jesus für Geld verraten. Die Frau setzt ihren Reichtum ein, um ihre Beziehung zu Jesus zu vertiefen. Sie macht für sich selbst und für alle anderen deutlich, wo sie steht. »Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!« sagt Jesus bei einer anderen Gelegenheit. Also: den Mammon, an dem Ausbeutung und Gewalt kleben wie ein altes Kaugummi, den tauscht ein gegen lebendige Beziehungen! Den Mammon nimmt man nicht mit ins Grab, und auch schon vorher kann er plötzlich weg sein. Heile Beziehungen zu Gott und den Menschen bleiben, auch in Krisen und Katastrophen, und auch wenn diese Welt irgendwann für uns zu Ende geht.</p>
<p>Jesus zeigt uns, wie wir den trügerischen Schein des Geldes zerreißen können, damit wir dahinter die Realität sehen, auf die es ankommt. Und damit wir tun, was wir können. Keiner weiß, ob nicht gerade mein kleiner Beitrag Gott noch fehlte. Vielleicht ist ja meine Entschiedenheit und das Wenige, was ich tun kann, der entscheidende Schritt für mich, für einen anderen Menschen, und für die neue Welt Gottes.	</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fmarkus14_01-11-seitenwechsel%2F&amp;action_name=Seitenwechsel&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine Frage der Loyalität</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas09_57-62-eine-frage-der-loyalitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 15:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Besonderer Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11505</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 8. März 2026 zu Lukas 9,57-62<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas09_57-62-eine-frage-der-loyalitaet%2F&amp;action_name=Eine%20Frage%20der%20Loyalit%C3%A4t&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weiter Predigten zum Text finden Sie <a href="https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas09_57-62-unabhangig-am-rand/">hier</a> und <a href="https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas09_57-62-nachfolge-jesu-heute/">hier</a>.</p>
<div id="bibeltext">
<p>57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geeignet für das Reich Gottes.
</p></div>
<div id="predigt">
<p>Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Nur ein paar Verse vor dieser Textstelle hat Lukas beschrieben, wie er dorthin aufgebrochen ist. Im Lukasevangelium ist dieser Weg nach Jerusalem der zentrale Teil, er geht über 10 Kapitel, von Kapitel 9 bis Kapitel 19. Und ganz viele der bekanntesten Jesusgeschichten passieren unterwegs auf dieser Wanderung nach Jerusalem.</p>
<h5>Lieber das bekannte Unglück &#8230;</h5>
<figure id="attachment_11509" aria-describedby="caption-attachment-11509" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/Herzschloss-scaled-e1772983523376-300x294.png" alt="Ein rotes Vorhängeschloss in Herzform" width="300" height="294" class="size-medium wp-image-11509" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/Herzschloss-scaled-e1772983523376-300x294.png 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/Herzschloss-scaled-e1772983523376-1024x1002.png 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/Herzschloss-scaled-e1772983523376-768x752.png 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/03/Herzschloss-scaled-e1772983523376.png 1037w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-11509" class="wp-caption-text">Image by <a href="https://pixabay.com/users/neelam279-9820894/?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=10092768">Frauke Riether</a> from <a href="https://pixabay.com//?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=10092768">Pixabay</a></figcaption></figure>
<p>Wir sind also hier in einer Reisegeschichte. Das ist in der Bibel gar nicht selten, dass Menschen auf lange Wanderungen gehen. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der Auszug Israels aus der ägyptischen Sklaverei, der Exodus. Mose führt Israel raus aus Ägypten, wo sie beinahe einem Völkermord zum Opfer gefallen wären. Wohin geht die Reise? Ins Ungewisse, in ein fernes Land, das das Volk nur noch aus jahrhundertealten Erzählungen kennt. Und kaum gibt es die ersten Schwierigkeiten, schon sagen die ersten: In Ägypten war es eigentlich gar nicht so schlecht. Lasst uns wieder umkehren zu den Fleischtöpfen Ägyptens!</p>
<p>Das ist eine Erfahrung, die die Anführer Israels immer wieder machen mussten: Die Menschen halten fest am Alten, auch wenn es schlecht ist. Lieber das bekannte Unglück als ein unbekanntes Neues, auch wenn Gott vorangeht. Menschen ist unwohl bei dem Gedanken, einfach so ihr ganzes bisheriges Leben zurück zu lassen und ins Offene hinaus zu ziehen.</p>
<p>Das ist ein Problem, weil Gott aufbricht und uns auf neue Wege führt. Er geht voran, er geht mit, aber wir wissen vorher nicht wirklich genau, wie das Neue aussieht, in das er uns führen will. Das hängt damit zusammen, dass unsere Welt seit Adam und Evas Ungehorsam zutiefst beschädigt ist. Deshalb haben wir nie eine andere Welt kennen gelernt.</p>
<h5>Etwas stimmt nicht mit unserer Welt</h5>
<p>Vielleicht ist diese Geschichte vom Sündenfall Adam und Evas eine dunkle Erinnerung an den Augenblick, als die Menschen vor ungefähr 10.000 Jahren sesshaft wurden. Vorher besaß man nur das, was man tragen konnte. Jetzt hatte man ein Dach über dem Kopf und konnte Vorräte lagern. Aber Vorräte muss man beschützen, damit sich kein anderer daran bedient. Das individuelle Eigentum war erfunden, und manche hatten bald viel mehr als die anderen. Manche konnten sich auch Soldaten leisten und andere beherrschen.</p>
<p>Aber egal, wie man sich das genau vorstellt: wir spüren alle, dass mit unserer Welt etwas grundlegend schief läuft: Misstrauen zwischen Menschen, Unterdrückung, Ausbeutung, Ungleichheit, Gewalt und Kriege sind Zeichen dafür, genauso wie die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Und Gott möchte uns da rausholen, so wie er Israel aus Ägypten befreit hat. Dazu ist Jesus gekommen, als Beginn einer neuen Welt, die nicht mehr beschädigt und vergiftet ist. Um Jesus herum war diese Welt schon sichtbar: Menschen wurden innerlich und äußerlich geheilt, Menschen erlebten ein neues gleichberechtigtes Miteinander, auch zwischen Männern und Frauen, und das war anziehend. Viele Menschen kamen, weil sie merkten, wie gut ihnen das tat.</p>
<p>Das Problem ist nur, dass wir alle an diesem Punkt hin und her gerissen sind: wir wünschen uns eine andere, neue Art zu leben, und zum Glück haben auch viele in christlichen Gemeinschaften eine Ahnung davon bekommen, wie gut das sein kann. Aber gleichzeitig haben wir uns doch in unserem gewohnten Leben eingerichtet. Es gibt eine gewisse Sicherheit, zu wissen, wo man hingehört und wie das Leben läuft. Wir wissen im Grunde alle, dass das eine brüchige Sicherheit ist, und Kriege gibt es nicht nur zwischen Staaten, sondern manchmal auch im Nahbereich, in Familien, Firmen, Schulen und zwischen Nachbarn. Aber gibt es eine Alternative? Und wie sicher ist die?</p>
<h5>Die attraktive Alternative</h5>
<p>Jesus hat diese Alternative vorgemacht und dazu eingeladen. Und es ist kein Wunder, dass manche auch mehr davon haben wollten. Manche wollten bei Jesus bleiben und mit ihm gehen und wurden seine Jünger und Schüler. Und damit sind wir bei den drei Männern aus unserer heutigen Geschichte. Für die steht die Entscheidung an, ob sie mit Jesus mitgehen wollen. Zwei bieten das von sich aus an, einen anderen fordert Jesus selbst auf »Komm mit!«</p>
<p>Und sie stecken damit in einem Zwiespalt zwischen ihrem bisherigen Leben und der verlockenden Möglichkeit, sich ganz mit dieser neuen Art des Lebens zu verbinden, die Jesus in die Welt bringt.</p>
<p>Damit es keine Missverständnisse gibt: Es geht hier nicht um die Frage, ob man als Christin oder Christ immer Haus und Hof verlassen und ein Wanderleben beginnen muss. Auch in der Zeit der ersten christlichen Gemeinden sind es nur wenige gewesen, die das getan haben. Die meisten haben die Alternative Jesu in ihrer normalen Umwelt gelebt. Es geht also hier nicht um einen bestimmten Lebensstil. Es geht darum, wem meine wichtigste Loyalität gehört: meinem alten Leben oder der neuen Lebensart Jesu? Und von da aus schaue ich dann auf mein Leben.</p>
<h5>Jetzt noch nicht!</h5>
<p>Das sieht man besonders gut an dem Menschen, der erst seinen Vater begraben will. Damit ist nicht gemeint, dass der Vater gerade gestorben ist. Man hat damals in dem warmen Klima die Toten sehr schnell begraben, oft noch am selben Tag oder spätestens am Tag nach ihrem Tod. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Mann in der kurzen Zeit zwischen dem Tod seines Vaters und der Beerdigung noch schnell mit Jesus eine Diskussion begonnen hat.</p>
<p>Gemeint ist stattdessen: der Mann will erst mit Jesus gehen, wenn sein Vater gestorben ist. Das macht durchaus Sinn. Die lebten in patriarchalischen Verhältnissen, wie es sie bei uns früher auch gab und in vielen Teilen der Welt bis heute gibt. Da kann man als Sohn nicht einfach sagen: Tschüß, ich bin dann mal weg, Rückkehr ungewiss. Das wäre ein massiver Tabubruch. Deswegen sagt dieser Mann: Ja, ich will mit dir kommen, Jesus, aber erst muss der Alte tot sein, vorher geht es nicht.</p>
<p>Heute würde der Mann vielleicht stattdessen sagen: ich muss mich noch um meine kleinen Kinder kümmern, und meine Frau beschwert sich auch immer, dass ich zu wenig Zeit mit der Familie verbringe. Aber wenn die Kinder aus dem Haus sind, dann komme ich mit dir! Oder besser noch: wenn ich nicht mehr arbeiten muss! Oder wenn wir uns nicht mehr um die Enkel kümmern müssen.</p>
<p>Und Jesus weiß: irgendwann hat dieser Mann meinen Ruf der Freiheit vergessen. Dieser Ruf hat süß geklungen, aber wer ihm nicht folgt, der vergisst ihn auch irgendwann wieder. Und deshalb sagt Jesus: komm jetzt und verschreib dich der neuen Welt, die ich bringe. Entscheide dich jetzt mit ganzem Herzen! Steig aus aus den Selbstverständlichkeiten dieser alten Welt. Lass die Toten ihre Toten begraben! Also: Um die ganzen Probleme und Pflichten und Vorschriften, die die alte Welt einem auferlegt, sollen sich die kümmern, die bis über beide Ohren da drinstecken, die den Ruf der Freiheit nie gehört haben, die voll in ihren Traditionen gefangen sind und die immer erst danach fragen, was »man« tut und was »man« nicht tut.</p>
<h5>Mit ganzem Herzen</h5>
<p>Noch einmal: es geht im Christentum nicht darum, dass alle Haus, Hof und Familie verlassen müssten. Es geht um die Frage, wem meine erste Loyalität gilt. Und es kann viel schwieriger sein, mitten in der alten Welt ein Leben zu führen, das den Geist der neuen, kommenden Jesuswelt atmet. Da ist die Gefahr viel größer, dass man doch wieder zurückfällt ins alte Denken, in die alten – durchaus auch kirchlichen! – Loyalitäten, in die Gefangenschaft der Tradition und in die Abhängigkeit von dem, was die anderen alle denken und meinen. Davon sollen wir frei werden!</p>
<p>Darum geht es auch bei der Begegnung Jesu mit dem anderen Mann, der sich erst noch von denen in seinem »Haus« verabschieden will. Das »Haus« war damals die Gemeinschaft, wo man als Großfamilie, als Sippe miteinander lebte und arbeitete. Und wenn der sich erst noch von seiner Sippe verabschieden will, dann ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass sich der Abschied ewig hinzieht, und dass sie ihm zu Hause 1000 Versprechen abpressen, dass er bald wiederkommt, mindestens zu Weihnachten, und sie nicht vergisst, und dass es ja nur für eine begrenzte Zeit ist, und dann ist der Mann in diesen Versprechungen gebunden, sein Herz ist nicht frei, und er wird immer hin und her schwanken zwischen der Loyalität zu seinen Leuten und der Nachfolge Jesu.</p>
<p>Wer mit dem Pflug eine neue Furche ziehen will, der muss nach vorn schauen, sonst wird die Furche krumm!</p>
<h5>Das Abseits als Ort der Freiheit</h5>
<p>Wir alle stecken mit ganz festen Bindungen in der Ordnung der alten beschädigten Welt drin. Die hat sich tief eingegraben in unsere Köpfe und Herzen. Oberflächlich gesehen sind wir heute alle frei und ungebunden und wollen uns von niemandem sagen lassen, wie wir zu leben haben. Aber in Wirklichkeit steckt die Logik dieser Welt tief in uns drin: der Wunsch nach Sicherheit, die Wichtigkeit des Geldes, das Misstrauen, ob die anderen oder die Welt überhaupt es wirklich gut mit uns meinen. Nur so erklären sich doch die ganze Konflikte, die gedrückte Stimmung, die vielen psychischen Defizite und der Neid, die Gier, die Wut und die Aggressionen, die sich so oft melden.</p>
<p>Jesus hat uns gezeigt, wie man aus einer neuen Quelle lebt, aus Gott, aus Vertrauen, aus Liebe und Kraft. Dazu  bringt er sich und seine Jünger bewusst in eine Randlage, außerhalb des normalen Regelwerks der Gesellschaft, und dort, im Abseits, formt er aus seinen Jüngern den Kern eines neuen Volkes. Immer wieder geht er mit ihnen in Gegenden, wo keine Menschen sind, oder ins Ausland, wo ihn keiner kennt, oder er fährt mit ihnen im Boot über den See Genezareth, wo sie unbelauscht sind.</p>
<p>Darum sagt Jesus dem, der mit ihm mitkommen will, von vornherein: ich bin heimatlos, und wenn du dich mir anschließt, musst du dieses Schicksal teilen. Ich habe keinen Ort, wo ich mein Haupt zur Ruhe betten kann. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Jesus nie schläft, sondern dass er keinen festen, geschützten Platz in der Gesellschaft hat, dass er überall nur zu Gast ist. Dass er nicht in der Mitte der Gesellschaft verankert ist, sondern irgendwo am Rand steht, im Abseits. Nur von da aus kann er etwas so radikal Neues bewirken.</p>
<h5>Unabhängigkeit kann etwas kosten</h5>
<p>Aber das hat einen Preis. Man hat am Rand nicht die Sicherheit, die eine Sippe ihren Mitgliedern gibt oder die die Gesellschaft ihren Gliedern gibt. Man muss wirklich auf Gott vertrauen. Am Ende wird Jesu Platz am äußersten Rand der Gesellschaft sein, am Kreuz, wo überhaupt keine Sicherheit und kein Schutz mehr ist. Wer etwas Neues schaffen will, der muss der Gefahr ins Auge sehen, dass er dann auf die Sicherheit des Alten verzichten muss, auch wenn das nicht immer gleich den Tod bedeutet.</p>
<p>So schafft Jesus eine göttliche Alternative zur Welt, wie wir sie kennen. Und diese Alternative wirkt auf die anderen ein und zeigt immer wieder, wie es besser gehen könnte. Das ist eine Art Revolution, aber eine Revolution ohne Bürgerkriege. Nur die Leute Jesu selbst geraten manchmal unter Druck, wenn die Gesellschaft diese Alternative, die sie verunsichert, zum Schweigen bringen will.</p>
<p>Es geht also bei all dem nicht darum, dass Jesus es seinen Leuten irgendwie besonders schwer machen will. Es geht ihm darum, dass wir unabhängig werden. Wir sollen Abstand bekommen, von der alten Ordnung, aus der wir kommen. Nur so werden wir frei für die neue Ordnung, die Jesus mit uns aufbaut. Er legt mit uns den Keim einer neuen Welt, die Grundlage für einen neuen Himmel und eine neue Erde. </p>
<p>Und dazu sagt er uns: trennt euch vom Alten, lasst es hinter euch, damit ihr eine gerade neue Furche ziehen könnt!
