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	<title>Regional &#8211; Walters Werkstatt: Theologie, Gesellschaft und Kirche</title>
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	<description>Texte aus der norddeutschen Tiefebene</description>
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		<title>Imperiale vs. solidarische Lebensart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Sep 2021 16:04:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ansprachen]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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					<description><![CDATA[Ansprache am 24. September 2021 (weltweiter Klima-Streiktag) bei der Demonstration  unseres lokalen Klimabündnisses<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fansprachen%2Fimperiale-vs-solidarische-lebensart%2F&amp;action_name=Imperiale%20vs.%20solidarische%20Lebensart&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-9778" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2021/09/2021-09-24Klimademo-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2021/09/2021-09-24Klimademo-300x225.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2021/09/2021-09-24Klimademo-768x576.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2021/09/2021-09-24Klimademo.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Liebe Freunde,</p>
<p>dieser ganze Schlamassel, von dem wir &#8211; nicht erst heute &#8211; gehört haben und in dem wir stecken, der verdankt sich der imperialen Lebensart, die sich von Europa aus in die ganze Welt verbreitet hat. »Imperiale Lebensart« – das heißt: die Rechnung für unsere Lebensweise bezahlen die, die sich nicht wehren können. Die Menschen im globalen Süden, die künftigen Generationen, die Schwächeren hier in unserem Land und die Erde: Pflanzen, Tiere, die ganze Schöpfung. Die alle können sich ja – hat man gedacht – nicht wehren.</p>
<p>Aber in Wahrheit zerstört diese Denke die Basis allen Lebens. Und macht euch klar: diese imperiale Denke verdirbt auch das menschliche Miteinander, weltweit unter Völkern und Nationen, und im Kleinen bis in unsere ganz persönlichen Beziehungen hinein.</p>
<p>Spätestens jetzt, wo wir die Folgen zu spüren beginnen, müssen wir fundamental umdenken in unserem Verhältnis zur Erde und zu unseren Mitgeschöpfen. Die Schöpfung ist keine Anhäufung toter Materie. Sie ist ein großes Beziehungsnetz, und alles, was wir in sie hineingeben, das kommt auch wieder zu uns zurück. Manchmal auf sehr verschlungenen Wegen. Aber die Konsequenzen unseres Handelns kommen früher oder später zu uns zurück. Wenn wir glauben, wir könnten das ignorieren, dann wird auch uns die Rechnung präsentiert. Denn in Wirklichkeit funktioniert die Welt nicht mit Kampf und Ausbeutung, sondern mit Geben und Schenken. Darauf ist sie gebaut. Das steckt in ihren Genen. Beziehungsnetz! Wer auf imperiales Beutemachen setzt, fährt die Welt gegen die Wand.</p>
<p>Deshalb brauchen wir ein Umdenken, das tiefer geht, als bei der Wahl ein Kreuzchen fürs Klima zu machen. ABER: wenn man wählen darf, dann ist ein Kreuzchen fürs Klima doch schon mal ein guter Anfang. Damit kann man mehr CO<sub>2</sub> vermeiden, als wenn man vier Jahre lang das Auto stehen lässt.</p>
<p>Imperialer Lebensstil frisst sich wie Krebs in all unsere Beziehungen hinein. Das heißt aber auch: wir können jeden Tag dazu »Nein« sagen. Auch wer nicht wählen kann. Jeden Tag »Nein« dazu. Nur – manche Tage sind wichtiger als andere. Und der Sonntag, der ist einer von diesen wichtigen Tagen. Den sollte keiner versäumen, der wählen kann. Und wer es nicht kann, der sollte zu jemand anderem sagen: Geh du hin und mach dein Kreuzchen für mich!<!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>Internationale Gemeinde auf dem Land</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2018 11:11:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebtes]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[Rückblick auf 2 1/2 Jahre mit Geflüchteten (2)<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ferlebtes%2Frueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land%2F&amp;action_name=Internationale%20Gemeinde%20auf%20dem%20Land&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class=“querbalken“>Alle Posts dieser Reihe: | <a title=“Wir schaffen das“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/“>Wie alles anfing</a> | <a title=“In der Gebläsehalle“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/“>Teil 1</a> | <a title=“Internationale Gemeinde auf dem Land“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land/“>Teil 2</a> |</p>
<p>Schon 2015 waren wir in der Gebläsehalle mit christlich orientierten Iranern in Kontakt gekommen. Sie waren nicht vor Krieg geflohen, sondern vor der Repression in ihrem Heimatland. Hier suchten sie nach Anschluss an eine Gemeinde, und weil sie mich aus dem Camp kannten und unsere Kirche gleich in der Nachbarschaft war, kamen sie auch zu uns in den Gottesdienst.</p>
<p>Ich habe es damals sehr bewundert, dass sie, obwohl sie ja zunächst einmal beinahe nichts verstanden, doch immer wieder im Gottesdienst auftauchten. Zum Glück hatten wir damals schon Kontakt zu zwei Iranern, die bereits länger in Deutschland lebten und gelegentlich übersetzen konnten. Und ich kann mich an erste Bibeldiskussionen in der Gebläsehalle erinnern: in einer der vielen Familienkojen auf dem Boden sitzend, mit Google Translator (der damals Persisch nur sehr andeutungsweise verständlich machte) und natürlich Tee.</p>
<p>Bald hatten wir eine ganze Reihe von guten Kontakten in der Gebläsehalle. Und obwohl der größte Teil der Bewohner aus Syrien kam, hatten wir es bald vor allem mit Iranern zu tun. Wir hatten uns das nicht ausgesucht, es ist einfach so gekommen.</p>
<p>Noch 2015 entschlossen wir uns kurzfristig, <a href="https://www.walterfaerber.de/kleingruppen-und-cluster-1/">in unserer recht flexiblen Gemeinschaft</a> eine internationale Untergruppe einzurichten. Die ersten Male waren chaotisch: einige Familien brachten ihre Kinder mit, die damals in der unsicheren Situation noch sehr unruhig waren und sich verständlicherweise unter den Erwachsenen langweilten. Andere telefonierten zwischendurch und wollten uns mal kurz der Mutter oder dem Cousin im Iran vorstellen. Eben eine Begegnung von zwei unterschiedlichen Kulturen.</p>
<p>Aber nach und nach spielte sich das alles ein. Wir haben in unserer Gemeinschaft eine Eingangsliturgie, die an jedem Abend gleich ist (nach der Liturgie von Iona in Schottland). Jetzt merkten wir, dass es für die Neuankömmlinge sehr hilfreich war, wenn es so ein konstantes Element gab, das sie nach und nach mitsprechen konnten. In den Gruppen arbeiteten wir mit der Bibellteilen-Methode, bei der jeder seine Gedanken beisteuern kann. Ein Problem blieb lange die Sprache. Nicht immer war ein Übersetzer zur Hand. Aber irgendwie haben wir es doch hinbekommen.</p>
<p>Wir haben dann darauf hingearbeitet, dass möglichst viele von unseren guten Bekannten aus dem Camp nach Ilsede oder Peine verteilt wurden. Das war damals recht einfach, weil auch die Behörden ein Interesse hatten, Menschen im Landkreis zu behalten, die schon Kontakte vor Ort hatten.</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/13219614_1018744628207116_1051057853_n-e1523272139763.jpg" alt="" width="250" height="220" class="alignright size-full wp-image-5683" />Am Pfingstmontag 2016 haben wir im Gottesdienst 13 Iraner zwischen 3 und 38 Jahren getauft. Für die Taufgespräche haben wir einen Dolmetscher organisiert. So wurden die iranischen Geschwister für mich immer stärker zu Personen mit einem eigenen Lebensweg und einer je eigenen Art, damit umzugehen. Es ist ja ein wichtiger Schritt, wenn man langsam anfängt, nicht mehr vor allem die kulturellen Unterschiede zu sehen, sondern das persönliche Profil des jeweiligen Menschen.</p>