</p></div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas09_57-62-eine-frage-der-loyalitaet%2F&amp;action_name=Eine%20Frage%20der%20Loyalit%C3%A4t&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Priester wird Prophet</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/hesekiel02_1-10-ein-priester-wird-prophet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 11:12:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11496</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 8. Februar 2026 zu Hesekiel 2,1 - 3,3<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fhesekiel02_1-10-ein-priester-wird-prophet%2F&amp;action_name=Ein%20Priester%20wird%20Prophet&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="bibeltext">
<p>2,1 Er sagte zu mir: Menschenkind, stell dich auf deine Füße; ich will mit dir reden. 2 Da kam Geist in mich, als er zu mir redete, und er stellte mich auf meine Füße. Und ich hörte den, der mit mir redete. 3 Er sagte zu mir: Menschenkind, ich sende dich zu den Söhnen Israels, zu abtrünnigen Völkern, die von mir abtrünnig wurden. Sie und ihre Väter sind von mir abgefallen, bis zum heutigen Tag. 4 Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen. Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht GOTT, der Herr. 5 Sie aber: Mögen sie hören oder es lassen &#8211; denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit &#8211; , sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war.<br />
6 Du aber, Menschensohn, fürchte dich nicht vor ihnen, vor ihren Worten fürchte dich nicht! Wenn dich auch Disteln und Dornen umgeben und du auf Skorpionen sitzt, vor ihren Worten fürchte dich nicht und vor ihrem Blick erschrick nicht; denn sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit! 7 Du sollst ihnen meine Worte sagen, mögen sie hören oder es lassen, denn sie sind widerspenstig.</p>
<p>8 Du aber, Menschenkind, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig wie das Haus der Widerspenstigkeit! Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe! 9 Und ich schaute und siehe: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; und siehe, in ihr war eine Buchrolle. 10 Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben.<br />
3,1 Er sagte zu mir: Menschenkind, iss, was du vor dir hast! Iss diese Rolle! Dann geh, rede zum Haus Israel! 2 Ich öffnete meinen Mund und er ließ mich jene Rolle essen. 3 Er sagte zu mir: Menschenkind, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig.
</p></div>
<div id="predigt">
<img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/02/scroll-pxb7857949_1280-273x300.png" alt="Bild einer Schriftrolle" width="273" height="300" class="alignright size-medium wp-image-11500" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/02/scroll-pxb7857949_1280-273x300.png 273w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/02/scroll-pxb7857949_1280-768x845.png 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/02/scroll-pxb7857949_1280.png 781w" sizes="(max-width: 273px) 100vw, 273px" /></p>
<p>Der Prophet Hesekiel war ein Priester ohne Tempel. Er gehörte zu dem Teil der Oberschicht, der schon 597 v. Chr. nach der ersten Eroberung Jerusalems nach Babylon verschleppt worden ist. Und da gab es keinen Tempel, an dem der Priester Hesekiel Dienst tun konnte. 10 Jahre später wurde Jerusalem zum zweiten Mal erobert und völlig zerstört, und da gab es dann überhaupt keinen Tempel mehr.</p>
<h2>Ein Religionsbeamter begegnet Gott</h2>
<p>Irgendwann in der Zeit dazwischen wird aus dem Priester Hesekiel, dem Priester ohne Tempel, der Prophet Hesekiel. Mitten im gottlosen Land Babylon, wo es nur Tempel der Heidengötter gibt, im Zentrum der Gewaltmacht Babylon, erscheint ihm die Herrlichkeit Gottes in einer gewaltigen Vision. Das ganze erste Kapitel des Buches handelt davon, das ist sehr beeindruckend zu lesen. Und Hesekiel ist davon so überwältigt, dass er zu Boden fällt. Wenn Menschen Gott wirklich begegnen, dann sagen sie nicht: Ach wie schön, dich wollte ich schon immer mal kennenlernen! Sondern dann kriegen sie einen Riesenschrecken. Und Gott oder seine Boten müssen sie erst wieder beruhigen, damit sie überhaupt zuhören können. Und der Text, den ich eben vorgelesen habe, ist das, was Hesekiel dann zu hören bekommt.</p>
<p>Das fängt an mit der Aufforderung: Steh auf, stell dich auf deine Füße! Ich will mit dir reden!</p>
<p>So etwas hat der Priester Hesekiel noch nicht erlebt. In einem Heiligtum herrscht normalerweise heilige Routine, die für die Besucher aufregender ist als für die Priester selber. Die sind die Religionsbeamten, die bringen die vorgeschriebenen Opfer dar, die sprechen Tag für Tag die heiligen Texte, die begleiten die Leute an den großen Stationen des Lebens, z.B. wenn ein Kind geboren ist, und die inszenieren die jährlichen Festgottesdienste, wo der Tempel voll ist. Für all das braucht man Gott nicht wirklich. Da reicht auch eine gute liturgische Ausbildung, in der man gelernt hat, wie man sich würdig bewegt und die heiligen Handlungen korrekt vollzieht. Wenn man dann auch persönlich etwas damit anfangen kann – um so besser, aber es geht auch ohne.</p>
<p>Das ist ja das Problem mit allen Religionsinstitutionen, dass da aus der erschütternden Begegnung mit dem großen heiligen Gott nach und nach eine routinierte Verwaltung der heiligen Dinge wird, und dass sie den Zusammenhang zum Leben verlieren. Irgendwann am Anfang war da mal Feuer und Aufbruch und Schrecken und Begeisterung, dann wird daraus eine heimelige Wärme, und am Ende hält man nicht mehr das Feuer am Brennen, sondern verwaltet nur noch die Asche. Und irgendwann finden das auch die Leute nicht mehr so interessant.</p>
<h2>Gesandt zu kleinen Rebellen</h2>
<p>Aber jetzt begegnet der tempellose, arbeitslose Religionsbeamte Hesekiel der Wirklichkeit Gottes. Mitten im fremden Land, im gottlosen Babylon, ohne den Schutz der vertrauten Rituale, ohne Priestergewand, ohne Kerzen, Glocken, Orgel und beeindruckende Gebäude, einfach nur dem großen, echten, heiligen Gott, und das haut ihn um. Aber Gott lässt ihn da nicht stundenlang liegen, sondern er sagt: steh auf und hör zu! Jetzt bekommst du einen echten Auftrag. Schluss mit Hymnen und Weihrauch, du sollst ab jetzt meine Stimme sein und den Menschen sagen, was ich über sie denke. Das wird aber wesentlich unbequemer werden als dein bisheriger Job, darauf kann ich dich schon mal vorbereiten. Die werden dich nicht hören wollen, die mögen es nicht, wenn sie statt salbungsvoller heiliger Worte gesagt bekommen, dass sie jetzt die Suppe auslöffeln müssen, die sich selbst eingebrockt haben und dass sie umkehren sollen.</p>
<p>Die saßen da in Babylon auf gepackten Koffern und erwarteten, dass Gott sie doch in Kürze irgendwie wieder nach Hause bringen würde. Vielleicht erinnern sich manche von uns noch an Vertriebene des Zweiten Weltkriegs, die manchmal noch lange im Glauben gelebt haben, dass sie doch bestimmt über kurz oder lang in die Heimat zurückkehren müssten. Und Hesekiel wird seinen Leuten  sagen müssen: das wird nichts! Es geht hier nicht um eine kurze Phase des Unglücks, sondern das ist das Ende. Es wird nie wieder so werden wie »damals«.</p>
<p>Und Gott bereitet ihn vor und sagt: sie werden dich nicht hören wollen, sie werden dir nicht glauben, sie werden dich anfeinden, denn sie sind kleine Rebellen. Nein, sie rebellieren nicht gegen ihre kurzsichtigen und ungerechten Könige, sie lassen es sich gefallen, wenn die Reichen immer reicher werden und die Armen immer elender, sie protestieren nicht gegen gegen das ganze Hohlheit ihres Lebens, aber gegen Gott sind sie kritisch. Von Gott lassen sie sich nicht einfach so was sagen, das wäre ja noch schöner, wenn Gott uns autoritär in unser Leben reinreden würde! Wir sind doch mündige Israeliten, und wir bestehen darauf, dass Gott so ist, wie wir uns das wünschen. Wir lassen uns nicht einfach so etwas sagen, was uns nicht gefällt, wir sind nämlich kritisch!</p>
<h2>Auf die Dauer lässt sich die Realität nicht faken</h2>
<p>Das Dumme ist nur, dass man sich lange etwas vormachen kann, man kann ganz lange behaupten, dass alles nicht so schlimm ist, aber irgendwann kann man die Realität nicht mehr leugnen. Eines Tages war Jerusalem dann endgültig zerstört, und nach vielen Jahrhunderten passierte das ein paar Jahrzehnte nach der Zeit Jesu noch ein zweites Mal, obwohl auch er gewarnt hat. Irgendwann war Hitlerdeutschland endgültig kaputt, und irgendwann werden auch wir hier im einigermaßen sicheren Europa nicht mehr den Folgen des Klimawandels und der Vergiftung der Erde und des menschlichen Geistes entgehen.</p>
<p>Aber Gott sorgt dafür, dass Menschen rechtzeitig gewarnt worden sind. Deshalb beruft er ja Hesekiel und Jeremia und all die anderen Propheten, die auch warnen sollten. Aber Gott wusste schon, dass das nichts nützen würde. Sie sind ein Volk des Widerspruchs, bekommt Hesekiel zu hören. Bilde dir nicht ein, dass du sie ändern wirst. Aber es ist trotzdem wichtig, dass du meine Worte ausrichtest. Hinterher, wenn alles kaputt ist und die Scherben aufgekehrt werden, dann sollen sie wissen, dass es eine Gelegenheit gab, auf mich zu hören und die Katastrophe zu vermeiden. Es hätte eine Alternative gegeben. Hinterher, wenn die Großsprecher und Egomanen ganz kleinlaut geworden sind oder auch mit ihrem Imperium zugrunde gegangen sind, dann ist die Chance da, dass all die kleinen Rebellen umkehren und einsehen. Und wenn sie selbst dann immer noch blind bleiben wollen, dann sind es hoffentlich ihre Kinder, die verstehen, dass Gottes Worte wirklich Leben bedeuten.</p>
<h2>Ein neues Fundament für die Zeit nach der Katastrophe</h2>
<p>Dafür ist es wichtig, dass du, Hesekiel, furchtlos den Mund aufmachst, dass du nicht einschüchtern lässt, dass du die Wahrheit aussprichst als Grundlage für einen Neubeginn nach der Katastrophe. Und tatsächlich, als Israel schließlich ganz am Ende war, ohne Land, ohne König, ohne Tempel, da haben sie dann neu gebaut auf den Grundlagen, die die Propheten gelegt haben. Noch 600 Jahre später hat Jesus seine eigene Sendung im Licht dieser alten Prophetenworte gesehen. Es war wichtig, dass Hesekiel so standhaft und hart geblieben ist, wie Gott es von ihm verlangt hat. Es war wichtig, dass die Christen Jerusalem rechtzeitig verlassen haben, bevor 70 n.Chr. die Römer Jerusalem ein zweites Mal zerstört haben. Es war wichtig, dass auch unter Hitler Menschen verstanden haben, wohin seine Großartigkeitsträume führen würden und dagegen gearbeitet haben. Dieser Widerstand hat die Nazis nicht gestoppt, aber das war ein Fundament, auf dem nach 1945 ein Neuanfang in Deutschland möglich war, mit Grundgesetz und Demokratie und Menschenrechten und Sozialstaat, und wir leben zum Glück bisher immer noch gut auf dieser Grundlage.</p>
<p>Und so ist es auch jetzt wichtig, dass Menschen warnen vor den kommenden Zerstörungen, die wir durch unsere moderne westliche Lebensweise provozieren. Im Augenblick hören viele Menschen lieber auf die falschen Propheten, aber irgendwann wird es wichtig werden, dass es auch die Stimmen gegeben hat, die gewarnt haben, und das wird dann hoffentlich das Fundament für einen Neuanfang sein. Und es wäre schön, wenn das dann christliche Stimmen wären, an die man sich erinnern würde. Christliche Stimmen, von denen Menschen eines Tages sagen könnten: hätten wir nur darauf gehört – am Evangelium muss doch was dran sein. Hätten wir nur darauf gehört und hätten wir uns von der Lebensweise der Christen etwas abgeguckt!</p>
<h2>Hoffnung auf das Unerwartete</h2>
<p>Ja, im Moment sieht es leider nicht so prickelnd aus mit der christlichen Lebensweise. Aber Gott ist zum Glück immer wieder für Überraschungen gut. Vielleicht haben Sie ja am Rande mitbekommen, dass in den USA viele Gemeinden zu denen gehören, die sich dem Terror des Trump-Regimes gegen schutzlose Menschen entgegenstellen. Da kommt hoffentlich etwas in Bewegung!</p>
<p>Und hier bei uns in Deutschland könnte die Christenheit ja bald in der Lage sein, dass wir ganz ohne Tempel dastehen, dass unsere ganze Kirchenorganisation nicht mehr zu bezahlen ist und wir uns in einem ziemlich gottlosen Land vorfinden. Gerade das sind oft die Momente, in denen Menschen es mit dem lebendigen, wahren Gott zu tun bekommen wie Hesekiel damals in Babylon. Oder wie die frühen Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu, die sehr allein auf weiter Flur waren. Vielleicht bewegt sich ja auch bei uns noch etwas!</p>
<h2>Die Botschaft verkörpern</h2>
<p>Ganz zum Schluss bekommt Hesekiel eine Schriftrolle hingehalten, beschrieben mit Klagen, Seufzern und Weherufen. Und Gott sagt: Mund auf, und kauen! Oh nein, mag Hesekiel gedacht haben, soll ich jetzt das Klageweib vom Dienst sein? Aber gut, wenn Gott so was sagt, kannst du schlecht nein sagen. Also nimmt er sie und kaut, und auf einmal wird sie süß.</p>
<p>Das ist ein Bild dafür, wie Gott will, dass Menschen sich mit Leib und Seele mit seinem Wort identifizieren, dass es uns in Fleisch und Blut übergeht. Nicht einfach irgendwelche heiligen Texte rezitieren, sondern so, dass Gottes Reden durch uns hindurch geschieht, dass wir mit unserer ganzen Existenz ein Echo dieses Wortes sind und ihm dann natürlich auch unsere ganz persönliche Färbung mitgeben. Deswegen redet Hesekiel ganz anders als Jeremia z.B., obwohl sie in der gleichen Zeit gelebt und gesprochen haben. Vielleicht haben sie sich sogar gekannt. Sie reden beide davon, dass Gottes Wort in sie eingegangen ist, das gleiche Wort Gottes, aber einmal ist es zum Wort Gottes in Jeremia geworden und einmal zum Wort Gottes in Hesekiel. Wir sind nicht die Lautsprecher Gottes, die einfach einen vorgegebenen Text aufsagen. Sein Wort soll sich in unser Fleisch und Blut hinein umsetzen, wir sollen es verkörpern.</p>
<p>Und Jeremia wie Hesekiel machen beide die Erfahrung, dass es am Ende süß schmeckt, trotz der Klagen und Weherufe. Aber es ist Gottes Wort. Und mit ihm beschenkt zu werden, an Gottes Werk Anteil zu haben mit der ganz speziellen Persönlichkeit, die wir sind, das ist Glück. So entfalten wir uns wirklich zu dem Menschen, der wir sein sollen. Mitten im Haus der Widerspenstigkeit ist das schon ein Stück Himmel auf Erden.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fhesekiel02_1-10-ein-priester-wird-prophet%2F&amp;action_name=Ein%20Priester%20wird%20Prophet&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gottes Wort schafft Wälder der Gerechtigkeit</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/jesaja61_01-11-gottes-wort-schafft-waelder-der-gerechtigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 12:12:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11483</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 4. Januar 2026 zu Jesaja 61,1-11<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjesaja61_01-11-gottes-wort-schafft-waelder-der-gerechtigkeit%2F&amp;action_name=Gottes%20Wort%20schafft%20W%C3%A4lder%20der%20Gerechtigkeit&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="bibeltext">
<p>1 Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2 zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, 3 zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise.<br />
4 Sie werden die alten Trümmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben. 5 Fremde werden hintreten und eure Herden weiden, und Ausländer werden eure Ackerleute und Weingärtner sein. 6 Ihr aber sollt Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener unsres Gottes nennen. Ihr werdet der Völker Güter essen und euch ihrer Herrlichkeit rühmen. 7 Dafür, dass ihr doppelte Schmach trugt, und für die Schande sollen sie über ihren Anteil fröhlich sein. Denn sie sollen das Doppelte besitzen in ihrem Lande. Sie sollen ewige Freude haben.<br />
8 Denn ich bin der Herr, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst; ich will ihnen den Lohn in Treue geben und einen ewigen Bund mit ihnen schließen. 9 Und man soll ihr Geschlecht kennen unter den Völkern und ihre Nachkommen unter den Nationen, dass, wer sie sehen wird, erkennen soll, dass sie ein Geschlecht sind, gesegnet vom Herrn.<br />
10 Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. 11 Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.
</p></div>
<div id="predigt">
<p>Worte wirken. Worte sind nicht einfach Schall und Rauch. Sie sind nicht schwach oder vergänglich. Sie bewegen Menschen und gestalten dadurch die Welt. Worte sind Taten. Und ganz besonders dann, wenn Gott es ist, der redet.</p>
<h2>Wie meint Gott das?</h2>
<figure id="attachment_11486" aria-describedby="caption-attachment-11486" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-300x200.jpg" alt="Jemand entziffert mit einer Lupe eine hebräische Schriftrolle" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-11486" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2026/01/mick-haupt-Schriftrolle_eQ2Z9ay9Wws-unsplash-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-11486" class="wp-caption-text">Foto von <a href="https://unsplash.com/de/@rocinante_11?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditCopyText">Mick Haupt</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/fotos/person-mit-lupe-eQ2Z9ay9Wws?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></figcaption></figure>
<p>An diesem Text aus dem Buch Jesaja können wir das besonders gut sehen. Man weiß nicht genau, wann er entstanden ist, am wahrscheinlichsten irgendwann zwischen 500 und 450 vor Christus. Israel ist damals Provinz des großen persischen Reiches. Die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier liegt schon über 100 Jahre zurück, aber viele Städte sind immer noch Trümmerhaufen. Die meisten Menschen leben in kümmerlichen Verhältnissen, aber es gibt auch schon wieder ein paar Milliardäre, die sich alles leisten können und denen ihre ärmeren Mitmenschen egal sind.</p>
<p>In dieser Situation lesen Menschen das Buch Jesaja. Der Prophet Jesaja lebte noch einmal mindestens 200 Jahre früher, aber ab Kapitel 40 hat man es mit den Worten eines unbekannten Propheten ergänzt, der das Ende der babylonischen Gefangenschaft ankündigte. Gott hat seinem Volk vergeben, sagte er, in Kürze dürft ihr wieder nach Hause, zurück nach Jerusalem, und alles wird wieder gut.</p>
<p>Das hat dem Volk geholfen, seine Zuversicht zu bewahren. Die Hoffnung wuchs. Und tatsächlich durften sie kurz danach wieder nach Hause, aber es wurde überhaupt nicht alles wieder gut. Sie lebten zwischen Trümmern, die benachbarten Völker mischten sich in alles ein, die Menschen waren traumatisiert und zerstritten, Solidarität war Mangelware. Es war so ein bisschen wie heute im Syrien nach der Assad-Diktatur. Und einige Menschen versuchten zu verstehen, was da los war. Bei Jesaja, besonders in diesem zweiten Teil des Buches mit den Worten des unbekannten Propheten, stand es doch ganz anders!</p>
<h2>Neue Inspiration</h2>
<p>Und irgendwie hat der prophetische Geist Gottes diese Menschen noch einmal wieder inspiriert. Bei ihrer Lektüre des Jesajabuches erhoben sich unter ihnen neue Worte, die sie als Gotteswort erkannten, kostbare Botschaften, inspiriert vom Gott Israels, demselben, der schon zu Jesaja und seinem ersten Nachfolger gesprochen hatte.</p>
<p>Auf einige von diesen Worten hören wir heute: Gottes Geist hat mich gesandt, heißt es da. Ich soll euch eine gute Botschaft bringen. Ich soll den Armen und Traumatisierten eine hoffnungsvolle Perspektive öffnen. Ich soll denen, die noch immer trauern und ihre Lebenskraft verloren haben, den Blick nach vorn öffnen, auf eine gute Zukunft, die Gott bringen will. Es wird nicht immer so bleiben, ihr werdet wieder feiern können. Ihr werdet aufatmen können. Ihr werdet »Bäume der Gerechtigkeit« heißen, ein Wald, den Gott anlegt und der stetig wächst und gedeiht, und wo es gerecht zugeht.</p>
<p>Das waren Worte, die unter ihnen ein neues Bild ihrer Welt entstehen ließen. Das dunkle Elend, das sie umgab, hatte einen Riss bekommen, und durch diesen Riss kam das Licht der Hoffnung zu ihnen. Sie waren ja nicht allein und verlassen in ihrem Elend. Gott war immer noch dabei. Sie verstanden: was wir hier sehen, ist nicht alles. Diese Trümmer, zwischen denen wir hausen, die werden wieder repariert werden, man wird die zerstörten Städte neu bauen. Gewalt und Ausbeutung werden aufhören. Gott schafft Gerechtigkeit. Und so fügten sie dem Buch Jesaja einen dritten Teil mit diesen neuen Worten hinzu. Und wieder studierten Menschen dieses Buch und nahmen daraus die Überzeugung, dass keine Lage hoffnungslos ist, weil Gott immer noch dabei ist und dadurch in allen Dunkelheiten mindestens ein Riss offen ist, durch den das Licht der Hoffnung eindringt.</p>
<h2>Hoffnung gestaltet Zukunft</h2>
<p>Aber das war nicht nur reiner Seelentrost. Die Hoffnung bewegte sie und ließ sie handeln. Abraham Lincoln, der amerikanische Präsident, durch den die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde, soll gesagt haben: »Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist der, sie selbst zu gestalten.« In diesem Sinn sind Propheten keine Wahrsager, die uns erzählen, ob in diesem Jahr ein Vulkan ausbrechen wird oder die Aliens landen.</p>
<p>Propheten sprechen Worte, die uns Wege öffnen, auf denen wir die Zukunft gestalten können. Wenn sie sagen: dieses zerstörte Land wird wieder aufgebaut werden, dann bewirkt das hoffentlich, dass ein paar Leute sagen: ok, dann lasst uns die Ärmel aufkrempeln und anfangen! Und wenn der Prophet davon spricht, dass es ein Gnadenjahr des Herrn geben wird, dann erinnert er an die alte Bestimmung Gottes, dass alle 50 Jahre die Schulden erlassen und Sklaven freigelassen werden müssen. Und dann sagen hoffentlich ein paar Leute: das ist doch eine sehr gute Regel, warum führen wir die nicht wieder ein?</p>
<p>Gottes Worte zeigen Möglichkeiten, an die vorher keiner gedacht hat. In einer Welt, in der Sklaverei als normal und notwendig galt, redet Gott von einem Jahr der Befreiung. Und über 2000 Jahre später haben englische Christen entscheidend dazu beigetragen, dass die Sklaverei überhaupt abgeschafft wurde. Gottes Worte wirken. Es kann dauern, der Prophet spricht ja von »Bäumen der Gerechtigkeit«, und Bäume wachsen langsam. Aber Gottes Worte wirken, und aus den alten Worten erheben sich immer wieder neue Bedeutungen, wenn Menschen sie so aufmerksam studieren, wie sie es damals mit dem Jesajabuch getan haben.</p>
<h2>In Jesus wird es in vollem Maß real</h2>
<p>Wenn wir heute darin lesen, dass das zerstörte Land Israel wieder aufgebaut wird, dann erhebt sich ja hoffentlich unter uns die Vorstellung, dass auch die christliche Kirche, die bei uns gerade den Bach runtergeht, wieder neu gebaut wird. Aber eben nicht als die alte Machtkirche, die den Menschen übergestülpt worden ist, sondern als die Gemeinde Jesu, in der Menschen aufatmen und die zerbrochenen Herzen geheilt werden, wo die beschädigten und verführten und desorientierten Seelen gesund werden. Die Gemeinde als Wald der Gerechtigkeit, wo man nicht mehr nach der Pfeife der Superreichen tanzt. Und hoffentlich gibt es dann auch bei uns Menschen, die sagen: ok, lasst uns die Ärmel aufkrempeln und anfangen!</p>
<p>So entwickeln sich Gottes Worte beständig weiter und bringen immer wieder neue Perspektiven hervor. Und die wichtigste Zwischenstation dabei habe ich noch gar nicht erwähnt. Gerade an diesem Text können wir das besonders gut sehen, weil Jesus den ein halbes Jahrtausend später genommen hat und gesagt hat: jetzt erfüllt sich diese Verheißung. Jetzt seid ihr Zeugen, wie sie sich in vollem Maß realisiert. Und er meinte damit sich selbst und das Reich Gottes, das sich um ihn herum verbreitete. Er hat seine ganze Mission im Licht dieses Jesajawortes gesehen, und da erst bekam das alte Wort seine volle und richtige Bedeutung.</p>
<p>Seit damals verstehen wir, dass Gott seine Verheißungen nicht irgendwie mit einem Zauberstab in Erfüllung gehen lässt, sondern er macht das durch Menschen, die von seinen Worten bewegt sind. Jesus hat jahrzehntelang die Bibel studiert und sich von ihr inspirieren lassen. Und so hat er den verborgenen Willen Gottes darin entdeckt und gelebt: das Leben, auf das alle Worte Gottes hinauslaufen. Nach und nach ist das immer klarer geworden, auch durch viele menschliche Irrungen und Wirrungen hindurch. Jesus hat es dann endlich auf den Punkt gebracht. Er hat auch einiges korrigiert – z.B. sind bei ihm die Rachefantasien weggefallen, dass man eines Tages selbst die anderen Völker ausbeuten wird, die Israel so lange missachtet und misshandelt haben. Ganz ins Zentrum gestellt hat er die gute Nachricht für die Armen und für alle, die innerlich oder äußerlich gefangen sind.</p>
<h2>Gott bleibt beharrlich dran &#8211; über Jahrhunderte</h2>
<p>Jesus ist der entscheidende Beleg dafür, dass hinter diesen ganzen Verheißungsworten bei Jesaja und all den anderen wirklich Gott gestanden hat. Über all die Jahrhunderte hinweg hat Gottes Wort an den Menschen gearbeitet. Gott hat seinen Wald der Gerechtigkeit gepflegt. Bäume wachsen langsam. Und nur Gott hat einen so langen Atem, dass er über Jahrhunderte hinweg über diesen »Bäumen der Gerechtigkeit« wachen kann. Es gibt keinen Menschen und keine Menschengruppe, die über so lange Zeiträume durch all die Wendungen der Geschichte hindurch so beharrlich ein Ziel verfolgen könnte.</p>
<p>Aber Gott hat natürlich nach Jesus nicht damit aufgehört. Jetzt sorgt er dafür, dass sich Jesu Art in immer neuen Situationen auf neue Weise umsetzt. Auch das geht manchmal schief, es geht immer noch durch menschliche Irrungen und Wirrungen hindurch, und manchmal stürzen prächtige Kirchenkonstruktionen einfach in sich zusammen, weil sie Konstruktionsfehler haben. Hier in Deutschland erleben wir das gerade, in Amerika haben das die sogenannten »christlichen Nationalisten« noch vor sich. Und wahrscheinlich blüht das auch unserer ganzen westlichen Kultur. In der steckt auch ein schwerer Konstuktionsfehler. Aber von solchen Zeiten der Krise hat sich Gott noch nie einschüchtern lassen. Gerade in den dürftigen und kümmerlichen Zeiten hat er den Menschen die strahlendsten Worte geschenkt. Jesus lebte ja schließlich auch in einer Zeit, in der Israel voll war mit Armen, Traumatisierten und Unterdrückten, die den damaligen Milliardären egal waren.</p>
<p>Immer wieder haben sich Menschen getraut, aus Gottes Worten strahlende Bilder zu malen, auch wenn die lange brauchten, bis sie Wirklichkeit wurden. Bei manchen warten wir immer noch darauf. Das soll uns aber nicht davon abhalten, uns an der Verheißung zu orientieren, dass es ein großes Wiederaufrichten gibt für die Menschen, die durch Unterdrückung und Gewalt gebrochen oder gefangen worden sind. Auch das wird Gott nicht irgendwie herbeizaubern, sondern er macht es durch Menschen, die von seinen Worten bewegt und motiviert sind.</p>
<h2>Trümmer wegräumen, neu bauen</h2>
<p>Das sieht heute ganz anders aus als in der Zeit der Bibel, aber es geht immer darum, dass Gott Orte des Heilwerdens schafft, Wälder der Gerechtigkeit, wo man sehen kann, wie ein gutes Leben aussieht. Wo die Trümmer aufgeräumt werden, die die Milliardäre und Machtmenschen dieser Welt hinterlassen. Wo man sich von ihrer Propaganda und ihren Lügen nicht mehr einlullen lässt. Wo Menschen zusammenhalten und sich nicht mehr gegeneinander aufhetzen lassen. Und es beginnt damit, dass Menschen aus ihrer Traurigkeit herausgeholt werden, die ihnen immer nur Probleme zeigt, von denen man nur überwältigt werden kann.</p>
<p>Gott öffnet uns stattdessen die Augen für die Möglichkeiten, die wir haben. Er schafft Risse in der dunklen Welt, durch die das Licht hereindringt. Und wenn wir uns an diesen Rissen orientieren, dann werden sie größer, und dann wird es heller. Aber es muss diese Menschen geben, die sagen: Lasst uns anfangen! Gott hat mir die Augen geöffnet. Ich verstehe jetzt, wo es hingehen soll. Für mich, für die ganze Welt und auch für die Menschen in meiner Umgebung. Und ich möchte nicht mehr in meiner Passivität Teil des Problems sein, sondern aktiver Teil von Gottes Lösung.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjesaja61_01-11-gottes-wort-schafft-waelder-der-gerechtigkeit%2F&amp;action_name=Gottes%20Wort%20schafft%20W%C3%A4lder%20der%20Gerechtigkeit&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gott ist ein Freund der Menschen</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/titus03_gott-ist-ein-freund-der-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Dec 2025 12:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11474</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 25. Dezember 2025 (Weihnachten I) zu Titus 3,3-8<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Ftitus03_gott-ist-ein-freund-der-menschen%2F&amp;action_name=Gott%20ist%20ein%20Freund%20der%20Menschen&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="bibeltext">
<p>3 Auch wir waren früher unverständig und ungehorsam, dem Irrtum verfallen, Sklaven aller möglichen Begierden und Leidenschaften, lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander.<br />
4 Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, 5 hat er uns gerettet &#8211; nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, die wir vollbracht haben, sondern nach seinem Erbarmen &#8211; durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist. 6 Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, 7 damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.<br />
8 Dieses Wort ist zuverlässig, und ich will, dass du nachdrücklich dafür eintrittst, damit alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich in guten Werken hervorzutun. Das ist gut und nützlich für die Menschen.