<p>2016 haben wir insgesamt viel an elementarer Integrationsarbeit geleistet. Es ging dabei oft um einfache Dinge wie z.B. das Bedienen von Bankautomaten, Telefonverträge oder die Funktionsweise des Gesundheitssystems. Besonders nervig waren die Briefe von der Rundfunk-Gebühren-Einzugszentrale, auch wenn sie sich inzwischen &#8222;Beitragsservice&#8220; nennt. Und auch wir haben über den Fragebögen der Sozialbehörden gegrübelt und nicht verstanden, was die da wissen wollten und was das jeweils für Folgen hat. Es war auch einiges an Einsatz nötig, bis unsere Leute akzeptable Wohnungen hatten. Gelegentlich musste ich darauf hinweisen, dass Konflikte in Deutschland bitteschön nur mit Worten auszutragen sind. Aber ich hatte auch die Autorität, so etwas zu sagen und wurde gehört. Auch hier: es gäbe viele Geschichten zu erzählen, aber dies soll ja ein Überblick bleiben.</p>
<p>Aus der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden entstand das &#8222;Ökumenische Integrationsnetz Ilsede&#8220;. Der Kirchenkreis bewilligte uns dafür eine halbe Stelle für einen Mitarbeiterin, die die Betreuung der Freiwilligen übernahm, sich um spezielle Einzelfälle kümmerte und auch viele Kontakte zur Kommune und zum Landkreis hielt. Auch ich bin in diesem Jahr gefühlt jede Woche im Rathaus gewesen. Wir haben dabei gemerkt, dass die Arbeit in unseren Dörfer und Ortsteilen anders laufen muss, dezentraler, als in der Stadt, wo es größere Heime und Zentren gibt. </p>
<p>Immer wieder kam natürlich die Frage: wie lange dauert es, bis wir anerkannt sind und uns selbst eine Wohnung suchen können? Einige warteten darauf, ihre Familien nachholen zu können. Ich hatte aus meinen bisherigen Erfahrungen heraus mit einer Frist von etwa einem Jahr bis zur entscheidenden Anhörung beim Bundesamt getippt. Am Ende dauerte es bei den meisten fast doppelt so lange.</p>
<p>Unsere Gemeinde ging unproblematisch mit den neuen internationalen Mitgliedern um. Vielleicht lag das auch daran, dass wir ja schon in den Jahren 2002-2008 Erfahrungen mit einem Kirchenasyl gemacht hatten. Eine Zeit lang wurde der Predigttext im Gottesdienst immer auch auf Persisch vorgelesen. Mehr wäre über unsere Möglichkeiten gegangen. Und allmählich wurden die Deutschkenntnisse auch besser.</p>
<p>2017 war dann das Jahr, in dem es endlich zu den Anhörungen kam.</p>
<p><p class=“querbalken“>Alle Posts dieser Reihe: | <a title=“Wir schaffen das“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/“>Wie alles anfing</a> | <a title=“In der Gebläsehalle“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/“>Teil 1</a> | <a title=“Internationale Gemeinde auf dem Land“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land/“>Teil 2</a> |</p><!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>In der Gebläsehalle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Apr 2018 05:29:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebtes]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[Rückblick auf 2 1/2 Jahre mit Geflüchteten (1)<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ferlebtes%2Frueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle%2F&amp;action_name=In%20der%20Gebl%C3%A4sehalle&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class=“querbalken“>Alle Posts dieser Reihe: | <a title=“Wir schaffen das“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/“>Wie alles anfing</a> | <a title=“In der Gebläsehalle“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/“>Teil 1</a> | <a title=“Internationale Gemeinde auf dem Land“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land/“>Teil 2</a> |</p>
<p><strong>Als ich vor zweieinhalb Jahren hier schrieb, <a href="https://walterfaerber.de/2015/10/17/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/">dass Ilsede Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge werden würde</a>, ahnte ich schon, dass da einiges an Arbeit auf mich zukommen würde. Aber ich ahnte nicht, wie intensiv das mich und die Gemeinde beschäftigen würde, und vor allem: dass es zweieinhalb Jahre dauern würde, bis ich wieder (abgesehen von der Veröffentlichung einiger Predigten) den Anlauf zum Bloggen schaffe.</strong></p>
<p><img decoding="async" src="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" class="alignright size-medium wp-image-4193" srcset="https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-300x199.jpg 300w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-1024x681.jpg 1024w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-768x511.jpg 768w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-1536x1021.jpg 1536w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-2048x1362.jpg 2048w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-1200x798.jpg 1200w, https://www.walterfaerber.de/wp-content/uploads/2018/04/dsc_0005-scaled-1-1980x1316.jpg 1980w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Der Vorsatz, regelmäßig aus der Gebläsehalle (dem Standort der Einrichtung, siehe Bild oben) zu berichten, erwies sich als undurchführbar. Der wichtigste Grund dafür war natürlich, dass viel zu wenig Zeit dafür blieb. Es ging dabei aber auch immer um Menschen: Flüchtlinge natürlich, aber auch deutsche Mitarbeiter der vielen Hilfsorganisationen. Begegnungen wären beschädigt worden, wenn ich dabei im Kopf immer schon etwas für den Blog formuliert hätte.</p>
<p>Deswegen kommt nun ein eher summarischer Rückblick in mehreren Teilen.</p>
<h5>Die Pionierphase</h5>
<p>Am Anfang stand die Pionierphase: es wurde improvisiert, und bis dahin wirdfremde Menschen arbeiteten unproblematisch zusammen. Die Hilfsorganisationen brachten ihr Know-How mit der Unterbringung und Versorgung großer Menschengruppen ein, aber alle Abläufe, die sich speziell auf Flüchtlinge bezogen, mussten erst neu organisiert werden. Auch die Mitarbeiter des Landkreises (der die Trägerschaft des Ganzen hatte) wussten nicht immer genau, wie es weiterging, denn sie waren wiederum vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abhängig, in dessen Auftrag der Landkreis die Einrichtung betrieb.</p>
<p>In dieser Zeit gab es jeden Tag unvorhergesehene Situationen. Ich hatte meiner Frau z.B. eines Morgens zu berichten, dass wir über Nacht acht syrische Gäste gehabt hatten, die jetzt Frühstück brauchten. Aber wir haben in dieser Zeit viele Dinge unkonventionell gemanagt, die sonst viel mühsamer gewesen wären. Auch mit den Mitarbeitern der verschiedenen Behörden und der Security gab es in der Regel eine gute, konstruktive Zusammenarbeit. Es gab unglaublich viel guten Willen und Vertrauen. Viele einzelne großartige (und auch weniger großartige)  Geschichten aus dieser Zeit gibt es, aber man kann sie eigentlich nur persönlich weitererzählen. Ich war wirklich stolz auf unseren Landkreis, der das organisatorisch gut hinbekam, und in dem es so viele engagierte Freiwillige gab.</p>