</p></div>
<div id="predigt">
<p>Gott ist gütig und menschenfreundlich – das ist der Kernsatz dieses Abschnitts der Bibel. Gott ist gütig, er beschenkt uns gern und reichlich, und er ist kein Feind; er ist auch kein pingeliger Spaßverderber, der unser Sündenregister führt. Gott mag uns, und er will, dass es uns gut geht. Er hat Jesus zu uns geschickt, damit wir das wissen.</p>
<h2>Gott ist menschenfreundlich &#8211; das ist überhaupt nicht selbstverständlich</h2>
<p><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/12/hands-2847510_960_720_pxb-300x200.webp" alt="Zwei Paare von Händen, die sich gegenseitig umfassen." width="300" height="200" class="alignright size-medium wp-image-11478" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/12/hands-2847510_960_720_pxb-300x200.webp 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/12/hands-2847510_960_720_pxb-768x512.webp 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/12/hands-2847510_960_720_pxb.webp 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Heute, nach 2000 Jahren Christentumsgeschichte, erscheint uns das irgendwie als keine besonders sensationelle Nachricht. Es gibt wahrscheinlich hier bei uns nur noch wenige Kinder, denen man erzählt: »Pass auf, der liebe Gott sieht alles, und wenn du nicht brav bist, kommst du in die Hölle!«. Lange Zeit war das aber sogar im christlichen Bereich gar nicht so selten.</p>
<p>Und erst recht damals, als das Christentum entstand, lebten die Menschen in einer Welt, in der die Götter alles Mögliche waren, aber nicht menschenfreundlich und gütig. Die allgemeine Ansicht war, dass Götter die eigene Nation oder das eigene Imperium groß machen sollten, damit man die Nachbarstaaten besiegen konnte. Je brutaler man dabei Tabula rasa machte, um so herrlicher war die Glorie des Nationalgottes. Roma, die Göttin von Rom, hatte dann ja wohl dafür gesorgt, dass die Römer den Großteil der damals bekannten Welt unterwerfen konnten. Unter dem Schutz der diversen Götter konnten sie viele Menschen versklaven und ihre Schätze rauben.</p>
<p>Und solche Vorstellungen bleiben ja nicht auf die Sphäre der großen Politik begrenzt, sondern sie schlagen durch bis ins tägliche Leben der Normalos. Kleine Jungen wollten damals nicht Lokomotivführer, Fußballprofis oder Astronauten werden, sondern Gladiatoren, die es schafften, ihre Gegner vor großem Publikum reihenweise umzulegen. Oder Feldherren, die mit riesiger Beute aus dem Krieg zurückkehrten und im Triumphzug durch Rom marschierten.</p>
<h2>Auch die Götter sind nicht mehr das, was sie mal waren</h2>
<p>Die Vorstellung davon, wie die Götter oder Gott sind, prägt Menschen. Das ist heute bloß nicht mehr so klar, weil sich kaum noch einer in einem Tempel vor einer Götterstatue auf den Boden schmeißt. Heutige Götter sind abstrakter, weniger greifbar und trotzdem sehr wirkungsvoll. Wenn man fragen würde: wer regiert die Welt? Dann ist die Antwort klar: Das Geld! Geld, Kapital, Macht, Besitz, Status, Ansehen, darum geht es zentral, in den Nachrichten ebenso wie bei den Milliardären, die sich als Halbgötter fühlen, und genauso ganz unten in der Lebenspraxis der Normalos. Wir sind alle für den Schutz der Umwelt, aber wenn ein Politiker ehrlich sagt, dass der Schutz der Umwelt auch unser Geld kosten kann, wird er nicht gewählt.</p>
<p>Der Unterschied zu früher ist einfach nur, dass man damals noch glaubte, die Macht käme durch die Gunst der Götter, und heute ist die Macht und das Geld selbst der Mittelpunkt, ohne das ganze religiöse Drumherum.</p>
<p>Und im Kontrast dazu müssen wir diese Bibelstelle verstehen, wo von der Menschenfreundlichkeit und Güte Gottes geredet wird. Der wahre und lebendige Gott ist die Alternative zu den Machtgöttern, denen die Menschen und das Leben egal sind. Der echte Gott ist großzügig, er schenkt gern, er hat uns eine Welt erschaffen, in der ein unendlicher Reichtum von Möglichkeiten steckt. Es ist genug für alle da, so lange nicht einige Mächtige viel zu viel davon an sich reißen. Der echte Gott ist ein Freund aller Menschen, nicht nur einiger weniger. Für ihn sind alle Menschen gleich wertvoll. Und wenn es nach ihm geht, muss niemand auf Kosten der anderen leben.</p>
<h2>Das neue Modell des Menschseins</h2>
<p>Jesus ist gekommen, um diese Wahrheit zu verkörpern: der alternative Gott will alternative Menschen, die nicht mehr glauben, der Größte und Tollste wäre der, der möglichst vielen anderen seinen Willen aufzwingen kann. An Jesus wird der gütige, großzügige Gott erkennbar, und der will Menschen, die andere großzügig beschenken, nicht nur zu Weihnachten. Der menschenfreundliche Gott will menschenfreundliche Menschen. </p>
<p>Und ganz am Ende dieser Bibelstelle steht der Satz: Das ist gut und nützlich für die Menschen. Gott erwartet nicht von uns, dass wir aus moralischen Gründen ein mickriges Leben führen, sondern andersherum: wer menschenfreundlich ist, lebt besser. Allein schon deshalb, weil man ja als menschenfreundlicher Mensch in der Regel auch zu sich selbst netter ist. Und die moderne Glücksforschung bestätigt das: je gleichmäßiger in einer Gesellschaft Güter und Macht verteilt sind, um so besser geht es den Menschen, in jeder Hinsicht. Auch den Reicheren. Und je größer die Ungleichheit ist, um so unglücklicher sind alle, um so kränker werden alle, um so mehr Drogen werden konsumiert, und so weiter.</p>
<p>Wenn Donald Trump also die Drogen in Amerika bekämpfen will, dann sollte er nicht angebliche Schmuggelboote abschießen lassen, sondern für mehr Gleichheit sorgen.</p>
<h2>Darauf kommt keiner von allein</h2>
<p>Daran sieht man, wie entscheidend es ist, dass diese Alternative des menschenfreundlichen Gottes erschienen ist. Selbst in angeblich christlichen Ländern hat es der menschenfreundliche Gott immer noch schwer genug, sich verständlich zu machen. Und in einer Welt, in der alle beim Tanz ums goldene Kalb mitmachen, die ganz oben ebenso wie die ganz unten, da kommt von allein niemand auf den Gedanken, es könnte anders sein. Da erscheint die Herrschaft der Lügengötter so lange alternativlos, bis der echte, wahre und lebendige Gott erscheint. Ohne den geht es nicht.</p>
<p>Und das passierte eben in der Geburt Jesu. Auch wenn Jesus da noch nicht für sich selbst sprechen konnte, sondern die Engel das einstweilen übernehmen mussten. Aber da hat es begonnen, dass sich Gottes menschenfreundliche Alternative für die ganze Welt entfaltet. Es dauerte noch ein paar Jährchen, aber dann war sie da.</p>
<p>Und in diesem Bibeltext wird jetzt das Kommen Jesu in die Welt zusammengebracht mit seiner Ankunft im Leben christlicher Menschen. Die konzentriert sich in der Taufe, die der Verfasser hier das »Bad der Wiedergeburt« nennt. Das bedeutet, du steckst so heftig in diesem ganzen Machtsystem drin, dass es nicht reicht, wenn Gott sagt: Du, du, lass das doch lieber und sei ein netter Mensch! Stattdessen braucht es einen kompletten Neustart, raus aus diesem Glauben, wir Menschen würden als eine Art von Ich-AG geboren und müssten uns vom Babywagen an gegen die Mitmenschen behaupten und besser sein als die anderen.</p>
<h2>Freundliche Systemsprenger</h2>
<p>Nein, wir sind Kinder eines menschenfreundlichen und großzügigen Gottes, der uns mag und uns sehr gerne als ebenso freundliche Menschen sehen würde. Das ist ja das Problem, dass diese Vermachtung der Welt, wo es immer darum geht, wer der Größte ist oder den Größten hat, dass die sich von oben her auch zu den Kleinsten und Gemeinsten durchverbreitet. Wir sind eigentlich auf Freundlichkeit hin geschaffen. Aber wir sind alle angesteckt worden von diesem System der Gier und des Herrschenwollens. Deswegen hat es damals einen Bruch mit der Logik der Gier und der Macht bedeutet, wenn Menschen getauft wurden. Es ging nicht um die Ankunft eines niedlichen Babys in der Familie, sondern um die Ankunft Gottes im Leben eines Menschen, der bis dahin gar nicht wusste, dass es eine menschenfreundliche Alternative für die ganze Welt gibt.</p>
<p>Taufe bedeutet Bruch mit der Logik von Macht und Geld, und weil wir da so tief drinstecken, ist das der Beginn eines Weges, auf dem wir nach und nach immer mehr diese Ketten abwerfen, die uns an die menschenunfreundliche Logik unserer Kultur binden. In dieser Welt sollen wir menschenfreundliche Systemsprenger sein. Am Anfang verstehst du vielleicht nur, dass wir alle in einem Muster drinstecken, das unsere menschenfreundliche Schöpfung immer unbewohnbarer macht. Später merkst du dann hoffentlich auch, dass deine Launen und Neurosen deine Familie und deine Gemeinde zu einem unfreundlicheren Ort machen, als er sein müsste. Manchmal geht es auch andersherum, aber in der Regel erkennen wir unsere schlimmsten Unverträglichkeiten erst im Lauf der Zeit.</p>
<p>Das ist der Weg, auf dem Gott uns zu alternativen Menschen machen will: ein lebenslanger Weg, auf dem der Heilige Geist uns immer tiefer hineinführt in die Umwandlung unserer Person und unserer Lebensweise, die uns zu menschenfreundlichen Menschen macht. Ewiges Leben nennt es der Verfasser unserer Verse hier.</p>
<h2>Blöde Missverständnisse</h2>
<p>Tragischerweise hat man das später nicht mehr wirklich verstanden und gemeint, es ginge dabei um das Leben nach dem Tod: Taufe oder später »Entscheidung für Jesus« als Eintrittskarte in den Himmel. Aber was wäre das für ein Gott, der uns für später alles mögliche Wunderbare verspricht, aber hier und jetzt kriegt er es gerade mal hin, uns mit Ach und Krach ein paar Basisregeln des menschlichen Zusammenlebens zu geben, an die wir uns im kleinen Kreis meistens halten? Gut, das ist immer noch besser als nichts, aber weit entfernt von dem, was hier im Titusbrief als »Bad der Wiedergeburt« und »Erneuerung im Heiligen Geist« beschrieben wird.</p>
<p>Es geht darum, fundamental menschenfreundliche Menschen aus uns zu machen. Gott fängt mit einer kleinen Minderheit an und vertraut darauf, dass das im Lauf der Zeit auch die anderen überzeugt. Und zwar nicht, indem wir mit staatlicher Macht den Menschen vorschreiben, dass sie christlich zu sein haben. Nur schwache Religionen stützen sich auf politische Macht. Das Christentum ist eine starke Religion, die ohne die Macht der Mächtigen viel besser funktioniert. Dann wird es nämlich viel klarer erkennbar, wenn sich die Großzügigkeit Gottes in uns widerspiegelt. Wer anderen mit Gewalt seine Überzeugungen aufzwingen will, ist weder gütig noch menschenfreundlich.</p>
<h2>Das wird funktionieren!</h2>
<p>Am Ende heißt es: was ich hier schreibe ist zuverlässig. Es wird sich in der Realität bewähren. Nicht erst im Himmel, sondern hier und jetzt, mitten unter uns, so wie Jesus mitten unter uns auf der Erde die Freundlichkeit Gottes verkörperte. Sei davon ganz überzeugt, dann steckst du auch die anderen damit an. Es geht um die harte Realität dieser Erde. Gott wird sie mit seiner Freundlichkeit verändern, und zwar in erster Linie durch fromme und freundliche Systemsprenger, zu denen er uns machen will.</p>
<p>Egal, wo wir auf diesem Weg schon stehen: auf ihm weiterzugehen ist das wahre und schöne ewige Leben. Wenn wir das tun, geht es uns gut. Dann sind wir mit unserer Bestimmung im Einklang. Und das ist besser als alles andere.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Ftitus03_gott-ist-ein-freund-der-menschen%2F&amp;action_name=Gott%20ist%20ein%20Freund%20der%20Menschen&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie man bösen Menschen richtig weh tun kann</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas06_27-38-boesen-menschen-wehtun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2025 06:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11463</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 9. November 2025 zu Lukas 6,27-38<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas06_27-38-boesen-menschen-wehtun%2F&amp;action_name=Wie%20man%20b%C3%B6sen%20Menschen%20richtig%20weh%20tun%20kann&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="bibeltext">
<p>27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. 30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!<br />
32 Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben, die ihnen Liebe erweisen. 33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Das tun die Sünder auch. 34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen. 35 Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.<br />
36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.<br />
38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.
</p></div>
<div id="predigt">
<p>Von diesem Text bleibt natürlich zuerst der Satz »liebt eure Feinde« hängen, und dann sagen Menschen erst einmal: das ist doch so schwer, wie kann Jesus so etwas von uns verlangen, das ist nur was für ganz Heilige, und die Bibel ist schön zu hören, aber sie überfordert uns einfach.</p>
<h2>Haben wir solche Feinde?</h2>
<figure id="attachment_11466" aria-describedby="caption-attachment-11466" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-300x300.jpg" alt="Katze guckt böse" width="300" height="300" class="size-medium wp-image-11466" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-300x300.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-1024x1024.jpg 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-133x133.jpg 133w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-768x768.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280-600x600.jpg 600w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/11/evil-cat-smiley-pxb822992_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-11466" class="wp-caption-text">Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/alexas_fotos-686414/?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=822992">Alexa</a> auf <a href="https://pixabay.com/de//?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=822992">Pixabay</a></figcaption></figure>
<p>Bevor wir in das Lamento einstimmen, dass Gott uns chronisch überfordert, sollten wir zuerst einmal überlegen: wer sind denn unsere Feinde? Wie Jesus die hier beschreibt, das ist ja ganz schön heftig: die hassen und verfluchen uns, die beleidigen uns, die schlagen uns ins Gesicht, die klauen uns den Mantel. </p>
<p>Ich weiß natürlich, dass es das alles gibt, auch in unserem Land, aber passiert uns das dauernd? Ist das normalerweise Teil unseres Alltags? Deutschland ist eins der sichersten Länder der Welt. Ja, wir haben hier auch böse Nachbarn, die uns auf den Keks gehen können. Ja, es gibt manchmal ziemlich heftiges Mobbing, in Schulklassen und im Internet, auf der Arbeit und auch in Kirchenvorständen, und das kann in manchen Fällen Menschen sogar in den Selbstmord treiben. Und es gibt häusliche Gewalt. Das wissen wir alle, und ich will das nicht runterspielen. Zu oft wird das entschuldigt, nach dem Motto: Er meint es doch gar nicht so. Aber Feindesliebe besteht nicht darin, dass man echte Feinde verharmlost – dann hätte man ja niemanden mehr, den man als Feind lieben müsste.</p>
<p>Aber das alles ist immer noch ziemlich weit weg von den Verhältnissen, die Jesus hier skizziert. Mich erinnert das eher an Verhältnisse, wie sie in Bananenrepubliken herrschen, wo es keine funktionierenden Gerichte gibt und die Mafia den Alltag prägt. Oder an Länder wie Russland oder den Iran. Und Jesus redet hier ja tatsächlich zu Menschen, die in so einem gewaltgeprägten Land lebten, mit Räuberbanden, die die Menschen auf dem einsamen Weg zwischen Jericho und Jerusalem überfielen. Es gab Sklaverei, wo Menschen ihren Herren schutzlos ausgeliefert waren und schnell mal wegen nichts ins Gesicht geschlagen wurden. Es gab die römischen Besatzer, die ziemlich brutal sein konnten und das Land ausplünderten, ohne irgendwas zurückzugeben. Und Jesus war beileibe nicht der Einzige, den sie kreuzigten. Tausende sind allein in Israel im Lauf der Jahre so gestorben. Vor den Stadttoren standen Kreuze wie bei uns früher der Galgen. Das ganze Leben war von Gewalt durchzogen. Das war ein gesellschaftliches Klima, das ganz oben seine Ursache hatte und sich dann in der ganzen Gesellschaft ausbreitete.</p>
<h2>Feindschaft wird gemacht</h2>
<p>Hier bei uns hat es das z.B unter den Nazis gegeben, daran erinnert uns das heutige Datum, der 9. November. 1938 haben sie Juden und ihre Gotteshäuser angegriffen, zerstört und in Angst und Schrecken versetzt. Hitler und seine Leute haben versucht, jüdische Menschen zu Feinden zu machen, die man mit Gewalt behandeln muss. Sie wollten Feindschaft unter den Menschen säen. Hitler wollte eine feindselige Gesellschaft, weil er selbst feindselig war. Und es ist schwer zu sagen, in welchem Maß das gelungen ist. Die meisten Menschen haben sich nicht aktiv beteiligt, aber sie haben den Gewaltopfern auch nicht geholfen. Sie haben dabeigestanden und abgewartet.</p>