<p>Auf der anderen Seite war es für alle Beteiligten enorm beanspruchend. Ich selbst war so gut wie jeden Tag in der Einrichtung. Auf Bitten des Landkreises haben wir uns um die Kinderbetreuung gekümmert. Wir, das waren im Kern außer mir die Kollegin aus der Nachbargemeinde und später eine Mitarbeiterin, die wir aus landeskirchlichen Mitteln anstellen konnten; dazu eine recht große Gruppe von immer wieder wechselnden Freiwilligen. Auch da gab es ein tolles Engagement. Wir hatten den Vorteil, dass wir mit unserer kirchlichen Mitarbeiterkultur viele Einzelheiten der Zusammenarbeit nicht erst erfinden mussten. Trotzdem gab es immer wieder neue Situationen, in denen wir flexibel reagieren mussten. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir mit unserer Spielzone umgezogen sind. Aber es war toll zu erleben, dass wir auch ohne große Diskussionen oder Absprachen in die gleiche Richtung arbeiteten und uns 100%ig aufeinander verlassen konnten.</p>
<p>Ich selbst erlebte mich ein wenig als Seelsorger in der Einrichtung. Ich sprach mit Flüchtlingen (oft mehr mit Gesten als mit Worten), mit der Leitung, mit anderen Freiwilligen aus unterschiedlichsten Hintergründen, mit den Mitarbeitern der Hilfsorganisationen und der Security. Für viele war das eine sehr intensive Zeit, beanspruchend, aber auch eindrucksvoll. Manche  waren froh, dass sie hier wieder einen guten Job gefunden hatten. Die Flüchtlingsbetreuung hat ja auch viele Arbeitsplätze geschaffen, und es wundert mich gar nicht, dass Deutschland sich seit dem Herbst 2015 einer langanhaltenden guten Konjunktur erfreut.</p>
<h5>Sechs intensive Monate</h5>
<p>Nach einigen Wochen war ich tief erschöpft und bin erst einmal ein paar Tage krank geworden. Danach kam Weihnachten, wo ich dann vor allem in meinem Hauptjob gebunden war.</p>
<p>Als ich danach wieder im &#8222;Camp&#8220; (so nannten es die Flüchtlinge, und wir nahmen ihren Sprachgebrauch auf) war, spürte ich, dass es inzwischen eine klimatische Veränderung gegeben hatte. Es war jetzt alles viel geregelter, aber auch weniger flexibel. Personen hatten gewechselt. Es gab eine Menge Vorschriften. Die Pionierphase war vorbei. Natürlich muss sich irgendwann eine gewisse Regelmäßigkeit und Berechenbarkeit einstellen. Aber es war schon schade, dass nun langsam wieder der Alltag einkehrte, mit bürokratischen Prozeduren und Menschen, die wieder stärker auf die Zuständigkeiten schauten.</p>
<p>Zu Beginn des Jahres 2016 begann der Zustrom an Flüchtlingen zurückzugehen. Die prinzipiell vorhandenen 600 Plätze sind sowieso nie ausgeschöpft worden, aber nun funktionierte die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen besser. Es mussten nicht mehr so viele Menschen kurzfristig aufgenommen und beherbergt werden. Im März war die Einrichtung so gut wie leer. Im April 2016 wurde sie geschlossen.</p>
<p>Inzwischen dient die Gebläsehalle wieder als <a href="http://www.geblaesehalle.com" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen, Partys und andere Events mit bis zu 2000 Personen</a>.</p>
<p>Für uns in der Flüchtlingsarbeit Engagierte begann ein neuer Abschnitt.<br />
<p class=“querbalken“>Alle Posts dieser Reihe: | <a title=“Wir schaffen das“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/“>Wie alles anfing</a> | <a title=“In der Gebläsehalle“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/“>Teil 1</a> | <a title=“Internationale Gemeinde auf dem Land“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land/“>Teil 2</a> |</p><!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>Wir schaffen das</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2015 17:59:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebtes]]></category>
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					<description><![CDATA[Ilsede wird Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ferlebtes%2Filsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge%2F&amp;action_name=Wir%20schaffen%20das&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class=“querbalken“>Alle Posts dieser Reihe: | <a title=“Wir schaffen das“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/ilsede-wird-standort-einer-erstaufnahmeeinrichtung-fuer-fluechtlinge/“>Wie alles anfing</a> | <a title=“In der Gebläsehalle“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/“>Teil 1</a> | <a title=“Internationale Gemeinde auf dem Land“ href=“https://www.walterfaerber.de/erlebtes/rueckblick-auf-2-1-2-jahre-mit-gefluechteten-2internationale-gemeinde-auf-dem-land/“>Teil 2</a> |</p>
<p>Seit gestern ist Groß Ilsede Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die vom Landkreis Peine in Amtshilfe für das Land Niedersachsen organisiert wird. Bis zu 300 Flüchtlinge sollen in der ehemaligen Gebläsehalle auf dem Hüttengelände unterkommen (zur Klarheit: die Menschen werden erst anschließend Kommunen zugewiesen; sie sind z.Zt. noch in der Aufnahmeprozedur).</p>
<p>Als Ortsgemeinde fühlen wir uns natürlich in der Mitverantwortung für die Menschen dort. Gemeinsam mit Pfarrer Mogge von der katholischen St. Bernward-Gemeinde und Pastorin Schmager aus Oberg war ich vorgestern und gestern auf dem Gelände, um zu schauen, was da auf unseren Ort zukommt. Heute morgen haben wir in Absprache mit dem Landkreis begonnen, eine Kinderzone im Foyer der Gebläsehalle einzurichten.</p>
<p>Der erste Eindruck: es ist beeindruckend, dass die Hilfsorganisationen quasi über Nacht ein Projekt für 300 Leute auf die Beine stellen können. Ich zähle jetzt mal keine Beteiligten auf, damit ich niemand übergehe. Es war bestimmt eine zweistellige Zahl von Diensten und Organisationen, die beteiligt waren. Toll, dass wir auf solche unerwarteten Situationen vorbereitet sind: Es gibt Material dafür, es gibt Freiwillige, es gibt Organisationsstrukturen. Das ist schon beruhigend, wenn man denkt, dass man ja auch selbst mal auf so was angewiesen sein könnte (Naturkatastrophen, Bombenräumung &#8230;).</p>
<p>Der zweite Eindruck: es war eine gute Entscheidung des Landkreises, die Gebläsehalle auszuwählen. Massenquartiere sind nichts Schönes, aber die Gebläsehalle ist aus vielen Gründen gut geeignet. Sie liegt zentral, sanitäre Einrichtungen sind da, und es ist ringsum viel Platz vorhanden, um auch mal draußen zu sein (wenn das Wetter wieder besser ist als heute). Und es ist leichter zu verschmerzen, wenn Konzerte und Veranstaltungen ausfallen, als wenn Turnhallen nicht mehr benutzt werden können.</p>
<p>Am Abend kamen die Flüchtlinge per Bus. Anscheinend stammen sie vor allem aus Syrien, Irak und anderen Ländern der Region. Viele Familien, eine ganze Menge Kinder dabei. Die meisten ziemlich erschöpft. Mir fallen jetzt dauernd Geschichten ein, die ich oft bei Beerdigungsgesprächen gehört habe: wie nach dem Krieg hier Züge mit Flüchtlingen aus dem Osten ankamen, die nur hatten, was sie auf dem Leibe trugen, und die dann auf die Gemeinden aufgeteilt wurden. Sicher war es damals noch viel dramatischer, weil die Versorgung für alle nicht gesichert war. Aber ich glaube, ich kann mich jetzt besser in diese Geschichten hineindenken, die für mich ja bisher eine ferne Vergangenheit waren.</p>
<p>Heute morgen haben wir dann begonnen, eine Kinderzone mit Spielzeug einzurichten. Es war ganz toll, wie lauter Leute spontan vorbeikamen und Sachen dafür brachten. Und dann war es schön. wie die Kinder das Angebot annahmen. Ich ahne nur, was die alles hinter sich haben, aber jetzt waren sie unbeschwert und mit Begeisterung dabei. Und als dann noch Bälle kamen, wurde im Foyer munter gekickt; auch die Leute von der Security waren dabei. Wie Kinder sich an der Gegenwart freuen können! Natürlich kann ich hier keine Fotos posten, aber es war einfach schön zu sehen, wie manchmal von einem Moment zum anderen das Licht in einem Kindergesicht anging. An alle, die dazu beigetragen haben: es bewirkt wirklich etwas. Vielen Dank!</p>
<p>Die Erwachsenen sind deutlich stiller. Einer wollte von mir wissen, wie lange sie hier bleiben müssen. Ich musste ihm sagen, dass das wahrscheinlich im Moment niemand genau weiß. Im Augenblick geht es erstmal um die aktuelle Versorgung. Aber die Unsicherheit über die Zukunft ist bei den Erwachsenen wohl das Belastendste.</p>
<p>Ende nächster Woche soll die Halle voll belegt sein. Das wird natürlich deutlich schwieriger werden. Wir hoffen aber, dass wir auch dann für die Kinder eine Zone freihalten können, wo sie einfach Kinder sein können. Wir möchten dafür regelmäßig Ansprechpartner vor Ort haben. Wer also dabei mithelfen möchte, möge sich bei mir melden &#8211; per Mail, Telefon, Facebook, wie auch immer. Im Moment kann ich noch nichts Genaues dazu sagen, aber in den nächsten Tagen wird es sich klarer herauskristallisieren. Auch Kinderspielzeug brauchen wir weiterhin, aber es ist z.Zt. nicht ganz dringend. Wenn dann nächste Woche die Halle voll belegt ist, werden wir alles brauchen.</p>
<p>Übrigens sucht das Rote Kreuz, das dort eine Kleiderstube eingerichtet hat, vor allem noch Kleidung in kleineren Männergrößen. Sachen konnten heute direkt am Eingang der Halle bei der Security abgegeben werden; die bringen es dann dem Roten Kreuz. Bitte habt aber Verständnis dafür, dass man in der Regel nicht reingelassen wird.</p>
<p>Dank an alle, die so toll mitgemacht haben! Und ich werde hoffentlich die Zeit finden, euch hier auf dem Laufenden zu halten.</p>
<p class="bibel">Diese Hoffnung hat getrogen. <a href="https://walterfaerber.de/2018/04/04/rueckblick-auf-zweieinhalb-jahre-1-in-der-geblaesehalle/">Erst 2,5 Jahre später bin ich wieder zum Bloggen gekommen.</a><br />
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		<title>Wir sind nicht ohnmächtig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jul 2012 05:26:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ansprachen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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					<description><![CDATA[Traueransprache für vier ermordete Kinder<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fansprachen%2Fwir-sind-nicht-ohnmachtig%2F&amp;action_name=Wir%20sind%20nicht%20ohnm%C3%A4chtig&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Predigt im Trauergottesdienst für Pia, Noah, Lean und Lio am 23. Juni 2012</h4>
<div id="bibeltext">In der Nacht zum 15. Juni 2012 wurden in unserer Gemeinde vier Kinder vom eigenen Vater getötet. Dies ist die Ansprache aus dem Trauergottesdienst am 23. Juni. Sie folgte auf eine Erinnerung an die vier Kinder, die durch große Porträts vertreten waren.</div>
<div id="predigt">Wir sind hier beieinander, <a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/familiendrama147.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">weil in unserem Ort ein großes Unheil geschehen ist</a>, das uns alle erschreckt und erschüttert hat. Wir sind daran erinnert worden, dass es in unserer Welt entsetzliche Dunkelheiten gibt, von denen wir nichts geahnt haben. Sie wohnen verborgen in menschlichen Herzen, manchmal direkt neben uns. Und wir haben es nicht gewusst.Jesus hat gesagt, dass alles Unheil im menschlichen Herzen beginnt. Da wohnen die Enttäuschungen, die Ängste, die Verletzungen, und manchmal mischt sich das alles, und daraus wird Wut und der Wunsch zu zerstören. Ich glaube nicht, dass irgendeiner und irgendeine von uns davor sicher ist. Aber bei den Allermeisten von uns geht das vorüber – Gott sei Dank! – und irgendwann erinnern wir uns noch nicht einmal mehr selbst daran.</p>
<p>Aber dann gibt es diese wenigen, schrecklichen Augenblicke, in denen mörderische Gedanken es schaffen, zur Realität zu werden, zur Tat. Und warum das jetzt ausgerechnet hier unter uns geschehen ist, das kann keiner sagen. Natürlich wird es Gründe dafür geben, vielleicht wird es irgendwann eine Gerichtsverhandlung geben, die Erklärungen zu Tage fördert. Aber im Ernst: müssen wir das wirklich wissen, müssen wir das in allen Einzelheiten wissen?</p>
<p>Ich glaube, für die Allermeisten von uns reicht es aus, zu wissen, dass wir alle auf unser Herz achten müssen, damit darin das Leben wohnt und nicht der Tod. Wir müssen uns nicht so direkt der Begegnung mit dieser grauenvollen Tat aussetzen wie die Polizisten und Rettungskräfte, die das für uns alle tun und denen wir dafür wirklich ganz großen Dank schulden. Wir sind auch nicht verpflichtet, uns in unseren Gedanken mit den Einzelheiten dieser Tat beschäftigen. Damit werden die Juristen, Psychologen und Seelsorger noch genug zu tun haben.</p>
<p>Aber wir sollen jeder an seinem Ort unser Teil dazu beitragen, dass gute Worte gesprochen werden, dass gesegnet wird und nicht beschuldigt, dass die Ausstrahlung dieser Tat gestoppt wird, dass Wunden geheilt werden und wieder ein gutes Leben möglich wird.</p>
<p>Liebe Freunde, besonders ihr aus Groß Ilsede, lasst uns alle miteinander hinarbeiten auf den Tag, an dem »Tanja S.« einfach wieder nur eine Bürgerin unseres Ortes ist, eine Nachbarin, jemand, über die es nicht mehr dauernd heißt: das ist die, deren Kinder damals getötet worden sind. Lasst uns nach vorne schauen zu dem Tag, an dem es stattdessen vielleicht über sie heißt: das ist die Tanja, die so schöne Bilder malt, ganz fröhlich, aber ein klein bisschen Traurigkeit ist fast immer auch dabei. Und wir treffen sie morgens oft, wenn sie ihre Runden läuft, die hat ganz schön Kondition. Wenn all das eines Tages wieder in den Vordergrund rückt, dann haben wir es richtig gemacht.</p>
<p>Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und es ist ein schwerer Weg. Natürlich vor allem für die, die da ganz nah dran sind. Alle, die so etwas aus der Nähe miterleben müssen, die wird das von nun an begleiten. Aber es muss nicht für immer als Schatten über dem Leben liegen.</p>
<p>Selbst jetzt ist Tanja immer noch viel mehr als das, was man ihr angetan hat. Und wir wollen sie nicht auf die schrecklichen Ereignisse in diesen Tagen festlegen, sondern wir wollen offen bleiben für das, was morgen aus ihr werden soll. Sie soll in Ruhe ihren Weg finden, und wir halten uns mit Ratschlägen zurück. Aber lasst uns alle für sie beten. Sie braucht jetzt Zeit, um ihr Leben zurückzugewinnen. Und dafür braucht sie einen sicheren, geschützten Ort.</p>
<p>Und das gilt auch für die ganze Familie, für die Nachbarn und Freunde und viele andere. Lasst uns hier ein sicherer Ort werden für uns und für alle, die in diesen Tagen besonders verletzt und erschreckt worden sind. Und das geschieht ja schon. In all diesem Dunkel gibt es doch so viel Hilfsbereitschaft, so viel Hoffnung, so viel Verantwortung und Verbundenheit. In diesen schlimmen Tagen zeigt sich auch, wie viel Gutes unter uns wohnt.</p>
<p>Und wenn ihr Tanja helfen wollt, dann sagt ihr: du darfst mich ansprechen, wenn du Hilfe brauchst. Oder sagt ihr: du kannst mich anrufen, wenn du jemanden zum Reden brauchst. Und wenn es passt, dann wird sie es tun. Und wenn sie sich nicht meldet, dann seid ihr nicht böse deswegen – vielleicht gibt es ja einfach so viele Helfer, dass sie nicht allen antworten kann. Denn sogar das – glaubt es mir – kostet Kraft.</p>
<p>Aber niemand ist verpflichtet, solche Hilfe anzubieten. Hilfe ist es auch schon, wenn man normal und freundlich auf sie zu geht. Natürlich sind wir jetzt alle befangen. Natürlich sind viele unsicher, wie man sich jetzt verhalten soll. Aber habt keine Angst, wenn ihr ihr begegnet. Wenn man den ersten Schritt tut, dann ergibt sich das andere. Drückt ihr einfach die Hand ein bisschen länger als sonst.</p>