<p>Heute erleben wie es wieder, dass Feindschaft und Misstrauen gesät werden. Es gibt einen nicht kleinen Teil der Bevölkerung, der wirklich glaubt, dass unsere Probleme gelöst wären, wenn es endlich keine Migranten mehr im Land gäbe. Wahrscheinlich glauben die demnächst auch, dass die Ausländer an den Verspätungen der Bundesbahn schuld sind, weil die Lokführer Islamisten sind, die Deutschland lahmlegen wollen. Und es gibt die entsprechenden Zeitungen und die Lügenfabriken im Internet, die die Parolen dafür ausgeben.</p>
<p>Wer also wirklich glaubt, dass wir hier im Land lauter böse Ausländer haben, die nur darauf warten, uns zu meucheln und uns alles wegzunehmen, wer glaubt, dass wir einen Haufen Feinde von der Art haben, wie Jesus sie beschreibt, dem kann man nur sagen Gratuliere! Du weißt wenigstens, wen du lieben sollst! Also sei nett zum kurdischen Gemüsehändler nebenan! Segne die Hände des syrischen Arztes, der dich operiert – das ist gut für deinen Blinddarm.</p>
<h2>Dem Sog widerstehen</h2>
<p>Für uns andere, die wir uns in Ilsede eigentlich doch nachts immer noch auf die Straße trauen und nicht Angst haben, dass da dunkle Gestalten mit Messern auf uns warten, ist es etwas komplizierter. Unsere Aufgabe ist es, dass wir uns nicht hineinziehen lassen in die langsame Fabrikation von Feindbildern. Feindseligkeit und Misstrauen in der Gesellschaft wird ja erst nach und nach aufgebaut. So wie in Amerika Trump jetzt die Früchte erntet von über 40 Jahren Propaganda, wo den Menschen Feindschaft und Angst eingeredet worden sind, gegen Menschen mit dunklerer Hautfarbe und schwarzen Haaren, gegen »den Islam«, gegen angebliche Sozialhilfebetrüger. Und selbst nach so langer Zeit sind die Amerikaner in der Mehrheit von diesen ganze Hassparolen nicht überzeugt.</p>
<p>Vielleicht haben Sie das neulich mitbekommen, bei der Gedenkfeier für diesen rechtsextremen Influencer Charlie Kirk, der von einem noch rechtsextremeren Typen erschossen wurde, wie da sogar die Witwe des Ermordeten sich an dieses Jesuswort erinnert hat und gesagt hat, dass sie dem Mörder vergibt. Und das passte gar nicht in das Konzept, mit diesem Mord noch mehr Hass und Feindschaft zu produzieren, und Trump hat dann auch ein bisschen herablassend zu der Witwe gesagt: ist ja nett von dir, dass du das so christlich siehst, aber ich hasse meine Feinde durchaus und wünsche ihnen alles Schlechte!</p>
<p>Ich glaube, in dieser Szene ist etwas etwas davon aufgeblitzt, wo diese Worte Jesu für uns heute ihre Bedeutung bekommen sollen: widerstehe den Versuchen, Gewalt und Feindschaft in der Gesellschaft zu säen. Verbreite stattdessen Freundlichkeit und Solidarität! Trag dazu bei, dass viele Menschen die Erfahrung machen, dass die anderen für sie keine Feinde sind, sondern eine Hilfe sein können. Schenk den anderen etwas, ohne darauf zu spekulieren, dass sie dir dann etwas zurückgeben müssen. Trage dazu bei, dass wir alle großzügiger werden!</p>
<h2>Das sind keine isolierten Vorschriften</h2>
<p>Damit kommen wir zum eigentlichen Kern der Weisungen Jesu. Das sind nämlich keine isolierten Vorschriften, wo man dann sagen kann: das geht doch nicht, das ist doch Überforderung, der ist ja weltfremd! Nein, diese Weisungen wurzeln in Jesu Sicht auf Gott und die Welt. Jesus sagt wir haben einen großzügigen Gott, der überhaupt nicht feindselig ist, der große Geduld mit verblendeten Menschen hat, und der der uns vor allem gerne mit Segen beschenkt. Der hat die Welt so eingerichtet, dass genug für alle da ist. Du kannst dieser Welt vertrauen, weil sie von einem vertrauenswürdigen Vater im Himmel erschaffen worden ist.</p>
<p>Die ganze Feindschaft und Gewalt unter den Menschen kommt ja aus diesem Misstrauen, dass es nicht für alle reicht, und dass man sich deshalb mit Gewalt seinen Teil sichern muss. Und das ist es, was die Welt tatsächlich unsicher macht. Aus diesem Misstrauen kommen Neid und Feindschaft, und am Ende trifft es auch die kleinen Leute, die sich die Parolen von Knappheit und Neid ins Gehirn blasen ließen.</p>
<p>Und dagegen setzt Jesus auf Großzügigkeit: dass man es anderen gönnt, wenn es ihnen gut geht. Wenn die da oben genau nachrechnen, wer wem noch einen Gefallen schuldet, dann lasst uns großzügig sein, und darauf vertrauen, dass das Gute, das wir anderen tun, irgendwie schon zu uns zurückkommt. Mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch zugemessen werden, sagt Jesus. Vielleicht kommt es ja nicht als Geld zu euch zurück, sondern in Form von Freundlichkeit, in Form von Beistand, in Form von Freude. Vielleicht aber auch in Form von Geld. Gott sorgt dafür, dass ihr nicht leer ausgeht.</p>
<h2>Feindschaft zerstört im Innern und im Äußeren</h2>
<p>Das funktioniert nicht in jedem Einzelfall, aber es hat Wirkung. Jesus hat den reichen Ausbeuter Zachäus bekehrt, er ist ohne Vorurteile auf römische Funktionäre zugegangen, er hat einen von den verachteten Samaritanern als Vorbild hingestellt. Wenn Israel als Ganzes Jesu Weg gegangen wäre, dann hätte es nicht ein paar Jahrzehnte später den römisch-judäischen Krieg gegeben, in dem Jerusalem zerstört und Hunderttausende getötet wurden.</p>
<p>Gerade dieser Krieg zeigt, wie schlimm es ist, wenn Gewalt und Feindseligkeit das Klima in einer Gesellschaft bestimmen. Als die Römer Jerusalem belagerten und schon keiner mehr rauskam, da haben sich die verschiedenen Gruppen der Aufständischen immer noch gegenseitig massakriert. Die Römer konnten einfach zusehen und abwarten, dass die Verteidiger sich gegenseitig dezimierten. Wenn Menschen von Hass und Feindschaft getrieben sind, dann frisst sie das irgendwann selbst auf, dann zerstören sie sich einer Tages selbst, aber leider auch immer viele andere mit.</p>
<h2>Alternativen leben</h2>
<p>Gemeinden sollen befreite Zonen sein, wo man miteinander die Feindseligkeit durchschaut, die in die Gesellschaft hineingetragen wird. Wo man sich gegenseitig davor bewahrt, in die negative Spirale des Hasses hineingezogen zu werden. Und wo man auch praktisch erlebt, dass genug für alle da ist. Ein bisschen funktioniert das doch auch schon bei uns. Einige waren ja gestern dabei, als wir in Oberg wieder das Reparatur-Café hatten, und wir erleben da immer wieder, dass es ansteckend ist, wenn man anfängt, zu schenken und zu geben. Menschen verschenken ihre Zeit, sie schenken Kuchen, die Gemeinde schenkt ihre Räume, und es kommt ganz viel zurück, auch genug Geld, aber vor allem Freude, Freundlichkeit und Verbindungen zwischen Menschen. Und die Kaffeemaschine geht wieder! Das tut allen gut. Und man kann sich vorstellen, wie gut es sein könnte, wenn die ganze Gesellschaft von diesem Geist der Großzügigkeit bewegt würde und nicht von dieser Missgunst, die sich dauernd schlecht behandelt und missachtet fühlt.</p>
<p>Diesen Geist es Gebens und Schenkens sollen wir nach unseren Möglichkeiten verbreiten, und dann wird er irgendwie auch zu denen kommen, die uns tatsächlich schlecht behandeln. Entweder lassen sie sich davon überzeugen, oder sie bekommen wenigstens Angst, dass man sie durchschauen könnte, wenn sie weiter Hass und Neid verbreiten. Wenigstens die Leute Jesu sollten nicht mehr reinfallen auf die, die Feindschaft säen.</p>
<p>Wenn da also tatsächlich Menschen sind, die dir Unrecht tun, dich mobben oder übers Ohr hauen, dann mach mit in Gemeinschaften, in denen Solidarität und Liebe zu allen herrschen. Wo man Bosheit nicht beschönigt, sich aber nicht hineinziehen lässt. Bosheit ist ansteckend, und die Liebe, von der Jesus spricht, ist die Schutzimpfung dagegen.</p>
<h2>Was bösen Menschen weh tut</h2>
<p>Wenn du also wirklich mal bösen Menschen so richtig weh tun möchtest, dann gründe und stärke Gemeinschaften voller Liebe und Solidarität, voller Freiheit und Vertrauen. Nichts tut bösen Menschen mehr weh, als wenn sie sehen, dass man auch so zusammenleben kann. Wenn es gut für sie ausgeht, ist das ein Schock, durch den sie sich bekehren. Wenn es schlecht für sie ausgeht, treibt sie das immer tiefer in ihren Hass und ihre Kälte hinein. Aber das ist ihre Entscheidung und Verantwortung, nicht deine. Und sollten sie irgendwann doch wie der verlorene Sohn ins Vaterhaus zurückkehren, dann feiere ein Fest und nimm sie auf als Verbündete in dieser mit Feindseligkeit infizierten Welt.</p>
<p>Am Ende steht ja auch für Gott das große Fest mit seiner erneuerten und befreiten Schöpfung. Jesus zeigt uns den Weg, wie wir das jetzt schon in kleinem Maßstab immer mal wieder erleben können.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas06_27-38-boesen-menschen-wehtun%2F&amp;action_name=Wie%20man%20b%C3%B6sen%20Menschen%20richtig%20weh%20tun%20kann&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nicht großartig, sondern dienend</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/johannes14_15-27-nicht-grossartig-sondern-dienend/</link>
					<comments>https://www.walterfaerber.de/predigten/johannes14_15-27-nicht-grossartig-sondern-dienend/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jun 2025 10:40:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11451</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 8. Juni 2025 (Pfingsten I) zu Johannes 14,15-27<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjohannes14_15-27-nicht-grossartig-sondern-dienend%2F&amp;action_name=Nicht%20gro%C3%9Fartig%2C%20sondern%20dienend&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="predigt">
<p>Der Predigttext stammt heute aus dem 14. Kapitel des Johannesevangelium. Ausnahmsweise werde ich den heute nicht am Anfang vorlesen, sondern ihn stückweise in die Predigt einbauen. Er ist nämlich ziemlich lang und kompliziert. Das fängt schon damit an, dass die Szene, um die es geht, am Abend vor Karfreitag spielt, also am Gründonnerstag, als Jesus zum letzten Mal vor seinem Tod mit den Jüngern zusammen ist. Er gibt ihnen aber schon einen Vorblick auf die Zeit nach seiner Auferstehung, wenn er ihnen den Heiligen Geist senden wird. Deshalb ist dieser Gründonnerstagstext tatsächlich ein Text für Pfingsten.</p>
<h5>Der Rahmen: die Fußwaschung</h5>
<p>Drei Evangelien erzählen davon, dass Jesus am Gründonnerstag den Jüngern gezeigt hat, wie sie Abendmahl feiern sollen. Johannes macht es in seinem Evangelium anders. Ich glaube, er hat gedacht: über das Abendmahl ist genug geschrieben worden, ich schreibe deshalb über die Fußwaschung, das hat noch kein anderer gemacht.</p>
<p><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/06/Le_lavement_des_pieds_Rembrandt_Rijksmuseum_Amsterdam.jpg" alt="Skizze von Rembrandt: Jesus wäscht den Jüngern die Füße" width="684" height="484" class="alignright size-full wp-image-11454" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/06/Le_lavement_des_pieds_Rembrandt_Rijksmuseum_Amsterdam.jpg 684w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/06/Le_lavement_des_pieds_Rembrandt_Rijksmuseum_Amsterdam-300x212.jpg 300w" sizes="(max-width: 684px) 100vw, 684px" /></p>
<p>Abends die Füße zu waschen war damals dringend nötig, wenn man den ganzen Tag nur mit Sandalen über dreckige Straßen und Wege gelaufen ist. Kehrmaschinen waren unbekannt, Müllabfuhr ebenso, und so waren die Wege nicht nur voller Staub, sondern da hatten auch Tiere und Menschen hingeschissen, und die Reste aus der Küche flogen auch in hohem Bogen auf die Straße. Was da alles abends an den Füßen klebte, das war eklig.</p>
<p>Kein Wunder, dass reiche Leute Bedienstete hatten, die ihnen die Füße waschen mussten. Aber selbst jüdische Sklaven durfte man zu dieser unreinen Arbeit nicht zwingen. Deswegen mussten dann ausländische Sklaven ran. Das heißt: anderen die Füße zu waschen war ein Zeichen, dass man ganz unten auf der sozialen Leiter stand.</p>
<h5>Das wahre Bild Gottes</h5>
<p>Und dann wäscht ausgerechnet Jesus seinen Jüngern die Füße. Jesus, ihr Meister und Chef, der Sohn Gottes, zieht den Schmutzkittel an und putzt seinen Jüngern den Modder ab. Und er zeigt damit: ich vertrete den Gott, der sich um euren Dreck kümmert.</p>
<p>Aber es geht noch weiter. Anschließend sagt er: macht das auch so. Wascht einer dem anderen die Füße. Seht zu, dass ihr euch zum Diener der anderen macht. Kümmert euch um den Dreck, der an anderen klebt. Ich habe es euch vorgemacht, macht es mir nach, und dadurch werdet ihr sein wie Gott.</p>
<p>Menschen sind ja bestimmt zum Bild Gottes. Das heißt aber gerade nicht, dass wir besonders imponierend, großartig oder dominierend sein sollen. Es heißt auch nicht, dass wir uns entrüsten sollen über den Dreck, der an anderen klebt. Es bedeutet, dass wir ihn geduldig wegputzen, auch wenn wir dabei dreckige Finger bekommen. Und es bedeutet, dass wir uns nicht blenden lassen von Menschen, die den Eindruck verbreiten, sie wären besonders wichtig. Damit wir auf diese Weise Gott widerspiegeln, brauchen wir seinen Geist, den Heiligen Geist.</p>
<h5>Eine Gemeinschaft des Dienens</h5>
<p>Das ist der Rahmen für den Text heute: Jesus wäscht den Jüngern die Füße und zeigt damit, dass er auf Erden eine Gemeinschaft des Dienens hinterlassen will, wenn er zu seinem Vater zurückgeht. Und der Heilige Geist wird die Jesusleute immer wieder an dieses Ziel erinnern. Dafür ist er da. Wenn man das im Kopf hat, versteht man die ersten Verse des Predigttextes aus Johannes 14:</p>
<div class="bibel">
<p>15 »Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und der Vater wird euch ´an meiner Stelle` einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. 17 Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich werde euch nicht als hilflose Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber werdet mich sehen, und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.
</p></div>
<p>Wenn man diesen Text aus seinem Zusammenhang heraus versteht, dann bekommen die Worte eine etwas andere Bedeutung, als wir sie spontan verstehen. Zuerst die »Gebote« Jesu. Wir denken dabei an eine Liste wir die 10 Gebote – aber es geht gerade nicht um eine Liste von Vorschriften, die man abhaken kann, sondern es geht um dieses Vorbild des dienenden Jesus, der den Jüngern die dreckigen Füße wäscht. </p>
<h5>Was ist Wahrheit?</h5>
<p>Und die »Wahrheit«, die der Heilige Geist bringt, ist nicht einfach, dass man tut, was man sagt und sagt, was man tut. Wahrheit heißt, dass man in Übereinstimmung ist mit den Mustern, nach denen die Welt funktioniert, weil Gott sie in die Schöpfung hineingelegt hat. In der Schöpfung dient eins dem anderen, nichts und niemand ist nur für sich selbst da. Die Schöpfung ist eine große vernetzte Gemeinschaft, wo alle Teile wichtig sind. Und wenn Jesus den Jüngern die Füße wäscht, dann wird an ihm die göttliche Wahrheit sichtbar, dass niemand für sich selbst da ist.</p>
<p>Und wir haben zusätzlich zu dem Gebot »dient einander« dieses Bild von Jesus, der den Jüngern die Füße wäscht. Damit haben wir einen Maßstab: wer macht die Dreckarbeit? Wer kümmert sich wirklich, und wer möchte nur selbst glänzen? Das passiert leider oft, dass Menschen hereinfallen auf Figuren, die nur ihre eigene Großartigkeit im Sinn haben. Jesus macht hier deutlich: ihr sollt eine Gemeinschaft sein, in der solche Blender keine Bühne bekommen. Einfach weil alle sie sofort durchschauen. Weil ihr eine Gemeinschaft seid, die von Gottes heiligem Geist inspiriert wird. Das ist hier mit »Wahrheit« gemeint.</p>
<h5>Was ist Leben?</h5>
<p>Genauso, wenn Jesus über das »Leben« spricht: damit meint er nicht einfach nur, dass wir atmen und das Blut in unseren Adern kreist. »Leben«, wie Jesus es versteht, ist das volle, große Leben, durch das alle Geschöpfe aufblühen. Dieses Leben kann man nicht für sich allein haben, sondern immer nur mit anderen zusammen. Und deshalb sollen die Leute Jesu eine Gemeinschaft sein, in der man sich gegenseitig »die Füße wäscht«, also sich nicht zu schade ist für die Beschmutzungen und Beschädigungen, die andere mit sich tragen. Das ist das »Leben«, das Jesus meint.</p>
<p>Das ist vielleicht schwer zu tun, aber doch wohl gut zu verstehen. Einer von den Jüngern hat jedoch ein Problem entdeckt und fragt folgendermaßen nach:</p>
<div class="bibel">
<p>22 Da fragte ihn Judas (der andere Judas, nicht Judas Iskariot): »Herr, wie kommt es denn, dass du dich nur uns zu erkennen geben willst und nicht der Welt?« 23 Jesus gab ihm zur Antwort: »Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. 24 Wer mich nicht liebt, richtet sich nicht nach meinen Worten. Und was ich euch sage, ist nicht mein Wort; ihr hört das Wort des Vaters, der mich gesandt hat.