<p>Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können nicht ungeschehen machen, was passiert ist, aber wir sind nicht ohnmächtig. Wir können alle ein großes oder kleines Zeichen aufrichten gegen die Mächte der Zerstörung und des Todes. Keinem von uns ist die Kraft Gottes fern, sein Leben, seine Liebe. Überall in der Welt wartet sie darauf, dass wir sie wahrnehmen, uns für sie öffnen und aus ihr leben.</p>
<p>Denn unsere Welt besteht aus Himmel und Erde. Seit langer Zeit ist der Himmel verborgen, damit er nicht auch noch von unseren Finsternissen verdunkelt werden kann. Er ist jetzt noch die verborgene Seite der Welt. Aber immer wieder erreichen uns von dort Zeichen und Signale. Gott sendet seine Engel vom Himmel auf die Erde, seine guten Mächte, damit sie die Zerstörung begrenzen, die Menschen hier immer wieder anrichten, im Großen und im Kleinen. Und ich kann wirklich sagen, dass wir diese Bewahrung in den vergangenen Tagen immer wieder erlebt haben.</p>
<p>Als größtes und klarstes Zeichen ist Jesus Christus zu uns allen gekommen. Er hat unter uns ein Leben gelebt, das ganz von den Kräften des Himmels erfüllt war. Er ist dem Tod in jeder Gestalt entgegengetreten und ist nicht zurückgewichen. Und als er selbst sterben musste, da war die Macht Gottes stärker als die Macht des Todes, und Gott hat ihn auferweckt, und der Tod musste zurückweichen. Von Jesus sollen wir lernen: damit wir auch Menschen des Lebens sind, bewegt von den Kräften des Himmels, und in Solidarität verbunden mit allen, die uns brauchen.</p>
<p>Alles, was daraus wächst, wird bleiben. Jedes freundliche Wort, jede Geste der Anteilnahme, jedes aufrichtige Gebet, und alle Tränen der Liebe werden bleiben. Gott bewahrt sie auf in der unsichtbaren Welt, im Himmel. »Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie« heißt es im 56. Psalm. Gott kennt alle Tränen, und er vergisst keine. Der Krug, in dem er sie sammelt – auch das ist ein Bild für die verborgene Seite der Welt, wo Gottes Wille schon jetzt geschieht. Wie sollten wir davon anders reden als in Bildern?</p>
<p>Und in seiner verborgenen Welt behütet Gott jetzt auch diese vier Kinder, damit sie am Ende doch noch ihren vollen Platz finden, den Platz, den er ihnen von Anfang an zugedacht hat: in der kommenden Welt, wenn alle Tränen abgewischt werden, und wenn Himmel und Erde wieder zusammen kommen. Gott setzt der Zerstörung die sanfte, ausdauernde Kraft seiner Liebe entgegen – und deshalb tun wir es auch.</p>
<p>Wir bewahren das Bild dieser Kinder in unseren Herzen, weil wir wissen, dass sie selbst geborgen sind in der guten und geliebten Hand Gottes.</p>
</div>
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		<title>Wir trauern mit Groß Ilsede</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jun 2012 20:49:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erlebtes]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Volkskirche]]></category>
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					<description><![CDATA[Statement unserer Kirchengemeinde<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ferlebtes%2Fwir-trauern-mit-gros-ilsede%2F&amp;action_name=Wir%20trauern%20mit%20Gro%C3%9F%20Ilsede&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="color: white;background-color: #3c3c3c;padding: 10px;padding-right: 11px;margin: 20px;margin-left: 10px;font-weight: bold">Wir sind erschüttert und tief betroffen von den schrecklichen Geschehnissen in unserer Gemeinde. Wir trauern um vier Kinder, die zum Leben geschaffen waren und nicht zum Sterben.<br />
Wir haben sie gekannt aus der Kinderarbeit und dem Konfirmandenunterricht. Wir können es noch kaum glauben, dass sie uns in Zukunft fehlen werden.<br />
Wir beten für ihre Familie und unterstützen sie mit unseren Möglichkeiten.<br />
Wir danken der Polizei und den Rettungskräften für ihre Unterstützung und Hilfe in der gegenwärtigen Situation.<br />
Wir teilen die Trauer in unserem Ort; wir beten für Groß Ilsede und bieten bei Gottesdiensten und Andachten die Kirche an als einen sicheren Ort, wo Trauer zum Ausdruck kommen und von der Liebe Gottes berührt werden kann.</p>
<p><!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>Volkstrauertag 2011</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Dec 2011 08:52:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ansprachen]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeist]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Ansprache zum Volkstrauertag am 13. November 2011 in Groß Ilsede<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fansprachen%2Fvolkstrauertag-2011%2F&amp;action_name=Volkstrauertag%202011&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,</p>
<p>wir begehen den Volkstrauertag in einem Jahr, das wie kaum ein anderes von Umwälzungen und Erschütterungen geprägt ist. Es hat begonnen mit dem arabischen Frühling, mit den Volkserhebungen in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien. Dann wurden wir Zeuge, wie in Fukushima die Atomkraft ihre ganze zerstörerische Kraft zeigte, ausgerechnet in diesem leidgeprüften Land, das am Ende des zweiten Weltkrieges die Erfahrung von zwei Atombombenabwürfen machen musste. In Norwegen sahen wir mit Schrecken, zu welcher mörderischen Energie der Hass gegen alles Fremde und Unvertraute fähig ist, auch hier in Europa. Und schließlich erleben wir Woche für Woche, wie die Welt von den wirtschaftlichen Gewalten hin und her getrieben wird, die Menschen von ihren Fesseln befreit haben und nun nicht mehr bändigen können. Wer erinnert sich heute noch an die Lebensmittelskandale am Anfang des Jahres oder an Ministerrücktritte, die uns beschäftigt haben? Es ist, als ob das alles schon ewig zurückliegt, so viel ist inzwischen schon wieder passiert. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende.</p>
<p>Mitten in diesen Unsicherheiten und Umwälzungen ist heute also der Volkstrauertag und erinnert uns daran, dass die Weltgeschichte auf die eine oder andere Weise schnell zu blutigem Ernst werden kann, eine Erfahrung, die uns in den vergangenen 66 Jahren hier in Europa durch unverdiente Gnade erspart geblieben ist. Zwei Drittel eines Jahrhunderts ohne Krieg und vergleichbare Katastrophen in unserem Land – ich wüsste nicht, dass es das jemals zuvor in unserer Geschichte gegeben hat.</p>
<p>Aber das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Völker Europas nach den beiden großen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts wirklich etwas gelernt haben: dass Krieg nichts sein darf, was immer mal wieder kommt, womit man sich abfindet und was man als letzte Möglichkeit gelegentlich in Kauf nehmen muss. Nein, Krieg darf nicht sein.</p>
<p>Deshalb haben unsere Väter und Mütter sich damals zwischen Gräbern und Ruinen geschworen: nie wieder Krieg, und sie haben es ins Grundgesetz geschrieben, und immer wieder haben wir es bekräftigt: von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen. Und es mag sein, dass in der Weltpolitik die Deutschen da als zögerlich und unsicher gelten, aber diese Erfahrung der mörderischen Kriege hat uns mit gutem Grund sehr zurückhaltend gemacht in Bezug auf Krieg und Gewalt. Das ist ein kostbares, teuer erkauftes Erbe, dass viele Menschen in unserem Land sich ganz sicher darin sind, dass es wenige irdische Güter gibt, die wichtiger sind als Frieden.</p>
<p>Aber zum Frieden gehört nicht nur diese Zurückhaltung gegenüber militärischer Gewalt. Zu den besten europäischen Traditionen gehört die Überzeugung, dass es auf den Geist ankommt, auf die Werte, von denen man lebt, auf die Stärke des Mitleidens, und dass diese innere Stärke auf lange Sicht mehr erreicht als militärische Macht. Der Fall der Mauer und die Umwälzungen in Osteuropa vor mehr als zwei Jahrzehnten haben uns das noch einmal deutlich bestätigt. In der Freiheitsliebe und Opferbereitschaft junger Menschen in den arabischen Ländern, in der erstaunlichen Gewaltlosigkeit auch im Angesicht tyrannischer Regime begegnen uns heute unsere eigenen besten Traditionen, und wir sind gefragt, ob wir sie wiedererkennen und um diese zarte Pflanze bangen, die da völlig überraschend aufgeblüht ist.</p>
<p>Und genauso sind wir gefragt, ob wir auch angesichts weltbewegender Krisen und Umwälzungen an unseren Überzeugung festhalten wollen. Wir haben Werte und Erfahrungen, die nicht nur für die Schönwettersituationen gedacht sind, sondern die uns gerade in schwierigen Zeiten Orientierung geben. Sie sind kein Luxus, sondern Überlebensausrüstung. Ein Volk ohne Vision geht zugrunde, heißt es in der Weisheit des Königs Salomo. Gerechtigkeit und Solidarität, Freiheit und Mitleid, sie sind Geschwister des Friedens, und es sind die unsicheren Zeiten, in denen sie sich bewähren werden, wenn wir ihnen trauen.</p>
<p>In diesem Sinn: Gott behüte unser Land und lasse uns im Frieden leben!<!-- /wp:post-content --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Schöpfung und Globale Erwärmung</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/klima/seminar-zur-globalen-erwarmung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 May 2007 20:29:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[LandLeben]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft der Gemeinde]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://tiefebene.wordpress.com/2007/05/06/seminar-zur-globalen-erwarmung/</guid>

					<description><![CDATA[Ein Seminar von HorizonT<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fklima%2Fseminar-zur-globalen-erwarmung%2F&amp;action_name=Sch%C3%B6pfung%20und%20Globale%20Erw%C3%A4rmung&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Freitag und Samstag hatten wir von HorizonT aus ein Seminar mit dem Thema &#8222;Schöpfung und Globale Erwärmung&#8220;. Es sieht so aus, als ob wir noch einmal neu überlegen müssen, was die kommenden Veränderungen des Weltklimas auch für uns als Gemeinschaft bedeuten.</p>
<p>Mir ist vor allem wichtig geworden, dass wir uns selbst und die Menschen um uns herum vor jeder Art von Zynismus bewahren müssen. Mit Zynismus meine ich: ein Sich-Einrichten im Schlimmen, mit irgendwelchen Argumentationen (von Nicht-wahr-haben-Wollen bis Resignation), die sich alle darin treffen, dass sie uns Umkehr und Engagement ersparen.</p>
<p>Die entscheidenden Probleme sind in den Köpfen (und Herzen) lokalisiert, sie sind geistlicher Art.</p>
<p>Für dieses Seminar habe ich in der vergangenen Woche gearbeitet, deshalb ist es hier mit <a href="http://tiefebene.wordpress.com/2007/04/29/erneuerung-der-christenheit-nach-dietrich-bonhoeffer-1/">Bonhoeffer</a> nicht weitergegangen.</p>
<p>Für alle, die sich gewünscht hatten, dass man die Präsentation noch einmal nachlesen kann:<br />
<a href="http://www.box.net/shared/sgchfibmg3">hier</a> ist sie im OpenOffice-Format (1MB)<br />
<a href="http://www.box.net/shared/3anzisj2t6">hier</a> im Power-Point-Format (1,2 MB) für alle die nicht von Microsoft loskommen<br />
<a href="http://www.box.net/shared/ustgt22six">hier</a> im Flash-Format (300kB), dann aber ohne die netten Klick-Effekte<br />
Allerdings ist das immer nur das argumentative Gerüst &#8211; was ich dazu erzählt habe, war nicht aufgeschrieben.</p>
<p><a title="Eine-unbequeme-Wahrheit" href="http://tiefebene.files.wordpress.com/2007/05/51vwv9-payl_aa240_.jpg"><img decoding="async" src="http://tiefebene.files.wordpress.com/2007/05/51vwv9-payl_aa240_.thumbnail.jpg" alt="Eine-unbequeme-Wahrheit" align="left" border="0" vspace="10" /></a>Der <a href="http://www.amazon.de/Eine-unbequeme-Wahrheit-Al-Gore/dp/B000JK8R4M/ref=sr_1_1/028-1285349-4859757?ie=UTF8&amp;s=dvd&amp;qid=1178483111&amp;sr=1-1">Al Gore-Film</a> (&#8222;Eine unbequeme Wahrheit&#8220;) ist auch sehr zu empfehlen. Gut, wie er auch immer die tieferen Fragen nach der persönlichen Haltung stellt.</p>
<p>.</p>
<p>.<!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>Gemeinde der Zukunft &#8211; nur in der Stadt?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jan 2007 22:58:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
		<category><![CDATA[LandLeben]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft der Gemeinde]]></category>
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					<description><![CDATA[Weshalb ich ganz gerne Pastor auf dem Land bin<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpraxis%2Fgemeinde-der-zukunft-nur-in-der-stadt%2F&amp;action_name=Gemeinde%20der%20Zukunft%20%26%238211%3B%20nur%20in%20der%20Stadt%3F&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Wer sich im Internet umschaut, merkt: Es gibt viele grundlegend neue Gedanken über die Gemeinde der Zukunft. Skizzenhaft oft noch, aber mit der Bereitschaft, Gemeinde noch einmal ganz neu zu denken. Weg von dem, was wir als die Gesellschaft dominierendes <em>Christentum</em> kennen. Wie aber sieht das aus in der norddeutschen Tiefebene?</strong></p>
<p align="left">Unter einem Stichwort wie <em>&#8222;emerging church&#8220;</em> denken international viele unterschiedliche Christen darüber nach, wie zukunftsfähige christliche Gemeinschaften aussehen können: ohne den Ballast aufwändiger und teurer Organisation, dafür echt, an Menschen orientiert, der sozialen Gerechtigkeit und einem freundlichen Umgang mit der Schöpfung verpflichtet. Orientiert an den ersten drei Jahrhunderten der Christenheit, die ohne staatliche Unterstützung (unter staatlichem Druck) ein enormes missionales Potential entfaltete. Inspirierende neue Gedanken kommen dabei vor allem aus dem englischsprachigen Raum &#8211; England, Australien, auch USA. Bücher sind oft (noch) nicht übersetzt, und vieles wird erst einmal im Internet formuliert und diskutiert. In Weblogs finden sich viele Mosaiksteine. Als jemand, der in einer eher ländlichen Situation lebt und arbeitet, interessiert mich vor allem, wie das alles in meiner Umgebung funktionieren kann.</p>
<p align="left">Denn viele Überlegungen und Experimente sind sehr deutlich von städtischer Kultur und deren Möglichkeiten geprägt. So viel Sympathie ich auch dafür habe &#8211; ich würde doch gern wissen, wie Gemeinde aussehen kann in einem Umfeld, in dem (noch?) sehr viel mehr Homogenität vorhanden ist, und wo die (auch vorhandenen) unterschiedlichen Kulturen und Lebensstile sehr viel durchlässiger sind.</p>
<p align="left">Und dieses Umfeld ist keine aussterbende Kultur, sondern stellt einen erheblichen Anteil der deutschen Bevölkerung und Wirtschaftsleistung. So schrieb neulich (17.1.07) die Frankfurter Rundschau:</p>
<blockquote><p>Rein numerisch hat der ländliche Raum noch ein großes Gewicht: Gut die Hälfte der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche des Staats gehören zum ländlichen Raum. Auch ökonomisch ist der ländliche Raum nicht von vornherein das Armenhaus der Nation. Natürlich gibt es viele ländliche Gebiete, die von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung betroffen sind. Auf der anderen Seite stehen jedoch reiche oder aufstrebende Agrarlandschaften mit baulich und infrastrukturell attraktiven und intakten Dörfern.</p></blockquote>