</p></div>
<p>Der Einwand ist: warum beschränkst du die Wirkung des Heiligen Geistes auf deine Leute? Wäre es nicht besser, du würdest alle Menschen so beeinflussen, dass sie nach diesem Muster des Dienens handeln? Wäre die Welt dann nicht viel besser?</p>
<p>Und in etwas anderer Formulierung fragen das ja Menschen bis heute: könnte Gott nicht einfach die Menschen so erschaffen, dass sie von vornherein friedlich und freundlich sind? Wäre das nicht viel einfacher?</p>
<h5>Gott zwingt nicht</h5>
<p>Aber Jesus sagt: Es gibt eben Menschen, die mögen das nicht, was ich verkünde. Dann kann der Heilige Geist auch nicht zu ihnen kommen. Das ist kein Geist, der Menschen überwältigt gegen ihren Willen. Er kommt, wenn du ihn haben möchtest. Er kommt, wenn dich dieses Bild des demütigen Jesus überzeugt, wenn es dir einleuchtet und du auch so sein möchtest. Dann kommt der Geist und hilft dir dabei. Aber nicht jeder will das. Viele wollen lieber glänzen. Und dann kommt der Geist nicht. So ist es nun mal.</p>
<p>Jesus hätte vielleicht noch sagen können: indem Gott Menschen schuf, die frei sind, haben sie auch die Freiheit, sich von ihrem Schöpfer abzuwenden. Gott zwingt niemanden, ihn und seine Wahrheit zu lieben. Aber dann werden sie auch seinen Frieden nicht erleben. Davon redet der letzte Teil unseres Textes:</p>
<div class="bibel">
<p>25 Diese Dinge sage ich euch, solange ich noch bei euch bin. 26 Der Helfer, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles ´Weitere` lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden – einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann. Lasst euch durch nichts ´in eurem Glauben` erschüttern, und lasst euch nicht entmutigen!
</p></div>
<p>Jesus sagt: der Weg, den ich euch zeige, ist der Weg zum Frieden. Wo Menschen mit ihrem Ego glänzen wollen, gibt es über kurz oder lang Streit, Zank und manchmal sogar Krieg. In der vergangenen Woche haben wahrscheinlich viele von uns mitbekommen, wie Elon Musk und Donald Trump aneinander geraten sind: der reichste Mann der Welt und der mächtigste Mann der Welt. Beide nicht bekannt für ihre Bereitschaft zu demütigem Dienst an anderen. Die bewegen sich beide in gesellschaftlichen Bereichen, an die wir nie herankommen würden. Aber wie gewöhnlich und banal geht es auch da zu, wenn sie sich gegenseitig mit Schmutz bewerfen. Wie wenig friedlich sind die in sich selbst, wie unglücklich müssen die sein, dass sie das nicht anders hinkriegen. Wie abhängig von ihrem Geld und von dem, was andere über sie sagen.</p>
<h5>Was ist Frieden?</h5>
<p>An solchen Punkten müsste auch dem Uneinsichtigsten klar werden, wohin diese ganze Großartigkeit führt. Der Friede, den Jesus gibt, funktioniert ganz anders. Und deswegen sollen wir uns nicht von den Blendern und ihrem Scheinglanz beeindrucken lassen. Über kurz oder lang ist da immer der Lack ab. Wir sollen es ihnen nicht nachmachen und wir sollen uns von solchen Leuten nicht täuschen lassen, weder auf der politischen Bühne noch in unserem persönlichen Umfeld. Wir sollen den Unfrieden in einem Menschen spüren, nicht erst, wenn er unübersehbar ist, sondern schon lange vorher, wenn die anderen noch darauf hereinfallen.</p>
<p>Dazu lasse ich euch den Heiligen Geist da, sagt Jesus. Er wird euch alles lehren, das heißt: er wird euch helfen, immer wieder neu dieses Muster zu erkennen, das ich euch hinterlassen habe, und auch das Gegenteil. Im christlichen Zeitalter müssen ja sogar die Mächtigen so tun, als ob es ihnen tatsächlich ums Dienen ginge. Es ist nicht mehr so einfach zu erkennen, wer wirklich anderen dient, und wer nur so tut als ob. Aber der Heilige Geist soll uns so in der Wahrheit verankern, dass wir einen klaren Blick haben. Und er soll uns immer neu an das Bild des dienenden Jesu erinnern, der seinen Jüngern die Füße wäscht. Das könnte uns immun machen gegen die Großartigen, die meinen, sie wären der eigentliche Mittelpunkt der kleinen oder großen Welt, in der sie leben.</p>
<h5>Ein wirksames Muster</h5>
<p>Jesus hat eine inspirierte Gemeinschaft hinterlassen, in der es anders zugeht als in den Reichen der Welt. Sie ist nicht dasselbe wie die organisierte Kirche« , obwohl das – Gott sei Dank! – auch nicht ganz auseinander fällt. Es ist die Gemeinschaft derer, die Jesus lieben und sich an seinem Bild orientieren. Die sich von diesem Bild prägen lassen und sich mit Hilfe des Heiligen Geistes allmählich von allem trennen, was diesem Bild widerspricht.</p>
<p>Das ist ein sehr bescheidenes Bild von der Art, wie die Christenheit in der Welt wirken soll. Aber damit sind wir das Bild Gottes in dieser Welt. Gott wirkt auch in dieser bescheiden dienenden Art. Und auf die Dauer hat er damit tiefere Spuren hinterlassen als alle glänzenden Persönlichkeiten, die sich von anderen bedienen und bewundern lassen wollten.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjohannes14_15-27-nicht-grossartig-sondern-dienend%2F&amp;action_name=Nicht%20gro%C3%9Fartig%2C%20sondern%20dienend&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.walterfaerber.de/predigten/johannes14_15-27-nicht-grossartig-sondern-dienend/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Festmahl auf der erneuerten Erde</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/jesaja25_06-09-das-festmahl-auf-der-erneuerten-erde/</link>
					<comments>https://www.walterfaerber.de/predigten/jesaja25_06-09-das-festmahl-auf-der-erneuerten-erde/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Apr 2025 11:05:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11440</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 21. April 2025 (Ostern II) zu Jesaja 25,6-9<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjesaja25_06-09-das-festmahl-auf-der-erneuerten-erde%2F&amp;action_name=Das%20Festmahl%20auf%20der%20erneuerten%20Erde&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="bibel">
<p>6 Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt. 9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.« </p>
</div>
<div id="predigt">
<p>Hier im Jesajabuch wird mit Worten ein Sehnsuchtsbild gemalt: die ganze Menschheit friedlich versammelt zu einem großen Festmahl. Und wenn wir das zu Ostern hören, dann sollen wir verstehen: das Leben Jesu und seine Auferstehung sind der entscheidende Schritt zur Realisierung dieser Sehnsucht.</p>
<h5>Die Menschheit als Tischgemeinschaft</h5>
<p><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/04/priscilla-du-preez-W3SEyZODn8U-unsplash-020-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" class="alignright size-medium wp-image-11442" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/04/priscilla-du-preez-W3SEyZODn8U-unsplash-020-300x200.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/04/priscilla-du-preez-W3SEyZODn8U-unsplash-020-1024x682.jpg 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/04/priscilla-du-preez-W3SEyZODn8U-unsplash-020-768x512.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/04/priscilla-du-preez-W3SEyZODn8U-unsplash-020.jpg 1087w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Die ganze Menschheit friedlich versammelt zu einem großen Festmahl! Wenn ich mir das vorstellen will, dann fällt mir zuerst ein, wie vor 7 oder 8 Jahren die drei Peiner Moscheegemeinden zum Fastenbrechen eingeladen haben. Da waren in der Südstadt in Peine zwei Straßen abgesperrt und man saß an langen Tischen: Hunderte von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen, bunt gemischt durcheinander, es war genug leckeres Essen für alle da und niemand musste bezahlen.</p>
<p>Das war so ein kleiner Vorgeschmack des großen Festmahls, das hier bei Jesaja anvisiert wird: die Menschheit als eine große friedliche Tischgemeinschaft, die sich an guten Weinen und fetten Speisen freut. Wo man großzügig bewirtet wird, alle haben genug, und niemand muss am Katzentisch sitzen.</p>
<h5>Allen geht es gut</h5>
<p>Für uns heute klingt besonders das mit dem Fett gefährlich, wir sehen uns ja beim Gedanken an so richtig fette Speisen schon mit Herzinfarkt am Tropf im Krankenhaus liegen. Aber damals, als man jeden Tag schwer körperlich gearbeitet hat, da war Fett ein wichtiger Energienachschub. Und natürlich ist Fett ein Geschmacksverstärker, der leckere Sachen erst richtig lecker macht. Und für die Gesundheit ist der Zucker, der heute in ganz viele Lebensmittel reingepanscht wird, viel gefährlicher.</p>
<p>Das Gleiche beim Wein: auch da keine Vorsicht, obwohl im Wein der gefährliche Alkohol drinsteckt. Aber wenn man feiert, dann ist Alkohol gar nicht so schlecht, und damals haben sie eben nicht jeden Tag Alkohol geschluckt, und den Wein haben sie oft mit Wasser verdünnt, weil sie nicht soviel davon hatten und vielleicht auch, um den Alkoholgehalt zu reduzieren. Wein und Fett sind beides gute Gaben der Schöpfung, und das Problem entsteht nur, wenn Menschen die im Übermaß in sich reinkippen, um das große Schwarze Loch in ihrem Innern zu füllen. Das große Schwarze Loch des Trübsinns, das Fass ohne Boden, das entsteht, wenn wir von Gott abgeschnitten sind und dann nachts zum Kühlschrank schleichen und dort versuchen, das Loch irgendwie zu füllen.</p>
<p>Aber das ist ja gerade bei dem Festmahl, von dem Jesaja spricht, nicht der Fall. Da ist Gott der Gastgeber, und allen geht es gut. Als Gott die Welt und die Menschheit schuf, da hatte er diese große vielfarbige Gemeinschaft im Sinn, mit der er seine Freude teilen wollte. Dieses Sehnsuchtsbild beschreibt Gottes eigene Sehnsucht: sich mit einer versöhnten Menschheit mitten in der Schöpfung zu freuen. Und durch Jesaja teilt er dieses Bild mit uns, damit es auch unser Sehnsuchtsbild wird, und damit wir wissen, wo die Reise hingehen soll.</p>
<h5>Konträre Sehnsuchtsbilder</h5>
<p>Das ist wichtig, weil es natürlich auch ganz andere Sehnsuchtsbilder gibt. Wo an den Tischen nur weiße Menschen sitzen, und die braunen und schwarzen sind die Kellner oder waschen das Geschirr ab. Und vorne steht irgendwer am Mikrofon und erzählt pausenlos, wie großartig das ist, und dass er die Terroristen jetzt endlich alle im KZ in El Salvador eingesperrt hat. Und dass die anderen erst Zoll bezahlen müssen, bevor sie vielleicht auch mal an den Katzentisch dürfen.</p>
<p>Oder, um es grundsätzlicher zu sagen: es gibt eben auch den Traum davon, dass man die Menschheit in unterschiedliche Gruppen einteilt. Die einen sind die Starken und sind zum Herrschen bestimmt; die anderen haben nichts zu sagen und müssen dienen. Oder sie sind völlig überflüssig. Wo man die Grenze dazwischen zieht, das ändert sich immer mal wieder. Es kann die Hautfarbe sein oder die Nation, die Kultur oder das Geschlecht, die Bildung oder das Alter, die Abstammung aus berühmten Familien oder ganz einfach die Macht und das Geld. Und immer gab es dann Gründe, weshalb Gott oder die Natur oder das Schicksal oder irgendwer sonst die einen angeblich zum Herrschen bestimmt hat und die anderen zum Dienen.</p>
<p>Gottes Sehnsuchtsbild dagegen ist demokratisch. Ich glaube, das muss man wirklich so sagen. Denn am Tisch Gottes herrscht Gleichheit. Und als Jesus seinen Leuten das Abendmahl hinterlassen hat, da hat er es als ein kleines Vorausbild des großen Friedensmahls gestaltet, das Gott mit uns feiern will. Auch am Tisch Jesu gibt es kein Zwei-Klassen-System und keinen Katzentisch. Und das hat dann allmählich auch auf das allgemeine Denken abgefärbt, und wer heute die Menschen in verschiedene Gruppen einteilen will – die einen sind dann wertvoller als die anderen – , der muss das gut tarnen oder sich gute schlechte Gründe dafür ausdenken.</p>
<h5>»I have a dream«</h5>
<p>Die Gleichheit und die gleiche Würde aller Menschen ist eine ganz große Errungenschaft, die aus solchen Sehnsuchtsbildern Gottes entstanden ist. Als Martin Luther King 1963 seine berühmte »I habe a dream«-Rede hielt, gegen die Rassentrennung in den USA, da hat er dieses Sehnsuchtsbild aus dem Buch Jesaja für seine Gegenwart fortgeschrieben:</p>
<p>»Ich habe den Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne der früheren Sklavenhalter brüderlich zusammen an einem Tisch sitzen können.«</p>
<p>King lebte aus seiner Bibel, er hat natürlich Jesaja gekannt, und dieser Traum Gottes ist in seinem Mund zu einer Kraft geworden, die die Welt real umgestaltet hat. So arbeitet Gott in der Welt, dass er die Sehnsuchtsbilder der Menschen neu prägt. Worte und Gedanken sind nicht schwach. Von ihnen hängt ab, wie Menschen zusammenleben. Wie Menschen aufeinander schauen, mit Furcht und Groll oder mit Liebe und Hoffnung. </p>
<h5>Die Bilder sind umkämpft</h5>
<p>Und so stark sind Gottes Gedanken heute schon unter uns geworden, dass ganze Trollarmeen im Internet damit beschäftigt sind, sie wieder aus den Herzen zu löschen. Sie wollen die alten Alpträume von Ungleichheit und Herrschaft, Furcht und Gewalt von neuem in uns hineinpressen, Stück für Stück, Post für Post. Wieviel Angst sie vor der Wahrheit haben, das sieht man an den immer dreisteren Lügen, zu denen sie greifen müssen.</p>
<p>Ja, diese Sehnsuchtsbilder Gottes sind heute massiv umkämpft. Dass alle Menschen gleich erschaffen sind, wie es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heißt, das ist nicht mehr für alle plausibel. Manche träumen ja wieder von einer in Herrscher und Beherrschte geteilten Menschheit, aber keiner träumt davon, dass er dann zu den Schwachen gehören könnte. Alle sehen sich als die Herrschenden. Da kann man nur sagen: träumt weiter, das böse Erwachen wird kommen.</p>
<p>Deswegen steht ja schon bei Jesaja, dass die Decke von den Völkern genommen werden soll. Sie brauchen es, dass ihre Augen geöffnet werden, damit sie die Schönheit und Güte der Schöpfung und der Menschen erkennen. Natürlich sind Menschen auch verführbar, Menschen können manipuliert werden, aber Gott wird diese Hülle »verschlingen«, wie es im Original wörtlich heißt.</p>
<h5>Das Bild muss geschützt werden</h5>
<p>Bei Jesaja ist dieses Bild nämlich umgeben von zwei Passagen, in denen Gott dafür gedankt wird, dass er gewalttätigen Nationen entgegentritt und den Siegesgesang der Tyrannen dämpft. Heute müsste man sagen: er zieht den Großsprechern das Mikrofonkabel. Und ohne Ton sehen sie albern aus mit ihren arroganten wütenden Gesten und dem Geheule, wer ihnen alles Unrecht getan hat.</p>
<p>Dieses Sehnsuchtsbild vom Friedensmahl Gottes mit einer versöhnten Menschheit muss also heute noch geschützt und umgeben werden von Texten, in denen die Gewalttäter und Lügner in die Schranken gewiesen werden. Lest zu Hause ruhig mal das ganze Kapitel 25 von Jesaja. Die Leute, die die Predigttexte zuschneiden, die lassen solche konflikthaften Bibeltexte gerne weg, weil man die den Gemeinden und den Predigern und den anderen empfindsamen Gemütern ja nicht zumuten kann.</p>
<p>Aber es stimmt natürlich, dass das große fette Mahl auf dem Gottesberg die Mitte des Kapitels ist. Darum geht es, und wenn die Völker das erleben werden, dann gehen ihnen die Augen auf, wie irrsinnig verblendet diese Alpträume von Ungleichheit und Dominanz in Wirklichkeit sind.</p>