<p>und weiter:</p>
<blockquote><p>Dörfer und ländliche Regionen sind äußerst vielfarbig und tiefgründig zugleich. Ihre ausgeprägten regionalen und lokalen Individualitäten, ihre vielschichtigen Potenziale und Probleme entziehen sich einer einfachen Darstellung und Generalisierung.</p></blockquote>
<p>Aber auch auf dem Land bleibt die Zeit nicht stehen:</p>
<blockquote><p>Als neuer Trend ist zu beobachten, dass – fast unsichtbar – moderne private Dienstleistungen wie Versicherungen, Steuer- und Unternehmensberatung, Soft- und Hardwareentwicklung ins Dorf Eingang gefunden haben.</p></blockquote>
<p align="left">Also: die gesellschaftlichen Trends kommen &#8211; mit einer gewissen Verzögerung &#8211; auch hier an. Aber sie mischen sich stärker in den Mainstream, werden unaufgeregt eingebaut. Was bedeutet das für die Zukunft der Gemeinde hier bei uns?</p>
<p align="left">Diesem Thema möchte ich hier nachgehen &#8211; und auf der anderen Seite die motivierendsten Ideen zur Gemeinde der Zukunft sammeln und kommentieren. Ich finde es faszinierend, wie seit einigen Jahren ein ungeheuer beschleunigter Fluss von Gedanken und Ideen Christen verbindet, die geografisch manchmal Hunderte und Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind. Ohne große Organisation, einfach indem man sich von einer Website zur anderen, von einem Blog zum nächsten hangelt. Und hiermit startet auch mein Beitrag dazu.</p>
<p><!-- /wp:post-content --></p>
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		<title>Eine Zeit des Umbruchs</title>
		<link>https://www.walterfaerber.de/predigten/1petrus05_05b-11-eine-zeit-des-umbruchs/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Walter Faerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Sep 2004 15:42:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Regional]]></category>
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					<description><![CDATA[Predigt am 19. September 2004 zum Jubiläum der Ev. Frauenhilfe Groß Ilsede mit 1. Petrus 5,5b-11<img src="//www.walterfaerber.de/wp-content/plugins/matomo/app/matomo.php?idsite=1&amp;rec=1&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Fpredigten%2F1petrus05_05b-11-eine-zeit-des-umbruchs%2F&amp;action_name=Eine%20Zeit%20des%20Umbruchs&amp;urlref=https%3A%2F%2Fwww.walterfaerber.de%2Ffeed%2F" style="border:0;width:0;height:0" width="0" height="0" alt="" />]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div id="predigt">
<div id="bibeltext">
<p>Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. 7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.<br />
8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. 9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.<br />
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. 11 Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
</p></div>
<p>Damals vor 90 Jahren, als die Evangelische Frauenhilfe hier in Groß Ilsede gegründet wurde, ist das die Zeit gewesen, als die Kirche sich noch keine Sorgen machen musste? War das die gute alte Zeit, als die Menschen noch fromm waren und nach alter Väter Sitte lebten, jede Menge Lieder und Bibelsprüche auswendig kannten und sich selbstverständlich zur Kirche hielten?</p>
<p>Ich weiß nicht, ob es diese gute alte Zeit jemals wirklich gegeben hat. Aber eins ist ziemlich klar, wenn man die Aufzeichnungen liest: damals vor 90 Jahren war diese gute alte Zeit nicht. Es war unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg, auch wenn man das im März noch nicht wissen konnte, und mit diesem 1. Weltkrieg sollte die alte Welt für alle sichtbar zerbrechen. Aber in Wirklichkeit stand sie schon längst auf tönernen Füßen, nur hatten das noch nicht alle gemerkt.</p>
<p>Hier in Groß Ilsede arbeitete damals Pastor Hartwig. Soweit man das heute beurteilen kann, war Pastor Hartwig ein moderner Pastor, jung, und mit viel Energie. Es war seine erste Stelle, und er wollte etwas bewegen in der Gemeinde. Er betrieb Jugendarbeit, später im Krieg führte er Kindergottesdienst ein, und 1913 wurde eine elektrische Läuteanlage und ein elektrisches Gebläse für die Orgel angeschafft.</p>
<p>Pastor Hartwig hat aber anscheinend auch gedacht: wir müssen wieder zurück zu den alten Sitten und Selbstverständlichkeiten. Im Krieg, 1916, hielt er in der Frauenhilfe einen Vortrag zum Thema »Deutsches Haus und Deutsche Sitte«. Nicht »Christliches Haus und christliche Sitte«, sondern »deutsches Haus«. Das war damals eine merkwürdige Mischung aus Modernität und National- und Traditionsbewusstsein. Schon damals haben die Leute gesagt: ja, früher, da war es noch besser. </p>
<p>Und so hat Pastor Hartwig anscheinend auch versucht, wieder Zucht und Ordnung zu stärken: ein halbes Jahr vor Gründung der Frauenhilfe hat er sich mit seinem Kirchenvorstand gestritten, ob man denn bei Trauungen die Glocken läuten sollte, wenn die Paare schon vor der Ehe Geschlechtsverkehr gehabt hatten. Er wollte da nicht läuten lassen, sondern wieder ganz strikte Regelungen haben. Aber was heißt »wieder«? Ich weiß nicht, ob es diese Praxis hier bei uns je gegeben hat. Jedenfalls hat der Kirchenvorstand da nicht mitgemacht. Vielleicht haben die ja an ihre eigenen Kinder gedacht und gefürchtet, dass auch bei denen mal nicht geläutet werden würde. Vielleicht haben sie auch Konflikte in der Dorfgemeinschaft befürchtet, wenn der Pastor so streng war.</p>
<p>Kann es sein, dass Pastor Hartwig damals seiner Frau gesagt hat: »Du, ich kriege diesen Kirchenvorstand da nicht auf meine Seite. Aber wir müssen dringend die Bevölkerung christlich beeinflussen und die allgemeine Sittlichkeit wieder heben. Kannst du nicht einen Frauenverein gründen? Vielleicht könnten sich die auch um die jungen Mädchen kümmern, wenn sie gefährdet sind.«</p>
<p>Ich weiß natürlich nicht, ob es wirklich so war, aber so ungefähr war damals das Umfeld, in dem dann 1914 die Frauenhilfe gegründet wurde. Und auch das war damals etwas höchst modernes. In den großen Städten gab es solche kirchlichen Vereine schon seit 20 oder 30 Jahren, deshalb hat ja der Kollege aus Hannover am Abend den Vortrag gehalten. Aber hier im Landkreis Peine war die Frauenhilfe angeblich der erste solche Verein.</p>
<p>Und tatsächlich war diese Gründung ein revolutionärer Schritt. Ich habe vorhin vorgelesen, wie die Frau Hartwig am ersten Jahrestag der Gründung erzählt von den enormen Widerständen, die es im Dorf gegeben hat. Dummerweise sagt sie nicht, was denn genau kritisiert wurde. Vielleicht hatten manche ja Angst, dass die Machtbalance im Dorf durch so eine neue Gruppe gestört werden könnte. Vielleicht haben sie aber auch gemerkt, dass sich mit dieser Gründung die Grundlage der Gemeinde deutlich veränderte!</p>
<p>Machen Sie sich das doch mal klar: bis dahin gab es den Pastor, den Kirchenvorstand, den Küster &#8211; und sonst nur normale Gemeindeglieder. Alle Gemeindeglieder waren im Prinzip gleich, alle saßen im selben Gottesdienst, die einen vielleicht öfter als die anderen. Das war die klassische »Parochie« (so lautet der Fachausdruck). Aber jetzt gibt es etwas neues: eine kirchliche Frauengruppe. Da ist man nicht selbstverständlich drin wie in der Kirchengemeinde, sondern da muss man extra eintreten. Die einen sind drin und die anderen nicht. Verstehen Sie, da wurde Christentum aus einer selbstverständlichen Tradition zu einer Sache, für die man sich entscheidet. Ist das nicht eine Ironie der Geschichte, ausgerechnet jemand, der die gute alte Sitte festhalten oder wieder einführen will, versucht das mit einem ganz modernen Instrument!</p>