<h5>Auferstehung ist die Bestätigung</h5>
<p>Jesus hat seine Gemeinden als Orte gegründet, an denen wir das jetzt schon erleben sollen. Das Abendmahl ist die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, aus dem Land des Todes und der Ungleichheit, die Erinnerung an das Kreuz, das Jesus erleiden musste, dieses brutale Werkzeug von Herrschaft und Unterdrückung, und es ist die Vorabbildung des Mahles auf der endgültig befreiten Erde, aus der die Verblendung und das Misstrauen endgültig verschwunden sind. Das Abendmahl ist jetzt schon die Gemeinschaft der neuen bunten Menschheit quer durch alle Sprachen, Klassen und Kulturen. Und es lebt aus der Kraft der Auferstehung Jesu, durch die dem Tod das Rückgrat gebrochen worden ist.</p>
<p>Denn all diese Sehnsuchtsbilder, die sich im Alten Testament schon lange vor Jesus finden, und die immer wieder hochkommen und ihre Kraft entfalten, nicht zuletzt im Abendmahl, die könnten ja auch einfach nur schöne Träume sein. Vielleicht sind die ja nur von Menschen erträumt, die unter der Gewalt der Tyrannen leiden und sich zum Trost eine andere Welt fantasiert haben. Bilder und Gedanken sind schön, aber die Frage ist: werden die auch zur Realität, oder bleiben das schöne Träume? Das ist ein entscheidender Unterschied. Kein Hungriger wird satt von einem geträumten Brot.</p>
<p>Und deshalb ist es so wichtig, dass Jesus wahrhaftig und leibhaftig auferstanden ist. Zum Glück gibt es dafür auch genügend historische Belege, die sich eigentlich nur so deuten lassen, dass er wirklich auferstanden ist. Aber stellen wir uns nur einen Augenblick vor, dass Jesus nicht auferstanden wäre! Dann würden all diese Sehnsuchtsbilder bei Jesaja und King und anderen wie Seifenblasen zerplatzen. Wenn Gott es noch nicht einmal schafft, die Zerstörung seines Sohnes zu verhindern, des einzigen wahren Menschen, der bisher auf dieser Erde gelebt hat, wie soll er dann seine ganze Schöpfung erneuern? Wie soll er die Verblendung der verführten Menschheit überwinden?</p>
<p>Aber der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Und das ist Gottes Siegel nicht nur auf Jesus und seinen Weg. Das ist auch Gottes Bestätigung und Siegel auf den ganzen langen Weg seines Volkes, wie er im Alten Testament beschrieben ist. Weil Gott diesen Einen, Allerersten vom Tod auferweckt hat, deshalb hat er auch die Kraft, diese ganze Erde wahrhaftig zu erneuern.</p>
<h5>Das Rätsel ist geklärt!</h5>
<p>Dann werden alle Tränen abgewischt und der Tod ist verschlungen auf ewig. Schon Jesaja wusste, dass ohne die Heilung der Wunden und der Schmerzen die neue Welt unvollständig ist. Er wusste, dass der Tod nicht in diese Schöpfung passt, und dass er vertrieben werden muss.</p>
<p>Aber er wusste nicht, wie das geschehen sollte. Erst als der Auferstandene seinen Freunden und Freundinnen begegnete, war das Rätsel gelöst, jedenfalls im entscheidenden Punkt.</p>
<p>Und bis heute leben wir von den Augenblicken, wo jemand aufsteht und sagt: »I have a dream« und den Traum Gottes so schildert, dass er Gestalt annimmt mitten unter uns und uns herausholt aus der Gewöhnlichkeit und Mittelmäßigkeit unseres Lebens.</p>
<p>Wir leben wirklich von diesen Momenten, und die Auferstehung Jesu ist das Siegel darauf, das Siegel der Gewissheit und der Beginn des großen Festes.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fjesaja25_06-09-das-festmahl-auf-der-erneuerten-erde%2F&amp;action_name=Das%20Festmahl%20auf%20der%20erneuerten%20Erde&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.walterfaerber.de/predigten/jesaja25_06-09-das-festmahl-auf-der-erneuerten-erde/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Welt hat sich geändert</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/hebraeer04_14-16-die-welt-hat-sich-geaendert/</link>
					<comments>https://www.walterfaerber.de/predigten/hebraeer04_14-16-die-welt-hat-sich-geaendert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2025 12:05:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11431</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 9. März 2025 zu Hebräer 4,14-16<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fhebraeer04_14-16-die-welt-hat-sich-geaendert%2F&amp;action_name=Die%20Welt%20hat%20sich%20ge%C3%A4ndert&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="bibel">
<p>14 Da wir nun einen großen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns entschlossen am Bekenntnis zu ihm festhalten. 15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. 16 Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.</p>
</div>
<div id="predigt">
<figure id="attachment_11436" aria-describedby="caption-attachment-11436" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/jesus-versuchung_pxb_4201483_1280-300x218.png" alt="Jesus wird vom Satan versucht (Holzschnitt)" width="300" height="218" class="size-medium wp-image-11436" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/jesus-versuchung_pxb_4201483_1280-300x218.png 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/jesus-versuchung_pxb_4201483_1280-1024x744.png 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/jesus-versuchung_pxb_4201483_1280-768x558.png 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/jesus-versuchung_pxb_4201483_1280.png 1280w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-11436" class="wp-caption-text">Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/gdj-1086657/?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=4201483">Gordon Johnson</a> auf <a href="https://pixabay.com/de//?utm_source=link-attribution&#038;utm_medium=referral&#038;utm_campaign=image&#038;utm_content=4201483">Pixabay</a></figcaption></figure>
<p>Dieser kurze Text setzt ein mit der Versicherung, dass sich in der Welt etwas Grundlegendes geändert hat. Wir haben einen großen Hohepriester. Unsere Schwächen und Probleme kommen nachher auch noch, und die Hilfe, die wir brauchen ebenso, aber es beginnt nicht mit uns und unseren Problemen, sondern mit der Botschaft: in der Welt hat sich etwas Fundamentales geändert.</p>
<h5>Moral hilft nicht</h5>
<p>Deswegen kann man auch beim Predigen nicht anfangen mit einer Analyse unserer Probleme, oder mit einer einfühlsamen Beschreibung unserer gegenwärtigen Stimmung, die ja angesichts der Weltlage im Augenblick eher gedämpft sein wird. Bevor der Hebräerbrief zu unseren Befindlichkeiten und Stimmungen kommt, steht hier die Botschaft: die Welt hat sich durch Jesus geändert. Sie ist nicht mehr so, wie sie früher mal war und wie sie jetzt oft noch zu sein scheint. Wir haben jetzt einen Hohenpriester, der die Himmel durchschritten hat. So fasst der Hebräerbrief die christliche Kernbotschaft zusammen.</p>
<p>Wir erwarten heute oft, dass wir vom Christentum gesagt bekommen, was wir tun oder lassen sollen. Trenn deinen Müll, rede nicht schlecht über andere, trink nicht zuviel, schlag deinen Ehepartner nicht, engagier dich in guten Projekten, reduzier deinen Süßigkeitenkonsum, spende etwas für gute Zwecke, wähl nicht die CDU und erst recht nicht die AfD, verbring nicht so viel Zeit vorm Fernseher und im Internet und glaub nicht daran, dass man um so glücklicher wird, je mehr Geld und Besitz man hat. Fast alles davon ist gut und richtig, ich könnte das Allermeiste davon unterschreiben, aber das ist nicht der Kern der christlichen Botschaft. All diese Aufforderungen sind Moral. Und mit der Moral ist das so eine Sache: Wir finden die meistens alle richtig, und grundsätzlich wollen wir uns auch dran halten, aber im entscheidenden Moment ist die Lage dann doch so, dass wir gerade jetzt eine große Tafel Schokolade brauchen, oder was auch immer. Moral ist wunderbar, aber wenn es wirklich darauf ankommt, hilft sie uns nicht.</p>
<p>Deswegen ist das Christentum in seinem Kern nicht Moral, sondern es ist die Botschaft, dass die Lage sich geändert hat. Die Welt ist durch Jesus eine andere geworden. Und wenn wir das wirklich verstanden haben, dann brauchen wir die Trostschokolade nicht mehr, oder was auch immer es ist, von dem wir bisher glaubten, dass wir da leider nicht drum herumkämen.</p>
<h5>Was heißt &#8222;die Himmel durchschreiten&#8220;?</h5>
<p>Wir haben einen Hohepriester, der die Himmel durchschritten hat. Ich gebe zu, das ist für uns heute nicht beim ersten Hören verständlich. Für die Menschen, an die der Brief ursprünglich gerichtet war, war das eine klare Aussage. Die stellten sich die unsichtbare Seite der Welt, also den ganzen himmlischen Bereich, so vor, dass er aus hintereinander gestapelten Sphären besteht, meistens sieben. Und Gott ist ganz hinten zu finden, man muss erst durch diese ganzen Himmelssphären durch, bis man zu ihm kommt.</p>
<p>Aber das schafft man eigentlich nicht, weil diese verschiedenen Himmelsabteilungen nicht Räume sind, wo es immer prächtiger wird und das Essen leckerer, die Musik berauschender und die Bewohner immer wunderbarer. Nein, in diesen ganzen himmlischen Gemächern hausen die Symbole von dem, was auf der Erde groß und mächtig ist. Das waren die Götter, die die einzelnen Völker hatten: die Römer sahen ihre toten Kaiser als Götter an, die Babylonier hatten ihren Marduk, der das Symbol der Babylonischen Großmacht war, die Germanen ihren Wotan mit dem Hammer, der ebenso rauflustig war wie die wilden Germanenhorden. Heute würden sich viele vielleicht so einen Himmel als Shopping-Passage vorstellen, wo du am Anfang eine Kreditkarte mit unbegrenztem Guthaben bekommst, und dann stürzen sich die einen in die Klamottenläden, die anderen in den Baumarkt, und das wäre eben der Himmel des Götzen »Ich will alles, und zwar sofort«.</p>
<p>Oder um es etwas ernster zu sagen: für die ersten Leser des Briefes standen die Himmel für den Geist der Mächte, die diese Welt beherrschen. Damals war das vor allem militärische Macht, bei uns ist es wahrscheinlich eher der Mammon, die Macht, die in Geld und wirtschaftlicher Potenz steckt, mit all den Verlockungen, die mit dem Mammon kommen. Und wir sind als Menschen nicht stark genug, diesen Verlockungen wirklich zu widerstehen. Wir werden da mit hineingezogen. In irgendeinem dieser Himmel bleiben wir hängen. Moral kommt dagegen einfach nicht an. Irgendwann braucht man eben doch die Trostschokolade, oder die neue Küche, oder die Luxusyacht. Oder was auch immer.</p>
<h5>Jesus hat widerstanden</h5>
<p>Aber der Hebräerbrief sagt: einer ist da durchgegangen, hat sich von den Verlockungen und Drohungen der Götzen nicht beeindrucken lassen, sondern ist durchgebrochen zu Gott. Durchgebrochen zu dem Gott, der das wahre, volle Leben ist und keine billige Kopie davon. Das war Jesus, der Hohe Priester. Und weil ein Priester stellvertretend für seine Leute vor Gott steht und stellvertretend mit Gott spricht, deshalb hat Jesus das nicht für sich selbst getan, sondern für alle, die zu ihm gehören. Für uns. Er hat der Macht der Mächte widerstanden, und wenn wir zu ihm gehören, gilt das auch für uns. Die Welt hat sich verändert, die Macht der Mächte ist am entscheidenden Punkt gebrochen. Wir müssen uns nicht mehr von ihnen beherrschen lassen.</p>
<p>Damit beschreibt der Hebräerbrief auf seine Weise das, was wir vorhin aus dem Matthäusevangelium (4,1-11) gehört haben über die Versuchungen Jesu. Es geht um dieselbe Sache, aber sie wird auf eine andere Weise erzählt. Der Versucher bietet Jesus an, etwas zu tun, was erst einmal gar nicht schlecht klingt. Wer aus Steinen Brot macht, kann ja nicht nur seinen eigenen Hunger stillen, sondern auch den aller anderen. Wer Kaiser über die ganze Welt wird, kann ja vielleicht gut und segensreich regieren. Und selbst dieser komische Sprung vom Tempeldach, der Jesus berühmt machen würde, den kann man ja immer noch als notwendige Öffentlichkeitsarbeit für den guten Zweck verbuchen.</p>
<p>Aber der Punkt war jedes Mal, dass Jesus all die guten Dinge nicht aus der Hand Gottes entgegennehmen sollte, sondern ohne Gott. Alle Versuchungen bestehen darin, dass wir uns etwas, was eigentlich in sich etwas Gutes ist, ohne Gott nehmen wollen. Oder in diesem Bild aus dem Hebräerbrief: dass wir nicht bis zu Gott selbst vordringen, sondern uns schon mit einer der ersten Himmelssphären begnügen, wo die Herren dieser Welt ihre Verlockungen und die Symbole ihrer Macht aufrichten.</p>
<h5>Was &#8222;Bekenntnis&#8220; bedeutet</h5>
<p>Dagegen sagt der Hebräerbrief: lasst uns am Bekenntnis festhalten! Damit ist das Glaubensbekenntnis gemeint, das Menschen damals bei ihrer Taufe sprachen. In seiner Urform lautet es: Jesus ist der Herr! Nicht der Kaiser, nicht der Ruhm, nicht das neue Auto, nicht meine Familie, nicht die Gesundheit, nicht unser Vaterland, nicht das Wirtschaftswachstum ist das Wichtigste, sondern Jesus ist der Herr! Er allein, und durch ihn kommen erst alle anderen guten Dinge an ihren richtigen Platz. Zu ihm will ich gehören, und dadurch bekomme ich Anteil an seinem Durchbruch. Durch ihn kann dann auch ich an meinem Ort die Macht der gottlosen Mächte durchbrechen. Denn ich falle nicht mehr herein auf ihr Drohen und Locken.</p>
<p>Versteht ihr, das ist keine Moral. Es ist eine Beschreibung der neuen Machtverhältnisse, die durch Jesus eingetreten sind. Und wenn wir auf dem Grund unserer Seele wissen, dass die Welt anders geworden ist, dann werden wir uns auch anders verhalten. Verhaltensänderungen geschehen, wenn sich die Realitäten verändert haben und das bei uns angekommen ist. Jesus hat die Versuchungen zurückgewiesen, er hat die Himmel durchschritten, und zuletzt hat er sich selbst unter dem Druck des Kreuzes nicht von seinem Vertrauen auf Gott abbringen lassen. Das ist die entscheidende Niederlage der Mächte. Dass wir an diesem Sieg Jesu Anteil bekommen, darum geht es.</p>
<p>Und erst nachdem das klar ist, redet der Hebräerbrief auch von unseren Schwächen und Ängsten. Ja, wir lassen uns immer wieder einfangen von den Versuchungen, wir scheuen den echten Konflikt mit den Götzen der Zeit, wir machen ein bisschen Rebellion, aber nicht zu sehr. Und jedes Mal, wenn wir spüren, dass wir es nicht hingekriegt haben, schämen wir uns. Und dann fühlen wir uns schlecht und brauchen die nächste Tafel Trostschokolade.</p>
<h5>Kein schlechtes Gewissen, aber Hilfe</h5>
<p>Deswegen heißt es hier im Hebräerbrief, dass Jesus Verständnis hat für unsere Schwachheiten. Er weiß, wie groß der Druck der Mächte ist und wie groß die Versuchung, sich in ihren Sog reinziehen zu lassen. Jesus hat sich dem auch mit aller Kraft entgegenstellen müssen. Er schlägt deshalb nicht die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wir versagen. Er hält uns keine Strafpredigt. Das wäre alles kontraproduktiv und führt nur zu neuen Tafeln Trostschokolade. Stattdessen lässt Jesus uns durch den Hebräerbrief sagen: Halte fest an dem Bekenntnis. Bleib bei dem, was irgendwann mal für dich klar war, oder mach es dir jetzt erstmals richtig klar: Die Welt hat sich geändert. Die Macht der Mächte ist gebrochen. Sie sind Scheinriesen. Aus der Ferne trumpfen sie auf, aber je näher du gemeinsam mit mir mutig auf sie zugehst, um so mehr erkennst du, dass sie leere Fassaden sind, hinter denen sie schon lange schrumpfen.</p>
<p>Und ganz zum Schluss steht dann das Wort »Hilfe zur rechten Zeit«. Ja, die Welt sieht im Moment so aus, dass wir Hilfe wirklich nötig haben. Die Tyrannen in Ost und West erheben sich und rotten sich zusammen, die Menschenfeindlichkeit und die Verachtung der Schwachen wird wieder modern, und es sieht furchteinflößend aus. Wir werden Hilfe brauchen. Aber sie fällt nicht einfach vom Himmel, sondern sie kommt durch Menschen, die am Bekenntnis festhalten und die Scheinriesen entzaubern. Vielleicht gehören wir ja zu diesen Menschen, die festhalten am Bekenntnis, dass Jesus der Herr ist, der auch durch menschliche Bosheit, Dummheit und Verwirrung hindurch regiert.</p>
<p>Der große Theologe Karl Barth hat das am Abend vor seinem Tod, vor über 56 Jahren so formuliert: »Ja, die Welt ist dunkel. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns! – Es wird regiert!«. Was soll ich dazu noch anderes sagen als: Amen.</p>
</div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Fhebraeer04_14-16-die-welt-hat-sich-geaendert%2F&amp;action_name=Die%20Welt%20hat%20sich%20ge%C3%A4ndert&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.walterfaerber.de/predigten/hebraeer04_14-16-die-welt-hat-sich-geaendert/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Gefängnis existiert im Kopf</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas10_38-42-das-gefaengnis-existiert-im-kopf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Mar 2025 13:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.walterfaerber.de/?page_id=11417</guid>

					<description><![CDATA[Predigt am 2. März 2025 zu Lukas 10,38-42<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas10_38-42-das-gefaengnis-existiert-im-kopf%2F&amp;action_name=Das%20Gef%C3%A4ngnis%20existiert%20im%20Kopf&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine andere Predigt zum gleichen Text <a href="https://www.walterfaerber.de/predigten/lukas10_38-42-das-gute-herz-nicht-kaputtreden-lassen/">ist hier zu finden.</a></p>
<div id="bibeltext">
<p>38 Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Dort nahm ihn eine Frau namens Marta gastlich auf. 39 Sie hatte eine Schwester mit Namen Maria, die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu. 40 Marta dagegen war überbeschäftigt mit der Vorbereitung des Essens.<br />
Schließlich trat Marta vor Jesus hin und sagte: »Herr, kümmert es dich nicht, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun läßt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!«<br />
41 Der Herr antwortete ihr: »Marta, Marta, du machst dir so viele Sorgen und verlierst dich an vielerlei, 42 aber nur eines ist notwendig. Maria hat die gute Wahl getroffen; sie hat sich für das unverlierbar Gute entschieden, das ihr nicht genommen werden kann.«</p></div>
<div id="predigt">
<p>Wo Jesus ist, da entstehen Freiheitsräume. Da fangen Menschen an, neue Wege zu gehen und sich nicht mehr vorschreiben zu lassen, wie sie zu sein haben und wie man sich zu benehmen hat. Das passiert eigentlich immer, wenn Jesus irgendwo redet und präsent ist, aber in dieser Geschichte kann man das sozusagen aus nächster Nähe beobachten.</p>
<figure id="attachment_11424" aria-describedby="caption-attachment-11424" style="width: 400px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/Jeumont_Vitrail_Marthe_et_Marie_Wikipedia-zugeschnitten-400px.png" alt="" width="400" height="480" class="size-full wp-image-11424" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/Jeumont_Vitrail_Marthe_et_Marie_Wikipedia-zugeschnitten-400px.png 400w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2025/03/Jeumont_Vitrail_Marthe_et_Marie_Wikipedia-zugeschnitten-400px-250x300.png 250w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-11424" class="wp-caption-text">Thomon, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<h5>Der Platz der Frauen</h5>
<p>Maria ist in dem Haus, wo Jesus mit den Jüngern zu Gast ist, die kleine Schwester. Das Haus ist eigentlich Martas Haus. Der Evangelist Lukas macht das ganz am Anfang der Geschichte klar: da war eine Frau, die nahm Jesus in ihrem Haus auf. Marta ist die Hausherrin. Das sagt schon ihr Name: Marta heißt übersetzt »die Chefin«. Das ist auffällig, weil das in einer so patriarchalischen Zeit wie damals eigentlich gar nicht sein durfte, dass eine Frau einem Haus vorsteht. Frauen mussten immer einen Mann über sich haben: erst den Vater, und dann den Ehemann. Und wenn der Ehemann starb, dann sorgte die Sippe dafür, dass die Witwe beim Bruder des Verstorbenen unterkam, und schlimmstenfalls war dann eben ihr ältester Bruder oder ihr Sohn der Chef.</p>
<p>Auf jeden Fall war für alle damals klar: Frauen müssen immer einen Mann haben, der auf sie aufpasst, weil sie ja geistig eher minderbemittelt, kindlich und leicht verführbar sind. Ein letztes Überbleibsel davon kann man noch in den Hollywoodfilmen sehen, wenn der Vater die Braut zum Altar führt und sie dort dem Ehemann übergibt, und darin steckt immer noch ein Rest dieser Überzeugung: Frauen dürfen keinen Schritt unbeaufsichtigt tun.</p>
<h5>Ein ungewöhnliches Haus</h5>
<p>Aber sogar damals in der Antike gab es gelegentlich mal Konstellationen, wo das nicht funktionierte. Z.B. wenn der Ehemann oder die Eltern früh starben und es auch keine Verwandten in der Nähe gab, die dafür gesorgt hätten, dass die Frau schnell wieder einen männlichen Aufpasser bekam. Und manchmal haben kluge Frauen so eine Konstellation genutzt, um den Zwängen des Patriarchats zu entkommen. In der Apostelgeschichte taucht z.B. die Purpurhändlerin Lydia auf, die erste europäische Christin, die offenbar auch selbständig eine Firma führt – vielleicht hat sie nach dem Tod ihres Mannes einfach sein Geschäft weitergeführt und war klug genug, nicht wieder zu heiraten. Und es gab keine Verwandten in der Nähe, die ihr in den Ohren gelegen hätten: du brauchst endlich wieder einen Mann!</p>
<p>Irgendwie so muss das auch bei Marta gelaufen sein. Wir wissen aus dem Johannesevangelium, dass die Schwestern noch einen Bruder hatten, Lazarus, und nach den Regeln der Zeit wäre der eigentlich der Hausherr gewesen. Aber in unserer Geschichte taucht er gar nicht auf. Vielleicht war er häufig auf Geschäftsreise, oder er war der jüngste der drei Geschwister, der kleine Bruder, der nie gegen die Chefin Marta angekommen ist.</p>
<p>Es ist jedenfalls ein ungewöhnliches Haus, in dem Jesus hier zu Gast ist. Er hatte da offenbar keine Berührungsängste. Es war eben Martas Haus. Aber dann ermutigt seine Gegenwart die kleine Schwester, einen noch viel mutigeren Schritt zu tun: sie geht ins Wohnzimmer zu den Männern und hört Jesu zu.</p>
<h5>Eine ungewöhnliche Art von Gemeinschaft</h5>
<p>Damit überschreitet sie gleich mehrere rote Linien auf einmal: Männer und Frauen lebten normalerweise in getrennten Welten. Die begegneten sich im Alltag gar nicht oft, und sie sprachen erst recht nicht miteinander. Auch im Johannesevangelium gibt es eine Szene, wo Jesus an einem Brunnen allein mit einer Samaritanerin spricht, und als die Jünger kommen und das sehen, wundern sie sich: »Hä? Der spricht mit einer Frau?!«</p>
<p>In unserer Geschichte beschweren sich die Jünger aber nicht, dass Maria sich zu den Männern setzt und Jesus zuhört. Offensichtlich haben die sich inzwischen daran gewöhnt, dass die neue Gemeinschaft um Jesus herum nicht in Männer- und Frauenwelten aufgeteilt ist. Lukas erzählt ein paar Kapitel vorher ausdrücklich, dass auch ein paar Frauen mit Jesus und den Jüngern durchs Land zogen. Da hat eine neue Art von Gemeinschaft begonnen, wo Menschen durch Jesus verbunden sind und nicht durch ihren sozialen Status, durch Verwandtschaft oder durch andere Rollen, die ihnen die Gesellschaft zugewiesen hat. Freiheit verbindet stärker als Blut und Sitte.</p>
<p>Vielleicht kann man das am besten als Kameradschaft charakterisieren, vielleicht auch als Freundschaft. Auf jeden Fall liegt diese neue Gemeinschaft quer zu den Trennlinien, nach denen die Gesellschaft sonst organisiert ist, und das hat Maria offenbar intuitiv verstanden.</p>
<h5>Das geht zu weit!</h5>
<p>Sie überschreitet aber noch eine andere rote Linie. Wenn es heißt: sie setzte sich zu den Füßen Jesu und hörte zu, dann klingt das für uns sehr demütig. In Wirklichkeit tat sie damit etwas, was sonst nur für Männer in Frage kam: sie machte sich zur Schülerin eines Rabbi. Sie wollte lernen. Und wer bei einem Rabbi lernte, der würde eines Tages ausgelernt haben und dann selbst ein Lehrer sein. Und für alle in der Umgebung Jesu ist das ok. Es gibt von den Jüngern später noch die Geschichte, dass sie möglichst die Kinder von Jesus fernhalten wollten, und da korrigiert er sie. Aber Frauen, die auch lernen wollten, das war ok. So weit waren sie immerhin schon.</p>
<p>Die Einzige, die damit nicht zurecht kommt, ist Marta. Ausgerechnet die, die eigentlich das meiste Verständnis dafür haben müsste, dass ihre Schwester sich nicht den gesellschaftlichen Konventionen beugt, ausgerechnet die kann das nicht ertragen. Sie hat einerseits selbst dem Patriarchat ein Schnippchen geschlagen, aber es sitzt andererseits noch so in ihr drin, dass sie es als unmöglich empfindet, was ihre Schwester da macht. Im Patriarchat gibt es ja auch immer eine Rangordnung unter den Frauen. Die älteste Frau hatte da in der Regel das Kommando, und die jüngeren hatten zu springen. Und alle hoffen darauf, irgendwann selbst mal die Oberfrau zu werden. Wenn Maria da ausbricht und ihren eigenen Weg geht, dann wird auch eine emanzipierte Frau wie Marta plötzlich sehr herrisch.</p>
<p>Interessant ist auch, wie sie das macht: sie spricht nicht Maria direkt an und sagt: hilf mir doch bitte! Nein, sie versucht, Jesus vor ihren Karren zu spannen. Der Mann im Haus soll die kleine Schwester zur Ordnung rufen. Frauen gehören schließlich in die Küche. Aber Jesus sagt: Nö, mach ich nicht.</p>
<h5>Jesus soll Ordnung herstellen</h5>
<p>Das ist eine Konstellation, die bei Jesus dauernd vorkommt: er verbreitet um sich herum Freiheit, Menschen atmen auf, und dann kommt irgendwer und sagt zu Jesus: ruf die zurück in die alte Ordnung! Sag deinen Jüngern, dass man am Sabbat keine Ähren vom Feld lesen darf! Sag ihnen, dass sie fasten müssen! Sag den Leuten, wie man sich im Tempel benimmt! Oder hier eben: sag meiner Schwester, dass sie in die Küche gehört! Und wahrscheinlich haben das auch die meisten Pastorinnen und Pastoren schon mal erlebt, dass jemand von ihnen verlangt hat: Sagen sie meinem pubertierenden Kind, dass es seine Eltern zu ehren hat! Sagen Sie Herrn Meier, dass er das Grab seiner Eltern besser pflegen muss!</p>
<p>Kirche als Hüterin der Ordnung, die die Menschen in ihre Schranken weist. Kirche als moralische Instanz, die mit göttlicher Autorität sagen soll: füg dich ein in die Ordnung der Gesellschaft! Viel zu oft hat sich die Kirche in diese Rolle drängen lassen, aber auf Jesus kann sie sich dabei nicht berufen. Der hat in solchen Situationen immer gesagt: Nö, mach ich nicht.</p>
<p>Jesus steht für Freiheit. Nicht die Freiheit des Stärkeren, von der die FDP immer geträumt hat und die Trump gerade in Amerika aufrichtet. Nicht die Freiheit, ohne Anstand und Rücksicht die Ellbogen auszufahren. Aber die Freiheit, unter den freundlichen Augen Gottes der Mensch zu sein, zu dem man berufen ist. Sich nicht von den Vorstellungen prägen zu lassen, wie man zu sein hat als Mann oder Frau, als alter oder junger Mensch, als Niedersachse oder als Bayer, als Studierte oder Hauptschulschüler, als Biodeutscher oder Migrantin. All diese Einteilungen werden bei Jesus bedeutungslos, bedeutungslos gegenüber der Frage, ob man sich vom Evangelium bewegen lässt, ob man immer mehr eintauchen möchte in das neue Leben von Freiheit und Liebe, das sich da ausbreitet, wo Jesus das Zentrum ist. Wo Gottes Reich herrscht, bringt es alle anderen Einteilungen durcheinander.</p>
<h5>Was biblische Freiheit ist</h5>
<p>Freiheit als abstraktes Ideal wird ganz schnell zur Willkür der Starken. Aber die Freiheit, zu der Jesus die Menschen ermutigt hat, erfüllt die Welt mit Freude und Zuversicht. Maria darf lernen! Sie darf denken! Sie darf teilnehmen an den Gesprächen dieser tollen Gemeinschaft. Wie schön ist das! Und wenn Marta viel lieber in der Küche werkelt, dann ist das auch ok. Aber vielleicht möchte sie ja eigentlich auch gern dabei sein und traut sich nur nicht, aus ihrer aufgezwungenen Rolle rauszukommen. Vielleicht erträgt sie die Freiheit von Maria nicht, weil sie die selbst gern hätte.</p>
<p>Aber warum muss sie sich selbst in die Küche verbannen? Niemand zwingt sie, das Gefängnis existiert nur in ihrem Kopf. Die ehemaligen Fischer Petrus und Andreas könnten doch bestimmt auch die Heringe ausnehmen und braten. Und hinterher waschen alle gemeinsam ab. Warum nicht? Organisier deinen Kopf neu, im Reich Gottes gibt es so viele Möglichkeiten, selbst in einer durch und durch patriarchalischen Gesellschaft wie es die Antike war. Und heute erst recht. Aber du musst dich trauen, auszuscheren, auch wenn alle anderen das doof finden.</p>
<p>Jesus bringt die gute Freiheit, für das ganze versklavte Land ebenso wie für diese kleine Hausgemeinschaft. Freiheit auf jedem Niveau. Aber die wirklichen Gefängnisse sitzen in den Köpfen, natürlich auch bei uns. Deswegen sind die Rebellinnen und Rebellen von gestern oft so schnell die Herren und Herrinnen von morgen. Jesus hat verstanden, dass die Freiheit sich in den Köpfen entscheidet. Da soll sie nicht enden, klar, aber ohne die Befreiung der Köpfe ändert sich nicht so viel.</p>
<h5>Die bessere Wahl</h5>
<p>Das Christentum ist eigentlich eine Befreiungsbewegung für die Köpfe. Es ist eine Lerngemeinschaft, wo man sich miteinander auf den Weg macht, um sich von den Selbstverständlichkeiten zu befreien, die wir alle mit der Muttermilch geschluckt haben. Und dadurch werden wir auch von den Menschen frei, die uns immer wieder sagen: geh an deinen Platz, wo du hingehörst!</p>
<p>Zur Freiheit wird niemand gezwungen, Marta darf auch in der Küche bleiben, wenn sie will, aber Maria hat den besseren Teil erwählt. So viel Klarheit muss sein. Wir sind Menschen, die wählen können. Wenn wir Gott unseren Verbündeten sein lassen, dann werden wir frei und keiner kann uns einschüchtern. Glücklich alle, die wie Maria den Ruf Jesu in die gute Freiheit hören und ihm folgen, selbst auf die Gefahr hin, dass sie Ärger mit Marta bekommen.
</p></div>
<img decoding="async" src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2Flukas10_38-42-das-gefaengnis-existiert-im-kopf%2F&amp;action_name=Das%20Gef%C3%A4ngnis%20existiert%20im%20Kopf&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