<p>Für uns ist es heute selbstverständlich, dass es in der Gemeinde solche Gruppen gibt, in die man erst eintreten muss, sonst ist man nicht drin. Damals war das etwas richtig Neues. Und man kann sich vorstellen, wie einige gefragt haben: muss das sein? wollen die etwa was besseres sein als wir anderen?</p>
<p>Die Gründung der Frauenhilfe ist ein Zeichen dafür, dass die traditionelle Gemeindeordnung, wo alle religiösen Bedürfnisse durch Gottesdienst und Amtshandlungen erfüllt wurden, Defizite hatte. Man spürte, dass ein Traditionsabbruch eingesetzt hatte, dass die alten Rezepte irgendwie nicht mehr richtig funktionierten, und wollte dem etwas Neues entgegensetzen.</p>
<p>Und es stimmt ja: Christlicher Glaube besteht nicht nur darin, dass man das Evangelium hört, sondern auch darin, dass man antwortet und sich dazu zusammenschließt. Es ging damals um die Realisierung des Glaubens im Leben durch Gemeinschaft und Hilfe, sprich Diakonie. Das hatte es früher nicht gegeben, religiöse Tätigkeit außerhalb des Gottesdienstes war sogar lange Zeit verboten, aber jetzt, am Ende des 19 und Beginn des 20. Jahrhunderts, war der Spielraum dafür da. Trotzdem, im Dorf wurde heftig diskutiert, und wäre nicht die Pfarrfrau der Motor gewesen, und hätte nicht der Pastor dahinter gestanden, wer weiß, ob es zu der Gründung gekommen wäre!</p>
<p>Und so betont Frau Hartwig in ihrem ersten Jahresbericht, dass die Frauenhilfe allen Mitgliedern der Kirchengemeinde mit Hilfe zur Seite stehen will. Man merkt, sie muss sich gegen den unausgesprochenen Vorwurf wehren: ihr seid eine Sondergruppe.</p>
<p>So ist die Gründung der Frauenhilfe der erste in einer Reihe von Versuchen, die Beschränkungen der klassischen Parochie, der hergebrachten Gemeindeordnung, zu überwinden und den Glauben ins Leben zu ziehen. Aber offensichtlich gelingt das nicht mit der ganzen Bevölkerung eines Ortes, anscheinend muss man dazu extra Gruppen schaffen. Und natürlich sind das auch immer erst Versuche gewesen, die trotz des Neuansatzes ganz deutlich die Spuren ihrer Zeit trugen. Natürlich musste damals die Frau des Hüttendirektors erste Vorsitzende sein, auch wenn Frau Hartwig der Motor war. Natürlich war das damals im ersten Weltkrieg ganz stark national geprägt.</p>
<p>Aber Menschen hatten sich auf den Weg gemacht, um genauer herauszufinden, wie denn authentisches christliches Leben aussehen könnte. Und immer wieder gab es seitdem solche neuen Vorstöße und Klärungen, auch im Raum der Frauenhilfe.</p>
<p>So hat es z.B. 30 Jahre später den Kreis der Bezirksfrauen gegeben. Ich habe nicht herausfinden können, ob der ursprünglich aus der Frauenhilfe herausgewachsen oder erst später mit ihr zusammengelegt worden ist. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg haben die wieder Geld gesammelt und Notleidenden geholfen. Die haben aber auch entdeckt, wie eine geistliche Gemeinschaft aussehen kann. Das ist bewegend, wenn man liest, wie Pastor Hennies das beschreibt: wie die sich zum Abschluss an den Händen gefasst und miteinander ein Lied gesungen und einen Bibelvers aufgesagt haben, und man spürt: da ist wieder ein neuer Baustein für christliche Gemeinschaft entdeckt worden.</p>
<p>Ich kann das hier nicht umfassend beschreiben, was es in diesen 90 Jahren alles für Vorstöße und Neuentdeckungen gegeben hat. Nicht alle hat die Gemeinde integriert: ein sehr charismatischer Kreis um eine Bezirksfrau in den 50er Jahren ist schließlich in eine Freikirche abgewandert.</p>
<p>Aber heute sind wir im Prinzip immer noch auf dem Weg, der damals mit Gründung der Frauenhilfe beschritten wurde: die Suche nach einer angemessenen Praxis des christlichen Glaubens. Die alten Lösungen greifen nicht mehr richtig, wenn sie es überhaupt je getan haben, aber die neuen sind noch nicht da. Der Traditionsabbruch ist 90 Jahre lang weitergegangen; wahrscheinlich hätte keine von den Gründerinnen der Frauenhilfe sich damals träumen lassen, was da noch alles vergehen würde an kirchlichen Selbstverständlichkeiten. Wir sind in einer Krisensituation, wie sie die Epistel dieses Sonntages beschreibt: eine Zeit des Drucks und der Mühen, auch eine Zeit der Versuchungen, aber vor allem eine Zeit der Hoffnung.</p>
<p>Der 1. Petrusbrief richtet sich an Christen, die unter der Anfeindung durch ihre Umwelt litten und das als eine Krisenzeit erlebten. Und Petrus versucht ihnen deutlich zu machen, dass Gott auch diese Situation in seiner Hand hat. Und er sagt ihnen: es kommt alles darauf an, dass ihr in dieser Belastungssituation das Richtige tut und euch nicht zu falschen Antworten verleiten lasst. Menschen sind ja bei Stress besonders gefährdet. Solange alles zu unserer Zufriedenheit läuft, sind wir meistens auch umgängliche und sympathische Menschen. Erst wenn wir unter Druck kommen, wenn es Probleme gibt, dann geraten wir in Gefahr, nervös zu werden, unerfreuliche Zeitgenossen zu werden und schlechte Wege einzuschlagen.</p>
<p>In diesen vergangenen 90 Jahren ist richtige Anfeindung eher selten gewesen und hat sich vor allem auf die Zeit des Nationalsozialismus konzentriert. Aber auch eine Zeit des Abbruchs und Umbruchs ist natürlich eine Zeit erhöhten Drucks und besonderer Versuchungen. Das kann man schon an Pastor Hartwig sehen: der ist 1920 nach Edemissen gegangen und hat sich dort später zu einem richtigen Nazipastor entwickelt. Pastor Rose, der früher Pastor in Oberg war, hat sich damit beschäftigt und herausgefunden, dass der da ganz üble Sachen gemacht hat.</p>
<p>Petrus sagt: demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes, gerade in solchen Krisensituationen. Und er meint: nehmt auch solche Situationen aus Gottes Hand entgegen. Versucht nicht, auf eigene Faust Sicherheit zu erlangen, versucht nicht, solche Zeiten mit Gewalt abzukürzen. Haltet aus, tut, was euch möglich ist, aber schaut auf Gott. Wenn es soweit ist, wird er euch wieder aufrichten.</p>
<p>Dietrich Bonhoeffer hat mitten im Krieg über die Krise der Kirche und den Traditionsumbruch nachgedacht, und er hat das für unsere Zeit so beschrieben: die Kirche steht erst am Anfang ihrer notwendigen Wandlung. Jeder Versuch, diesen Prozess abzukürzen, womöglich durch neue kirchliche Machtentfaltung, würde es alles schlimmer machen. Ich denke, das gehört zu der Demut, in der wir leben sollen, dass wir diese Zeit des Umbruchs in der Zuversicht bestehen, dass Gott uns da auch wieder herausführen wird, und dass es sein Weg zur Erneuerung der Kirche ist. Wir sollen natürlich tun, was wir können, aber wir brauchen einen &#8211; ich nenne es: humorvollen &#8211; Abstand von unseren ganzen Bemühungen. Spätere Generationen werden es besser wissen als wir, es wird immer wieder bessere Wege gegeben haben und neue Erkenntnisse, und wir sollen an dem, was gestern klar war und sinnvoll war, nicht mit aller Kraft festhalten. Morgen kann Gott schon wieder einen Schritt weiter sein, und es kommt nur darauf an, dass wir mit ihm Schritt halten. Was wir in die Wege leiten, das sind alles nur Zwischenlösungen, und wir wissen nicht, wie lange diese Zeit des Umbruchs noch dauern wird.</p>
<p>Also lasst uns fröhlich und mit einer gewissen Leichtigkeit in dieser Zeit des Übergangs leben. Wir sollen uns keine Sorgen machen. Die haben noch nie geholfen, weder den Einzelnen, noch der Gemeinde. Es ist ja auch eine spannende Zeit, dabeizusein, wenn Gott seine Gemeinde erneuert. Jedenfalls kann man es so sehen, wenn man mit Petrus darauf vertraut, dass Gott auch diese Zeit des Umbruchs in seiner Hand hat.</p></div>
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